"> Fritz Muliar ist tot
Fritz Muliar ist tot

Doyen der Josefstadt

Fritz Muliar ist tot

Der Wiener Volks- und Charakterschauspieler Fritz Muliar ist im Wiener AKH 89-jährig verstorben. "Ich bin todtraurig. Fritz Muliar war jemand ganz Besonderer", ließ der Direktor des Wiener Theaters in der Josefstadt, Herbert Föttinger, wissen. "Ich habe ihn als Freund gewonnen und sehr sehr gern gehabt. Wir haben noch viele Pläne gehabt gemeinsam für die Josefstadt."

Gestern noch gespielt
Gestern, Sonntag, Nachmittag stand er noch in "Die Wirtin" auf der Bühne der Josefstadt. Am Abend brach er zusammen und wurde in das AKH eingeliefert.

Am 12. Dezember hätte Muliar seinen 90. Geburtstag gefeiert. Als Ensemblemitglied des Theater in der Josefstadt feierte er erst unlängst sein 70. Bühnenjubiläum. Neben der Josefstadt war das Burgtheater 20 Jahre lang seine künstlerische Heimat. Neben seiner Arbeit als Mime war der 89-Jährige engagierter Sozialdemokrat und unterstützte regelmäßig Wahlkampagnen der SPÖ.

Familiärer Hintergrund
Muliar wurde als uneheliches Kind geboren und wuchs in Wien-Neubau auf. Sein leiblicher Vater Maximilian Wechselbaum war ein Tiroler k.u.k. Offizier, der sich um seinen Sohn nicht kümmerte und später Nationalsozialist wurde. Muliars Mutter Leopoldine Stand dagegen, die als Sekretärin bei der Oesterreichischen Kontrollbank arbeitete, war eine überzeugte Sozialdemokratin. 1924 lernte sie den russisch-jüdischen Juwelier Mischa Muliar kennen und heiratete ihn. Fritz Muliars familiärer Hintergrund war damit multikulturell geprägt: Seine Großeltern waren erzkatholisch und deutschnationaler Gesinnung, seine Mutter eine engagierte Linke und sein Stiefvater Jude.

Verlor einen Sohn
1955 heiratete Muliar seine zweite Frau Franziska Kalmar, die erste Fernsehsprecherin Österreichs, nachdem seine erste Ehe kurz davor gescheitert war. Mit ihr bekam er die Söhne Alexander (* 1957) und Martin (* 1959). Sein erster Sohn Hans starb 1990. Bis zuletzt lebte er mit seiner Frau in Groß-Enzersdorf / NÖ in der Nähe der Lobau bei Wien.

Darsteller des kleinen Mannes
Muliar galt als Volksschauspieler. Eine besondere Fähigkeit ist die Darstellung von Tschechisch und Jiddisch sprechenden Menschen. „Ich bin ein Darsteller des kleinen Mannes – ein jüdischer Bankier, das ist noch drinnen, den Othello muß ich nicht unbedingt spielen. Den Lear – nur in einer Musicalfassung.“

ORF Programmänderung
In memoriam Fritz Muliar ändert der ORF heute sein Programm: Der "Kulturmontag" am 4. Mai (ab 22.30 Uhr, ORF 2) widmet sich ausführlich dem österreichischen Volksschauspieler und Regisseur sowie den Reaktionen seiner Kollegen und Weggefährten auf sein Ableben und zeigt ein 30-minütiges Muliar-Porträt. Um 23.30 Uhr zeigt ORF 2 im "art.film" Franz Moraks Felix-Mitterer-Verfilmung "Sibirien" mit Fritz Muliar in der Hauptrolle.

Lesen Sie auf der nächsten Seite die besten Zitat von Fritz Muliar

Zeitlebens hatte Fritz Muliar etwas zu sagen. Hier ist eine Sammlung seiner Zitate.

"Ich bin überzeugter sozialdemokratischer Monarchist."

"Panik ist bei mir Lebensphilosophie, seit ich im Jahr 1942 in der Nazizeit als Soldat verhaftet wurde."

"Komiker sollen entweder ganz dumme Leute sein oder sehr gescheite. Die, die so viel nachdenken, de san meistens kane Komiker."

"Solange ich arbeiten kann, werde ich das tun."

"Ich möchte gerne der älteste aktive Schauspieler Österreichs sein."

"Wenn man weiß, wie schnell ein Leben zu Ende sein kann, fürchtet man sich."

"Ich glaube an kein Jenseits. Ich möchte auch nicht als Baumwanze wiedergeboren werden."

"Ich habe Kreisky verehrt und war mit ihm befreundet. Knapp vor seinem Tod hat er mich noch nach Hause eingeladen. Da hat er nicht mehr gesprochen und nur noch am Schluss gesagt: 'Du warst mir immer ein guter Freund.'"

"Erstens bin ich ein Patriot, ich bin für Österreich im Gefängnis gesessen. Und zweitens lasse ich mich von diesem Rotzbuben nicht beleidigen." (über Claus Peymann)

"Ich will nicht in Wien leben und am Abend in Bochum Theater spielen." (über die Entwicklung des Burgtheaters unter Claus Peymann)

"Wir haben damals zwei Tage nach der Staatsvertragsunterzeichnung geheiratet, und eine Zeitung schrieb: 'Österreich hat seine Freiheit gewonnen, Muliar hat seine verloren.' Und Außenminister Leopold Figl hat mir persönlich gratuliert. Mit den Worten 'Mach dir nix draus'." (zur Hochzeit mit Franziska Kalmar)

"Als er dann bei der Angelobung vom Kabinett Schüssel II dieses berühmte ernste Gesicht gemacht hat, habe ich begonnen, ihn zu lieben." (über Thomas Klestil)

"Alles auf null stellen. Alexander Wrabetz ist ein guter Mann, alle sind bemüht, einiges ist besser geworden, vor allem die Nachrichten. Trotzdem: Die ORF-Reform noch einmal von vorne anfangen. Mir ist das Programm zu wenig österreichisch, es fehlt das große Fernsehspiel."

"Ich will die Krot nicht mehr schlucken, die ich noch bei der Wahl der ORF-Direktoren geschluckt habe." (vor dem Abschied aus seiner Funktion als ORF-Stiftungsrat)

"Ich bin schon sehr oft grantig." (über sein "Alterslaster")

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