Der Rocker war nur halb so

Nachkritik

Der Rocker war nur halb so "shocking"

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Pop
Ein kleiner Aufnäher auf seiner zerrissenen Lederjacke gab schon zu Beginn von Marilyn Mansons Wien-Konzert die Richtung vor: „333 – Half Evil“ war da zu lesen. Und nicht etwa 666, die Zahl des Antichristen.

Ein kleines Detail nur, aber durchaus symptomatisch für die knapp 90-minütige, extrem Elektronik-lastige Show, die Manson mit knapp einer Stunde Verspätung startete.
Letztlich war alles, trotz standesgemäßer Begrüßung („Vienna, are you fucking allright?“), nur halb so „schocking“.

Psychomesser
Manson, mit pinkem Augenstreifen maskiert, zückte, von roten Nebelschwaden umhüllt, gleich zum Opener If I Was Your Vampire sein Psycho-Messer-Mikro, kreiste und torkelte bei Mobscene, einem Betrunkenen gleich, über die besonders finstere Bühne.

Ein paar Mal böse den Stinkefinger gen Himmel reckend, minutenlang die Polizeisirene aktiviert, und das war’s dann auch schon wieder mit der Provokation.

Überraschung
So konzentrierte sich Marilyn Manson in Wien mehr aufs Rocken (Highlight: Rock Is Dead), denn aufs Schocken und peitschte seine Vier-Mann-Band durch ein 15 Songs starkes Überraschungs-Set.
So gab’s statt der publikumswirksamen Coverversionen Personal Jesus oder Tainted Love ein selbstverliebtes Ego-Programm mit Schmanklern wie Are You The Rabbit? oder Putting Holes In Happiness.

Die großen Kracher
Sweet Dreams sang er auf einem überdimensionalen Elektrischen Stuhl, und bei The Fight Song packte er die Boxhandschuhe aus. Die großen Kracher Antichrist Superstar und The Beautiful People kamen in der Stadthalle erst als Zugabe.

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