Gary Moore tot in Hotelzimmer gefunden

Mysteriöser Tod

 

Gary Moore tot in Hotelzimmer gefunden

Als Musiker verbuchte er mit der irischen Band Thin Lizzy ("The Boys are Back in Town", "Whiskey in the Jar") sowie als Solokünstler nicht nur einige Hits, sondern überzeugte vor allem durch sein versiertes, genreübergreifendes Spiel: Der Rock- und Blues-Gitarrist Gary Moore ist gestern, Sonntag, gestorben. Der 58-Jährige wurde im Zimmer eines Luxushotels im südspanischen Urlaubsort Estepona an der Costa del Sol aufgefunden. Klarheit über die Todesursache gibt es auch am Tag danach noch nicht.

"Ein gesunder Kerl"
Anzeichen von Fremdeinwirken sind laut Angaben der spanischen Behörden nicht feststellbar. Sollte die Autopsie keine verdächtigen Anhaltspunkte ergeben, werde die Kriminalpolizei keine Ermittlungen aufnehmen, berichtete die Zeitung "La Opinion" (Montagausgabe) unter Berufung auf Polizeikreise. Das Opfer eines typischen Rock'n'Roll-Lebens mit viel Alkohol und Drogen sei Moore aber nicht geworden, hieß es aus seinem Umfeld. "Er war ein gesunder Kerl", sagte sein Kollege Eric Bell der BBC.

Die Biografie
Gary Moore wurde am 4. April 1952 in Belfast geboren und wurde in jungen Jahren von Künstlern wie Elvis Presley oder den Beatles beeinflusst. Seine erste Band Skid Row (nicht zu verwechseln mit der US-amerikanischen Formation gleichen Namens) erhielt 1970 einen Vertrag bei dem Label CBS. Bis kurz vor der Unterzeichnung war der spätere Thin Lizzy-Sänger Phil Lynott Teil der Gruppe. Drei Alben und mehrere Tourneen sollten folgen, bevor Moore die Band zugunsten einer Solokarriere auflöste. Doch diese sollte - vorerst - nur von kurzer Dauer sein.

 Der Gitarrist ersetzte Eric Bell bei Thin Lizzy, womit er wieder auf seinen Jugendfreund Lynott traf. Die Zusammenarbeit sollte von mehrere Unterbrechungen gekennzeichnet sein, aber Moore kam immer wieder zurück, bevor er nach der "Black Rose"-Tour im Jahr 1978 endgültig seine Solopfade verfolgte. Ein Jahr darauf veröffentlichte er die Single "Parisienne Walkways", für die er Lynott als Gastsänger gewinnen konnte. In den 80ern folgten u.a. das Album "Wild Frontier", auf dem er seine keltischen Wurzeln auslotete, sowie Ausflüge ins Metalgenre, bevor mit dem 1990er Album "Still Got The Blues" ein Meilenstein nachlegte.

 Moore arbeitete für diese sowie nachfolgende Veröffentlichungen mit Blueslegenden wie Albert King, BB King oder Albert Collins zusammen, war kurzzeitig mit Ginger Baker und Jack Bruce als BBM unterwegs und veröffentlichte weiterhin Soloproduktionen: "Dark Days in Paradise" (1997), "A Different Beat" (1999) oder "Back to the Blues" (2001). Zusammen mit Drummer Darrin Mooney (Primal Scream) und Bassist Cass (Skunk Anansie) gründete Moore 2002 die Gruppe Scars. Wie wenig sich Moore um Erwartungshaltungen kümmerte, äußerte er anlässlich der Veröffentlichung des Debütalbums der Band damals auch gegenüber der APA:  "Ich schere mich nicht mehr um Formate. Gary Moore wird ohnehin nicht im Radio gespielt. Die Songs sind spannend, sie passen so - alles andere interessiert mich nicht."

Sein Partner starb 1986
Im August 2005 gab es ein erneutes Zusammentreffen von Moore mit seinen Kollegen von Thin Lizzy, als die Musiker in Dublin ein Konzert gaben, das später unter dem Titel "Gary Moore and Friends, One Night in Dublin, A Tribute to Phil Lynott" als DVD veröffentlicht wurde. Über seinen ehemaligen Partner Lynott, der 1986 gestorben ist, meinte Moore: "Ich kannte Phil seit meinem 16. Lebensjahr, wir haben viele Jahre miteinander verbracht. An meine Zeit mit Thin Lizzy erinnere ich mich weniger gerne als an Phil als Freund. Sein Tod (durch Überdosis, Anm.) war unnötig."

   Das letzte reguläre Soloalbum von Moore, "Bad for You Baby", erschien 2008. Die Erfolgschancen seiner Musikrichtung sah der Gitarrist trotz seiner zahlreichen Hits recht nüchtern: "Blues ist eine sehr starre Formel. Das Zwölftakt-Schema bringt dich nicht unbedingt in die Charts". Aber "den Blues wird es immer geben, so lange es Menschen gibt", so der Musiker in einem APA-Interview anlässlich der Veröffentlichung der Platte "Old New Ballads Blues" 2006.

   Auf die Todesnachricht reagierten seine ehemaligen Mitstreiter geschockt: "Ich kann noch nicht glauben, dass er nicht mehr da ist", sagte Brian Downey. Moores Nachfolger als Thin-Lizzy-Gitarrist, Scott Gorham, meinte: "Es war eine Ehre, mit ihm auf der Bühne gestanden zu haben." Die irische Rockgruppe gastierte am gestrigen Sonntag in der Wiener Arena.

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