Gery Keszler

© APA/Herbert Pfarrhofer

"Für mich brach da eine Welt zusammen!"

Es muss wie ein Schlag aus heiterem Himmel gewesen sein. Just zwei Tage vor dem Life Ball 2009 am 16. Mai erschien ein Zeitungsartikel in der renommierten deutschen Zeitschrift Die Zeit. Inhalt: Life-Ball-Vater Gery Keszler (46) und sein Aids-Life-Verein sollen Spendengelder (ein Gesamtvolumen von 10.310.043,83 Euro von 1993 bis 2008) missbräuchlich verwendet haben.

Freiwillig und unter größtmöglicher Transparenz ließen sich Keszler und sein Team daraufhin von den Experten der Hübner & Hübner Wirtschaftsprüfungs GmbH durchleuchten. Deren Ergebnis, knapp vier Monate nach dem „Skandal“: Die Vorwürfe sind vom Tisch, der Aids-Life-Verein erfüllt sogar die Voraussetzungen für die Erlangung des Österreichischen Spendengütesiegels.

Für Keszler dennoch eine Zeit der Ernüchterung. Wie er damit fertig wurde und von wem er mehr Rückendeckung erwartet hätte, verrät er im ÖSTERREICH-Gespräch.

ÖSTERREICH: Wie sehr hat Sie der Artikel damals getroffen?
Gery Keszler: Es war im ärgsten Trubel, 48 Stunden vor dem Ball. Damals ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Der Artikel war bösartig und unrecherchiert.

ÖSTERREICH: Was war die Folge?
Keszler: Wir haben uns einer genauen Prüfung unterziehen lassen. Das Ergebnis ist ja seit heute bekannt. Doch es waren für unsere kaufmännische Leiterin, Sonja Hauser, extrem anstrengende Monate. Gut war, dass ich alle Unterlagen vorweisen konnte. Die habe ich seit 1993 schön säuberlich gesammelt.

ÖSTERREICH: Von wem fühlten Sie sich in dieser Zeit im Stich gelassen?
Keszler: Na ja, da kamen nach dem Ball auf einmal keine Glückwünsche mehr aus der Politik. Auch viele Einladungen für Events blieben aus. Nicht, dass mir das wichtig wäre, weil ich meinen Fokus ohnehin auf internationaler Ebene haben muss, um neue Stars bringen zu können. Es war alles so nach dem Motto: Irgendwas wird an dem Artikel schon dran sein.

ÖSTERREICH: Und im Alltag?
Keszler: Ich habe ein Grundstück im Burgenland – das wollte ich schon immer haben. Und selbst dort haben mich die Bauern auf den Traktoren komisch angeschaut.

ÖSTERREICH: Planen Sie jetzt den Verfasser des Artikels zu klagen?
Keszler: Nein, im Gegenteil. Eigentlich müsste ich ihm fast danken. Denn durch das Spendengütesiegel können wir jetzt unter größtmöglicher Transparenz beweisen, dass alles korrekt ist. Außerdem war das auch gleichzeitig der Startschuss für nächstes Jahr. Da findet der Life Ball am 17. Juli statt und bildet damit den Auftakt zur Welt-Aids Konferenz in Wien. Mit Top-Forschern und Mega-Stars.

ÖSTERREICH: In all der Zeit, haben Sie da je an einen Abschied mit dem Life Ball aus Wien gedacht?
Keszler: Nein, sicher nicht! Und es wird auch keine Ableger des Balls irgendwo im Ausland geben. Der Life Ball gehört genau so nach Wien, wie die Academy Awards nach Los Angeles.

Urkunde. Nach mehrmonatiger Prüfung, der sich Keszler freiwillig und unter größtmöglicher Transparenz unterzog, stellten die unabhängigen Experten der Hübner & Hübner Wirtschaftsprüfung GmbH fest: „Alle Spenden kommen dem „Aids-Life“-Verein zugute.“ Die Summe aller geleisteten Zuwendungen von 1993 bis 2008 beträgt 10.310.043,83 Euro. Damit ist amtlich, dass die aufgestellten Behauptungen unwahr sind.

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