Giga-Jacht, Panzer & Solarium

Venedig

Giga-Jacht, Panzer & Solarium

Eine Giga-Jacht drohte am Donnerstag der Kunst-Biennale von Venedig die Show zu stehlen: die Luna von Roman Abramovic. 115 Meter lang, mit Helikopterlandeplatz und Pool ausgestattet und von Zäunen und Securitys umzingelt, formulierte die Luna das eindrücklichste „Statement“ in der Lagune: So sehen Macht, Luxus und Paranoia aus. Was hat dem die Biennale entgegenzusetzen?

Panzer
Einiges, wie man sich beim ersten Rundgang durch die nach Jasmin duftenden „Giardini“ überzeugen konnte. Der Pavillon der USA etwa lockt mit Installationen, die der Luna an Plakativität um nichts nachstehen: draußen ein umgekippter Panzer, auf dessen Kette ein Bodybuilder trainiert; drinnen eine Freiheitsstatue im Solarium und ein Bankomat, der beim Einführen der Karte ein wuchtiges Orgelspiel auslöst.
Kathedrale. Noch pathetischer präsentiert sich der deutsche Pavillon, der in eine Schlingensief-Kathedrale mit Altar und Betbänken umgebaut wurde, wo aktionistische Videos des 2010 an Lungenkrebs verstorbenen Künstlers von einbandagierten Zombies unbehagliche Stimmung verbreiten (der Wiener Aktionismus lässt grüßen).

Natur
Während der russische Pavillon Vergangenheitsbewältigung in schaler Volkshochschulanmutung betreibt und Korea ringende Riesenroboter ins Rennen schickt, schufen die Schweden in ihrer luftigen Natur-Installation (mit einem magischen Berg-Baum-Gemälde, winzigen Giacometti-artigen Viecherln und Erdhügeln) eine Oase der Besinnung.

Labyrinth
Minimalistisch – und vorbildlich sparsam – fiel der griechische Beitrag aus: ein schlichter Steg über sich kräuselndem Wasser (was die Besucher zu süffisanten Kommentaren reizte). Elegant und konzentriert auch der österreichische Pavillon, den Markus Schinwald mit einem „schwebenden Labyrinth“ ausgestattet hat, in dessen engen Gängen der Betrachter mit Porträts von Prothesenträgern (Spangen, Drähte) konfrontiert wird (auch hier grüßt der Wiener Aktionismus).

Party
Nach der gestürmten Eröffnung des Österreich-Pavillons mit Würsteln und Almdudler luden Kulturministerin Claudia Schmied und echomedia 1.000 Kunstfreaks zur nächtlichen Party ins Cipriani, von wo aus im Dunst der Kanäle zwar kein Mond, aber wenigstens die Luna deutlich zu sehen war.

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