22. Oktober 2008 09:54
Sie schonen die Opfer ihrer Satire nie: Robert Palfrader lässt in „Wir sind
Kaiser“ die heimische Prominenz aufmarschieren, Florian Scheuba gilt als
bissiger Kabarettist (u. a. Die Hektiker, die ORF-Show „Die 4 da“) und wurde
auch als Haider-Parodist bekannt („Zwei echte Österreicher“ mit Thomas
Maurer). In ihrem ersten gemeinsamen Bühnenprogramm ergründen die beiden den
Ursprung ihres Zorns und die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.
Im ÖSTERREICH-Interview sprechen Florian Scheuba und Robert Palfrader über
ihr Programm, ihren Zorn und über Jörg Haider.
ÖSTERREICH: Was ist die Ausgangssituation bei „Männer fürs Grobe“?
Florian Scheuba: Zunächst ist es einmal ein Stand-Up-Abend, bei dem
wir sehr viele Videos zeigen wollen. Daraus entsteht zwischen uns ein
Zwei-Personen-Stück. Wir haben ganz konkrete Geschichten drin, die unseren
Zorn wecken, und unserer Meinung nach medial zu wenig Aufmerksamkeit
bekommen haben. An jedem Abend sitzen da 300 Leute drin, die wir damit
erreichen können. Das ist an sich ein idealistischer Ansatz, der aber von
uns ständig hinterfragt wird. Weil wir einfach realistisch genug sind, zu
sagen: Was bringts?
Robert Palfrader: Es ist aber auch ein sehr persönlicher Abend, bis
zu einem gewissen Maß auch eine Selbstdemontage, eine Entblößung.
Florian Scheuba: Und ein Spiel mit Erwartungshaltungen, die das
Publikum uns gegenüber hat. Es gibt die Erwartung, dass wir reinhacken,
ordentlich zur Sache gehen. Das erzeugt natürlich auch einen enormen
Zwiespalt: Einerseits will man, so wie jeder, der auf eine Bühne geht,
geliebt werden. Andererseits will man auch gefürchtet werden, wenn man schon
diesen Ruf zu verteidigen hat. Wir hinterfragen in unserer Arbeit ja ständig
Autoritäten. Aber auch wir sind in dem Moment, in dem wir auf der Bühne
stehen, eine Autorität.
Robert Palfrader: Die erst recht zu hinterfragen ist. Zumindest in
meinem Fall! (lacht)
ÖSTERREICH: Herr Palfrader, wenn man Ihre Beliebtheit betrachtet, die in den
letzten Jahren vor allem durch „Wir sind Kaiser“ in die Höhe geschossen ist.
Robert Palfrader: Dann muss man deutlich sagen: Dagegen gehört etwas
getan!
ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich etwa gar zu sehr geliebt?
Robert Palfrader: Das ist auch ein Punkt, den wir thematisieren. Ich
werde nach dem Ende der dritten Staffel im Sommer 2009 die Figur des Robert
Heinrich I. in Kryostase legen. Ich friere ihn einmal ein, lege ihn auf Eis
und lasse ihn dort zwei, drei Jahre liegen. Und dann schauen wir nach, ob er
das überlebt hat. Diese Kunstfigur ist schon so übergroß geworden, dass sie
beginnt, gewisse Teile meiner sonstigen Arbeit zu erdrücken. Ich will nicht
den Rest meiner Tage eine Kaiseruniform anhaben, da verkauf ich lieber
Würstel in einem Würstelstand.
ÖSTERREICH: Das klingt ja schon recht zornig. Wie leben Sie Ihren Zorn aus?
Florian Scheuba: Robert lebt ihn, glaube ich, direkter aus als ich.
Robert Palfrader: Ja, vielleicht. Aber mich bringen manche Dinge
nicht so zum Wahnsinn wie dich. Bei technischen Fragen zum Beispiel ist der
Florian eher bereit eine Flasche Schartner Bombe in seine Tastatur zu
kippen.
ÖSTERREICH: Können Sie in „Wir sind Kaiser“ auch Ihren Zorn ausleben?
Robert Palfrader: Zunächst möchte ich anmerken: „Wir sind Kaiser“
ist keine Satiresendung. Das ist reine Unterhaltung, die nichts anders sein
kann und will. Satire auf hohem Niveau im Fernsehen macht Florian in „Die 4
da“. „Wir sind Kaiser“ ist Blödeln - auf unterschiedlichem Niveau.
Natürlich bin ich auf den einen oder anderen meiner Gäste zornig. Es ist
dann schön, von einem fiktiven sozialen Gefälle auszugehen und jemandem ein
paar Dinge um die Ohren zu hauen, wozu man als Normalbürger recht selten die
Möglichkeit hat. Zum Beispiel, dem Westenthaler zu sagen, dass er die
Beliebtheitswerte eines tschechischen Atomreaktors hat. Das tut dann schon
gut – da reagier ich mich schon ab.
ÖSTERREICH: Herr Scheuba, Sie haben jahrelang Jörg Haider parodiert. Wie
haben Sie seinen Tod erlebt?
Florian Scheuba: Es betrifft natürlich uns alle, weil wir mit ihm
sozialisiert worden sind. Jeder Mensch in Österreich, der in unserer
Generation ist und sich für Politik interessiert, hat sich in den letzten
zwanzig Jahren immer auch über ihn definiert, wenn auch meistens im
Negativen. Er war immer dabei, ständig präsent und so gesehen auch Teil
unseres Lebens.
ÖSTERREICH: Hat sich der Tod Haiders in irgendeiner Form auf das Programm
ausgewirkt?
Florian Scheuba: Wir haben nur zwei Kleinigkeiten über ihn drin
gehabt, es war also kein großes Umschreiben angesagt. Haider ist in den
letzten Jahren auch nicht mehr so relevant gewesen, das muss man einfach
sagen. Im Nachhinein wird seine Person jetzt völlig verklärt, wenn es heißt,
er war gerade am Höhepunkt seiner Karriere. Das stimmt überhaupt nicht.
ÖSTERREICH: Kann man im Kabarett dieser Verklärung Haiders entgegenwirken?
Robert Palfrader: Man muss! Das ist eine Aufgabe des Kabaretts.
Florian Scheuba: Wir haben unmittelbar nach dem Unfall gesagt: Eine
Pointe nehmen wir auf jeden Fall heraus, bei der anderen schauen wir, dass
wir sie umformulieren. Nachdem, was da jetzt abgeht an Verklärung, vor allem
in Kärnten aber teilweise auch medial, haben wir uns gesagt: Das muss
eigentlich wieder rein, wenn auch ein bisschen umformuliert.
ÖSTERREICH: Sie loten in „Männer fürs Grobe“ auch die Grenzen des Zorns aus.
Wo liegen die im Falle des Todes Jörg Haiders?
Florian Scheuba: Wie bei allen schrecklichen Ereignissen entstehen
rundherum sofort Scherze, das ist normaler schwarzer Humor. Auf der Bühne
würde ich aber keine Scherze machen, die sich gezielt über Haiders Tod
lustig machen. Wozu? Das finde ich nicht gut.
Was aber die Verwalter seines politischen Erbes betrifft: Herr Petzner ist
jetzt eine politische Figur und muss damit auch Gegenstand der Satire sein
können. Die Tatsache, dass es ihm persönlich sehr zu Herzen geht, ist sehr
traurig und auch zu respektieren. Nur, er hat sich ja nicht zurückgezogen.
Ihm muss bewusst sein, dass das, was er macht, auch von der Öffentlichkeit
so wahrgenommen wird. Und damit wird er auch zum Beispiel in unserem
Programm vorkommen.
Robert Palfrader: Hätte er sich dazu entschlossen, seine Trauer
privat auszuleben, wären wir die letzten gewesen, die das thematisiert
hätten. Ich wundere mich wirklich, dass es niemanden gibt, der ihn vor sich
selbst schützt, und sagt: „Hör zu, das geht sich nicht aus.“ Das ist
tragisch. Ernsthaft: Ich habe wirklich Mitleid mit ihm.
ÖSTERREICH: Zurück zu „Männer fürs Grobe“: Auf dem Bild zum Stück posieren
Sie mit Vorschlaghammer. Wird es auf der Bühne auch derlei brachiale
Utensilien geben?
Florian Scheuba: Nein. Ursprünglich wollten wir eine Motorsäge
einsetzen, aber wir haben dann wegen der Feuerpolizei Bedenken gehabt. Also,
keine Sorge, das Publikum überlebts unbeschädigt. Es wird auch nichts
schmutzig werden.
ÖSTERREICH: Nass wird auch niemand?
Florian Scheuba: Es wird auch niemand nass, niemand wird geteert und
gefedert.
Robert Palfrader: Wie kommen Sie auf die Idee, dass wir jemanden
nass spritzen?! (scherzt:) Siehst du, Florian, das ist negativer
Imagetransfer: Du bist dabei, deinen Ruf zu ruinieren. „Mach es nicht!“ hab
ich zu ihm gesagt, bevor wir das angegangen sind. Der intellektuelle
Satiriker wird jetzt als Freund vom Palfrader geoutet. Das ist das
Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man ernstgenommen werden will!
Florian Scheuba (lacht): Nein, nein, das geht schon.
"Männer fürs Grobe": Premiere 23. Oktober, Rabenhof
Wien, 20 Uhr, alle Termine auf: www.maennerfuersgrobe.at.
Foto (c): Rabenhof