Filmkritik

© MR-Film/Petro Domenigg

"Flirts mit Drogen und Alkohol": Der Falco-Film

Tragik
„Er hat immer im bürgerlichen Sinn nach Geborgenheit gesucht und eigentlich ist sie ihm versagt geblieben. Das ist das Bittere und Tragische an dieser Geschichte.“

So charakterisiert Regisseur Thomas Roth den Helden seines neuen Films, Falco. In 109 Minuten gewährt Falco – Verdammt, wir leben noch! Einblicke in die faszinierende Welt des Hans Hölzel, der sich selbst als Kunstfigur Falco neu erfand. Und der sich im Persönlichkeits-Pingpong zwischen Hansi und Falco immer wieder austrickste.

Auf der Bühne, erzählt der Film, war Falco souverän. In anderen Bereichen nicht. In der Musik schwankte er zwischen Euphorie und Selbstzweifel; bei den Affären ließ er die Frauen Nähe, aber auch schroffe Abweisung spüren. Die Launen des Grenzgängers, seine Flirts mit Drogen und Alkohol, waren selbst für enge Freunde schwer zu ertragen.

Launen
Eine gewisse Launenhaftigkeit ist auch ein Kennzeichen des Films, der zwischen unterschiedlichen Stilen schwankt. Wenn zu Beginn die Kindheit des späteren Stars geschildert wird, seine enge Beziehung zur Mutter, dann kommt das kreuzbrav und bieder über die Leinwand, als wär’s ein fades Fernsehspiel.
Doch wenn Hansi Hölzel erwachsen wird und seine Musik-Expedition beginnt, ändert sich die Attitüde.

Manuel Rubey, der Hauptdarsteller, würde zwar keinen Falco-Ähnlichkeitswettbewerb gewinnen, aber es gelingt ihm, die Aura des Falken eindrucksvoll auszuspielen: die Mimik; die Gestik; die leicht affektierte Sprache, für die (der echte) Falco bei Oskar Werner Anleihen nahm. Vergnüglich sind die Szenen aus Wiens Musikszene der Achtzigerjahre, wenn die exzentrische Hallucination Company aufspielt oder die wilden Drahdiwaberl. Enttäuschend beiläufig, fast nebensächlich wird hingegen das Entstehen der großen Falco-Songs geschildert.

Business
Die Szenen aus dem Musik-Business sind spannend (wenngleich Nikolaus Ofczarek keinerlei Gemeinsamkeit mit seinem Vorbild, Produzent Markus Spiegel, ausstrahlt). Und dann ist da noch die Geschichte mit Falcos späterer Ehefrau, im Film Jacqueline genannt: Die Szenen wirken in ihrer emotionalen Einförmigkeit (es wird meist gestritten) bald ermüdend. Da würde man sich stattdessen mehr Musik wünschen. Denn die Musik war doch des Falken zentraler Lebenssinn.

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