Franzobel über seine schräge Moser-Farce

"Wendehals"

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Franzobel über seine schräge Moser-Farce

In Moser oder Die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes thematisiert der oberösterreichische Dramatiker Franzobel Hans Mosers Rolle im 3. Reich. Das Interview.

ÖSTERREICH: Ihr Moser-Stück wird schon im Vorfeld heftig diskutiert ...
Franzobel: Man befürchtet, dass Moser vom Sockel gestoßen werden könnte. Mittlerweile sind zu den diversen Zeitungsberichten Tausende Postings eingetroffen, die Moser als österreichische Ikone darstellen, an der nicht gekratzt werden darf.

ÖSTERREICH: Worum geht es in dem Stück?
Franzobel: Moser kommt in den Himmel, wo Adolf Hitler der liebe Gott ist. Vor diesem Führer-Gott muss er sich rechtfertigen, und er erzählt sein ganzes Leben. Dabei kommt so ein bisschen sein Wendehals-Charakter heraus. Etwas für Österreicher nicht Untypisches.

ÖSTERREICH: Wie war Mosers Rolle im 3. Reich?
Franzobel: Er war der zweitmeistbeschäftigte Schauspieler nach Hans Albers. Und er hat auch am zweitmeisten verdient. Er hat zwar in keinem Propagandafilm mitgewirkt, aber er hat diesen sehr schleimigen Brief an Hitler geschrieben – er musste versuchen, mit seiner jüdischen Frau über die Runden zu kommen.

ÖSTERREICH: Trotzdem musste sie fliehen ...
Franzobel: Zunächst hat sie in Wien gelebt und wurde von der Gestapo verschont. Dann hat Moser sie nach Budapest verfrachtet und besuchte sie Woche für Woche mit dem Schiff. Er hat ihr Pelzmäntel und Perlenketten gebracht. Vor den Judendeportationen hat er sie wieder nach Wien geholt ... Also: Moser ist ein Beispiel dafür, wie man sich auf gut österreichisch durch so ein System durchlaviert. Man macht Karriere, ist eher unpolitisch, mischt sich nicht zu viel ein, sympathisiert zwar mit dem Widerstand, ist aber dann doch zu feig zum Handeln.

ÖSTERREICH: Ihr nächstes Stück porträtiert eine andere Ikone – Hans Orsolics – und kommt im Herbst ins Akademietheater. Was hat Sie am "Hansi" interessiert?
Franzobel: Sein unglaubliches Achterbahn-Leben. Er war ganz unten, hat sich raufgeboxt, durch windige Manager alles verloren und landete fast in der Gosse. Er hat eine Wahnsinnskraft in den Händen, und seine krankhafte Eifersucht – das sogenannte „Othello-Syndrom“ – macht seine Seele schwach. Das ist ein großer Theaterstoff.

Moser, Premiere Do., 25.2., Theater in der Josefstadt.

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