Die Mafia mordet wieder

Real-Thriller

© Polyfilm

Die Mafia mordet wieder

Roberto Saviano lebt gefährlich. Denn seit er seinen Tatsachen-Roman Gomorrha – Reise ins Reich der Camorra veröffentlichte, muss der Autor unter Polizeischutz leben.

Der brisante Inhalt des Buches: Saviano enthüllt die Machenschaften der Mafia-Familien Neapels, die im großen Stil in Italiens Wirtschaft mitmischen. Illegal wird tonnenweise Giftmüll endgelagert oder werden für italienische Top-Designer monopolartig ganze Kollektionen hergestellt.

Einzelschicksale
Matteo Garrone bricht für seinen ungeschönten Mafia-Thriller Gomorrha das organisierte Verbrechen auf seine kleinsten Rädchen herunter: Zwei Grünschnäbel glauben, den lokalen Mafia-Boss von seinem Thron stoßen zu können. Ein Geldbote schmiert „besondere Freunde“ mit kassierten Schutzgeldern. Ein Meister-Schneider läuft zu einer chinesischen Textilfabrik über und enttäuscht damit seinen bisherigen Arbeitgeber, die Mafia, schwer.

Drecksarbeit
Nicht die Gangsterbosse stehen im Fokus, sondern ihre Handlanger: Kleine Fische, die die Drecksarbeit verrichten, im Umfeld der slumartigen Vororte Neapels.

Ein (Mafia-Film-erprobter) Regisseur wie Martin Scorsese hätte aus dem Stoff einen ganz anderen Film gemacht: Fernab des Pöbels wären die dicken Gangsterbosse mit ihren noch dickeren Zigarren romantisiert worden, indem man sie in Rauchschwaden und Gegenlicht getaucht hätte.

Garrone hingegen zeigt uns, was diese dicken Zigarren hinterlassen: Schalen Gestank und sehr viel Asche.

I 2008. 137 Min. Von Matteo Garrone. Mit Salvatore Abruzzese, Toni Servillo.

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