30. Jänner 2008 10:15
In Rio de Janeiro hat eine Richterin einer Sambaschule den Einsatz eines
Karnevalswagens mit übereinander gestapelten Holocaust-Opfern sowie eines
Tänzers im Hitlerkostüm beim Umzug am Wochenende untersagt. Die Richterin
Juliana Kalichszteim entschied am Donnerstag, dass der weltberühmte Karneval
in der brasilianischen Metropole nicht zur "Aufstachelung zum Hasskult, zu
irgendeiner anderen Form von Rassismus oder zur Banalisierung von
barbarischen Taten" missbraucht werden dürfe. Sie gab damit einem Einspruch
der Israelitischen Föderation von Rio statt.
Deren Sprecher sagte, der Wagen mit den toten Juden nachempfundenen Puppen
sei "lästig, aber legal" gewesen. Die Entscheidung, einen als Hitler
verkleideten Mann auf dem Leichenberg tanzen zu lassen habe das Projekt
jedoch illegal werden lassen.
Der Regisseur der Sambaschule Unidos da Viradoura, Paulo Barros,
verteidigte den für Sonntag geplanten Auftritt im Sambodrom der Stadt. Er
gehöre zum diesjährigen Thema der Schule, das sich unter anderem mit
Ereignissen auseinandersetze, die einem die Haare zu Berge stehen ließen.
Der Wagen sei als eine Art Warnung zu verstehen, damit sich der Holocaust
nie wiederhole.
Der Wagen von Viradouro sollte eine Ansammlung Schaufensterpuppen zeigen
als Beispiel für etwas, "das Gänsehaut erregt". Unter diesem Motto stehen
auch die anderen sieben Motivwagen der Gruppe für den 80-minütigen Umzug.
Dargestellt werden unter anderem Kälte, Angst und Geburt. Auf dem
Holocaust-Wagen sollten aus Respekt vor den Opfern des Nazi-Terrors keine
Samba-Tänzer auftreten.
In der Vergangenheit haben andere Karnevalsgruppen ihre Motivwagen als
Reaktion auf Widerstand der katholischen Kirche geändert. Diese widersetzt
sich Darstellungen von Maria oder Christus. Die zweitägigen Karnevalsumzüge
in Rio werden von Millionen Brasilianern im Sambadrom und im Fernsehen
verfolgt.