17. April 2008 12:04
Schock
Der Grand-Prix-Song entzweit die Nation

Sébastien Tellier mag ein großer Elektro-Klangkünstler sein, sein englischsprachiger Grand-Prix-Beitrag für Frankreich sorgt für Zwist. Das Video hier!

Der Grand-Prix-Song entzweit die Nation
© L. Brancowitz, www.sebastientellier.com

Herr Tellier ist ein ganz Großer seines Fachs. Mit wunderschön-aparten Elektro-Songs ("La Ritournelle") verschaffte er sich international Gehör und reihte sich damit in die Riege der französischen Welt-Elektronikmacher wie Air oder Daft Punk ein. Nicht nur auf dem techischen Gebiet überzeugt der Meister, auch sein tief-trauriges Timbre beeindruckt weit über den französischen "Tellerand" hinaus. Sein Sound ist einzigartig, Frankreich könnte stolz sein, einen so begabten Künstler wie Tellier ins Rennen zu schicken. Überhaupt verwunderlich, dass Tellier sich für den Trash-Event hergibt.

Talent versus Nation
Um welchen Event könnte es sich handeln? Um den Grand Prix natürlich, der im Mai in Belgrad über die Bühne gehen wird. Der Leiter der EBU-Delegation in Frankreich hat angekündigt, dass Tellier mit dem Titel "Divine" für die Grande Nation antreten wird. Daran mag noch nichts Ungewöhnliches sein, doch der traurig-verträumte Synthie-Pop-Renner wird auf englisch gesungen. Halleluja. In der langen Geschichte des Songcontests gab es bis dato noch nie einen französischen Beitrag, der auf Englisch vorgetragen wurde. Die Einen werden es mögen, die Anderen, national eingestellten, wohl hassen.

Aufreger in den Straßen von Paris
Dies sorgt natürlich jetzt im eigenen Land für Aufregung - etliche Franzosen wollen aufgrund dieser Tatsache den Contest jetzt boykottieren. Die französische Kulturministerin Christine Albanel stehe jedenfalls absolut hinter Tellier und sie finde es auch schade, dass diese antiquierte Haltung noch immer in den Köpfen der Menschen vorherrsche. Ob der recht anspruchsvolle Song auch zwischen östlicher Trachtenfolklore, billigen Plastiksounds oder den verkannten Genies aus dem hohen Norden punkten wird, kann zu dem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Fest steht: Sébastien Tellier braucht sich darum eigentlich nicht kümmern, seinen Weg hat er bis jetzt erfolgreich mit Talent bestritten.