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ÖSTERREICH-Interview

© Rabenhof

 

Der "Kaiser" zürnt

Sie schonen die Opfer ihrer Satire nie: Robert Palfrader lässt in „Wir sind Kaiser“ die heimische Prominenz aufmarschieren, Florian Scheuba gilt als bissiger Kabarettist (u. a. Die Hektiker, die ORF-Show „Die 4 da“) und wurde auch als Haider-Parodist bekannt („Zwei echte Österreicher“ mit Thomas Maurer). In ihrem ersten gemeinsamen Bühnenprogramm ergründen die beiden den Ursprung ihres Zorns und die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.

Im ÖSTERREICH-Interview sprechen Florian Scheuba und Robert Palfrader über ihr Programm, ihren Zorn und über Jörg Haider.

ÖSTERREICH: Was ist die Ausgangssituation bei „Männer fürs Grobe“?

Florian Scheuba: Zunächst ist es einmal ein Stand-Up-Abend, bei dem wir sehr viele Videos zeigen wollen. Daraus entsteht zwischen uns ein Zwei-Personen-Stück. Wir haben ganz konkrete Geschichten drin, die unseren Zorn wecken, und unserer Meinung nach medial zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben. An jedem Abend sitzen da 300 Leute drin, die wir damit erreichen können. Das ist an sich ein idealistischer Ansatz, der aber von uns ständig hinterfragt wird. Weil wir einfach realistisch genug sind, zu sagen: Was bringts?

Robert Palfrader: Es ist aber auch ein sehr persönlicher Abend, bis zu einem gewissen Maß auch eine Selbstdemontage, eine Entblößung.

Florian Scheuba: Und ein Spiel mit Erwartungshaltungen, die das Publikum uns gegenüber hat. Es gibt die Erwartung, dass wir reinhacken, ordentlich zur Sache gehen. Das erzeugt natürlich auch einen enormen Zwiespalt: Einerseits will man, so wie jeder, der auf eine Bühne geht, geliebt werden. Andererseits will man auch gefürchtet werden, wenn man schon diesen Ruf zu verteidigen hat. Wir hinterfragen in unserer Arbeit ja ständig Autoritäten. Aber auch wir sind in dem Moment, in dem wir auf der Bühne stehen, eine Autorität.

Robert Palfrader: Die erst recht zu hinterfragen ist. Zumindest in meinem Fall! (lacht)

ÖSTERREICH: Herr Palfrader, wenn man Ihre Beliebtheit betrachtet, die in den letzten Jahren vor allem durch „Wir sind Kaiser“ in die Höhe geschossen ist.

Robert Palfrader: Dann muss man deutlich sagen: Dagegen gehört etwas getan!

ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich etwa gar zu sehr geliebt?

Robert Palfrader: Das ist auch ein Punkt, den wir thematisieren. Ich werde nach dem Ende der dritten Staffel im Sommer 2009 die Figur des Robert Heinrich I. in Kryostase legen. Ich friere ihn einmal ein, lege ihn auf Eis und lasse ihn dort zwei, drei Jahre liegen. Und dann schauen wir nach, ob er das überlebt hat. Diese Kunstfigur ist schon so übergroß geworden, dass sie beginnt, gewisse Teile meiner sonstigen Arbeit zu erdrücken. Ich will nicht den Rest meiner Tage eine Kaiseruniform anhaben, da verkauf ich lieber Würstel in einem Würstelstand.

ÖSTERREICH: Das klingt ja schon recht zornig. Wie leben Sie Ihren Zorn aus?

Florian Scheuba: Robert lebt ihn, glaube ich, direkter aus als ich.

Robert Palfrader: Ja, vielleicht. Aber mich bringen manche Dinge nicht so zum Wahnsinn wie dich. Bei technischen Fragen zum Beispiel ist der Florian eher bereit eine Flasche Schartner Bombe in seine Tastatur zu kippen.

ÖSTERREICH: Können Sie in „Wir sind Kaiser“ auch Ihren Zorn ausleben?

Robert Palfrader: Zunächst möchte ich anmerken: „Wir sind Kaiser“ ist keine Satiresendung. Das ist reine Unterhaltung, die nichts anders sein kann und will. Satire auf hohem Niveau im Fernsehen macht Florian in „Die 4 da“. „Wir sind Kaiser“ ist Blödeln - auf unterschiedlichem Niveau.

Natürlich bin ich auf den einen oder anderen meiner Gäste zornig. Es ist dann schön, von einem fiktiven sozialen Gefälle auszugehen und jemandem ein paar Dinge um die Ohren zu hauen, wozu man als Normalbürger recht selten die Möglichkeit hat. Zum Beispiel, dem Westenthaler zu sagen, dass er die Beliebtheitswerte eines tschechischen Atomreaktors hat. Das tut dann schon gut – da reagier ich mich schon ab.

ÖSTERREICH: Herr Scheuba, Sie haben jahrelang Jörg Haider parodiert. Wie haben Sie seinen Tod erlebt?

Florian Scheuba: Es betrifft natürlich uns alle, weil wir mit ihm sozialisiert worden sind. Jeder Mensch in Österreich, der in unserer Generation ist und sich für Politik interessiert, hat sich in den letzten zwanzig Jahren immer auch über ihn definiert, wenn auch meistens im Negativen. Er war immer dabei, ständig präsent und so gesehen auch Teil unseres Lebens.

ÖSTERREICH: Hat sich der Tod Haiders in irgendeiner Form auf das Programm ausgewirkt?

Florian Scheuba: Wir haben nur zwei Kleinigkeiten über ihn drin gehabt, es war also kein großes Umschreiben angesagt. Haider ist in den letzten Jahren auch nicht mehr so relevant gewesen, das muss man einfach sagen. Im Nachhinein wird seine Person jetzt völlig verklärt, wenn es heißt, er war gerade am Höhepunkt seiner Karriere. Das stimmt überhaupt nicht.

ÖSTERREICH: Kann man im Kabarett dieser Verklärung Haiders entgegenwirken?

Robert Palfrader: Man muss! Das ist eine Aufgabe des Kabaretts.

Florian Scheuba: Wir haben unmittelbar nach dem Unfall gesagt: Eine Pointe nehmen wir auf jeden Fall heraus, bei der anderen schauen wir, dass wir sie umformulieren. Nachdem, was da jetzt abgeht an Verklärung, vor allem in Kärnten aber teilweise auch medial, haben wir uns gesagt: Das muss eigentlich wieder rein, wenn auch ein bisschen umformuliert.

ÖSTERREICH: Sie loten in „Männer fürs Grobe“ auch die Grenzen des Zorns aus. Wo liegen die im Falle des Todes Jörg Haiders?

Florian Scheuba: Wie bei allen schrecklichen Ereignissen entstehen rundherum sofort Scherze, das ist normaler schwarzer Humor. Auf der Bühne würde ich aber keine Scherze machen, die sich gezielt über Haiders Tod lustig machen. Wozu? Das finde ich nicht gut.

Was aber die Verwalter seines politischen Erbes betrifft: Herr Petzner ist jetzt eine politische Figur und muss damit auch Gegenstand der Satire sein können. Die Tatsache, dass es ihm persönlich sehr zu Herzen geht, ist sehr traurig und auch zu respektieren. Nur, er hat sich ja nicht zurückgezogen. Ihm muss bewusst sein, dass das, was er macht, auch von der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird. Und damit wird er auch zum Beispiel in unserem Programm vorkommen.

Robert Palfrader: Hätte er sich dazu entschlossen, seine Trauer privat auszuleben, wären wir die letzten gewesen, die das thematisiert hätten. Ich wundere mich wirklich, dass es niemanden gibt, der ihn vor sich selbst schützt, und sagt: „Hör zu, das geht sich nicht aus.“ Das ist tragisch. Ernsthaft: Ich habe wirklich Mitleid mit ihm.

ÖSTERREICH: Zurück zu „Männer fürs Grobe“: Auf dem Bild zum Stück posieren Sie mit Vorschlaghammer. Wird es auf der Bühne auch derlei brachiale Utensilien geben?

Florian Scheuba: Nein. Ursprünglich wollten wir eine Motorsäge einsetzen, aber wir haben dann wegen der Feuerpolizei Bedenken gehabt. Also, keine Sorge, das Publikum überlebts unbeschädigt. Es wird auch nichts schmutzig werden.

ÖSTERREICH: Nass wird auch niemand?

Florian Scheuba: Es wird auch niemand nass, niemand wird geteert und gefedert.

Robert Palfrader: Wie kommen Sie auf die Idee, dass wir jemanden nass spritzen?! (scherzt:) Siehst du, Florian, das ist negativer Imagetransfer: Du bist dabei, deinen Ruf zu ruinieren. „Mach es nicht!“ hab ich zu ihm gesagt, bevor wir das angegangen sind. Der intellektuelle Satiriker wird jetzt als Freund vom Palfrader geoutet. Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man ernstgenommen werden will!

Florian Scheuba (lacht): Nein, nein, das geht schon.

"Männer fürs Grobe": Premiere 23. Oktober, Rabenhof Wien, 20 Uhr, alle Termine auf: www.maennerfuersgrobe.at.

Foto (c): Rabenhof

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