Beängstigendes Junkie-Paar

Don Giovanni

© APA/EPA

Beängstigendes Junkie-Paar

Der Wald auf der Bühne ist zugemüllt. Getränkedosen, Plastikflaschen, Spritzen, Binden – alles wird achtlos beiseite geworfen. Wir befinden uns also in der Gegenwart. Giovanni und sein Kumpel geben sich und einander schon mal einen Schuss. Leporello hat einen nervösen Tick, sein Partner geht an der Sucht, die ihn apathisch macht, und an seinen Halluzinationen zugrunde. In dieses Szenario transferiert Regisseur Claus Guth Mozarts Don Giovanni. Mit dem Libretto hat das nicht viel zu tun. Aber die Handlung ist immerhin erkennbar. Und vor allem sind die Personen mit größter Genauigkeit konturiert. Guth hat seine Inszenierung aus dem Jahr 2008 mithilfe der Sänger intensiviert, die Aktionen wirken gelöster, selbstverständlicher als damals.

Animator
Unterstützt wird Guth durch den Dirigenten Yannick Nézet-Séguin. Analog zur Bühne ist die orchestrale Partnerschaft drängend, ungestüm, stark akzentuiert. Vitalität ist gefordert. Die Wiener Philharmoniker beweisen einmal mehr, wie flexibel sie auf einen überzeugenden Animator reagieren können. Sensibel die Continuo-Ausschmückungen von Felice Venanzoni (Hammerklavier) und Robert Nagy (Cello) mit ihren herrlich ironischen Pointen und harmonischen Seitensprüngen.

Glaubhaft
Auf der Bühne eine Idealbesetzung. Christopher Maltman und Erwin Schrott singen und agieren als gleichgestimmtes, beängstigend realistisches Junkie-Doppel. Die drei Frauenrollen werden von Aleksandra Kurzak (Anna), Dorothea Röschmann (Elvira) und Anna Prohaska glaubhaft typisiert. Joel Prieto bewährt sich als vorbildlich phrasierender, schauspielerisch keineswegs passiver Ottavio.

Jubel für alle
Zuletzt Publikumsjubel für alle. Wegen der Regie kann man auch anderer Meinung sein. Aber langweilig ists an diesem Abend nie.

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