Eröffnung der Frankfurter Buchmesse & Katalonien

Literaturmesse

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse & Katalonien

Dienstagabend wurde die 59. Frankfurter Buchmesse eröffnet. Auf der weltgrößten Bücherschau wird mit rund 7.300 Ausstellern aus 110 Ländern eine Rekordbeteiligung erwartet. Insgesamt werden knapp 400.000 Produkte gezeigt. Die Veranstalter rechnen bis Sonntag (14.10.) mit rund 300.000 Besuchern. Für rund 2.500 Veranstaltungen haben sich 1.000 Autoren angesagt. Die ersten drei Tage sind für die Fachbesucher reserviert.

Eröffnungsfeier
An der Eröffnungsfeier hat neben dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch der Präsident der Regierung Kataloniens, Jose Montilla Aguilera, teilgenommen. Katalonien, der diesjährige Ehrengast der Buchmesse, ist mit fast 150 Autoren vertreten. Die wirtschaftsstärkste Region Spaniens im Nordosten des Landes hat eine eigene Sprache. Die literarische Eröffnungsrede hat der katalanische Autor Quim Monzo gehalten.

Die Frankfurter Buchmesse gilt nicht nur als weltweit wichtigster Branchentreff, sondern auch als führender Platz im Handel mit Buchlizenzen. Unter den Ausstellern führt Deutschland (3273) vor Großbritannien (797) und den USA (637).

2.500 Quadratmeter für Katalonien
Auf einem Bildschirm rezitierte die US-Altrockerin Patti Smith katalanische Gedichte. Gleich am Eingang zum Forum erzählt Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing über ihre Liebe zu Barcelona und zu Katalonien: Auf 2.500 Quadratmetern präsentiert sich die "Katalanische Kultur" bei der Frankfurter Buchmesse, die ab Mittwoch für fünf Tage ihre Toren öffnet.

Präsentation einer Kulturregion
Unter dem Motto "Einzigartig und universell" ist die Ausstellung eine beeindruckende Mischung aus Tradition und Moderne geworden. An den Decken hängt in der Form eines riesigen Mobiles ein bunter "Bücherwald" mit 2.500 Namen von katalanischen Autoren oder Begriffen. Neben der Präsentation der Geschichte der katalanischen Kultur werden audiovisuell die wichtigsten katalanischen Schriftsteller vorgestellt. Auf einer großen Leinwand informieren Filme über Katalonien und seine Menschen. In zahllosen verstreuten Sesseln können sich Besucher bequem in Bücher aus Katalonien vertiefen.

Katalanischer Sprachraum: 13 Mio. Menschen
Dennoch bleibt diese Präsentation Kataloniens, die wirtschaftsstärkste Region Spaniens mit eigenständiger Sprache, delikat. In der Schau werden ausschließlich die auf Katalanisch schreibenden Schriftsteller präsentiert. "Katalanische Literatur wird auf Katalanisch geschrieben", sagt Ausstellungskurator Xavier Pla. Zum Sprachraum mit knapp 13 Millionen Menschen gehören auch die Balearen, die Region Valencia und Teile Südfrankreichs.

International noch wenig bekannt
Der Streit um das Fernbleiben der auf Spanisch schreibenden Katalanen in Frankfurt dürfte während der Buchmesse anhalten. Bekannte Autoren wie Eduardo Mendoza ("Stadt der Wunder") oder Carlos Ruiz Zafon ("Der Schatten des Windes") sind nicht dabei - auch weil sie sich nicht für erwünscht hielten. Gerade die spanischen Medien werden mit Argusaugen beobachten, was die sich seit einem Referendum im vergangenen Jahr als "Nation" verstehenden Katalanen auf der Messe so treiben. Dutzende von katalanischen Autoren werden im Forum aus ihren Werken lesen, um ihre international wenig bekannte Literatur vorzustellen.

Katalanisch
"Für mich ist es eine Kultursprache", sagt Juan Goytisolo über das Katalanische in einer Video-Präsentation in der Ausstellung. Der in Marokko lebende Goytisolo, einer der international bekanntesten Schriftsteller Kataloniens, schreibt auf Spanisch. Dies tut er wie viele gerade der älteren Schriftsteller, die während der Franco-Diktatur groß wurden, in der das Katalanische verboten war. Zu den Raritäten in der Ausstellung gehört ein heimlich aufgenommener Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1970 über eine katalanische Dichterlesung in Barcelona, die von Francos Leuten gestürmt wurde.

Die teuerste Kulturoffensive
Die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse sind voll des Lobes über den ehrgeizigen Auftritt der Katalanen, die ihre rund 16 Millionen Euro teure Kultur-Offensive auf der Buchmesse auch mit Lesungen und Konzerten in vielen anderen deutschen Städten flankiert haben. Buchmessen-Direktor Juergen Boos merkte am Dienstag jedoch kritisch an: "Ich finde es schade, dass wir nicht die gesamte Vielfalt der katalanischen Kultur hier haben." Er hofft, dass die Verlage doch noch Spanisch schreibende Autoren aus Katalonien mitbringen.

Immerhin scheint sich das internationale Engagement der Katalanen für die in ihrer Sprache schreibenden Autoren ironischerweise auch in ihrem eigenen Land auszuzahlen. So landete Maria Barbal in diesem Frühjahr in Deutschland mit ihrem bereits 1985 in Barcelona auf Katalanisch erschienenen Buch "Wie ein Stein im Geröll" einen Bestseller. Jetzt wird das Buch auch wieder auf Spanisch neu aufgelegt.

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