Filmfestspiele

© Daniele Venturelli

"Giorgio! Giorgio!!" in Venedig

Lancias, Lancias, überall. Und kreischende Fans natürlich. Am roten Teppich der Filmfestspiele Venedig wurde es Mittwoch Abend ziemlich eng: Bei der Gala-Premiere des Eröffnungsfilms “Burn After Reading” wurden die Stars des Abends in schwarzen Lancias eingefahren: Brad Pitt – heuer nur mit seinen Adoptiv-Soehnen Pax und Maddox in Venedig - George Clooney, Tilda Swinton, Frances Mc Dormand und die Regisseure Joel und Ethan Coen kamen als Filmteam unter sich und lieferten einen gut gelaunten, aber kurzen Auftritt vor den (hauptsaechlich “Giorgio!”) kreischenden Fans: Viel Winken, kaum Autogramme, wenig Zeit.

Charity für Markusplatz
Denn neben dem Festival wollte auch eine besondere Charity-Auktion eröffnet werden: Tilda Swinton verewigte sich als erster von erhofft vielen Stars im Namen des Automobilherstellers Lancia (zugleich Austatter der Festspiele) mit ihrem Handabdruck in feuchtem Zement. Das “Souvenir” soll danach auf e-bay versteigert werden, der Erlös in die dringend notwendige Renovierung des Markusplatz fließen. „Das sieht ja aus wie die Klaue einer Krähe“, zeigte sich Swinton allerdings wenig begeistert ihren Abdruck, den sie schließlich noch mit ihrem Namen unterschrieb.

Österreich-Stars
Weitere Stars des Abends, darunter auch Fiona Winter-Svarovski mit Karl Heinz Grasser, neben Claudia Schiffer, Valentino-Chef Matteo Marzotto und Claudia Cardinale, liessen sich unterdes feiern, ebenso wie die diesjaehrige Jury, für die die Arbeit gestern richtig begonnen hat:

Qualität & Glamour
“Weniger Glamour, mehr Qualität” sollen die Festspiele heuer bieten: Unter der Leitung von Jurypräsident Wim Wenders konkurrieren bis zum 6. September 21 Filme im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Dieses Jahr ohne österreichischen Beitrag, ist aber mit Christian Petzolds "Jerichow" erstmals seit 2004 wieder ein deutscher Streifen dabei: Der 47-jährige Regisseur stellt "Jerichow" mit Nina Hoss, Benno Fürmann und Hilmi Sözer heute am Lido vor.

Ausserdem kehrt Kathryn Bigelow ("Gefaehrliche Brandung", "Strange Days") nach langer Pause zurück. "Hurt Locker" erzählt von Bombenexperten im Irak und dem Krieg, den die Männer mit sich selbst führen. Darren Aronofsky ("Pi", "Requiem for a Dream") lässt in "The Wrestler" Mickey Rourke als Ringer antreten. Und auch Takeshi Kitano zeigt sein neuestes Werk: "Achilles and the Tortoise" ist das Porträt eines Künstlers, der mit seinem Misserfolg fertig werden muss. Schließlich gibt der bisher als Drehbuchautor gefeierte Mexikaner Guillermo Arriaga ("Amores Perros", "Babel") sein Regiedebüt: Charlize Theron und Kim Basinger kämpfen in "The Burning Plain" als Mutter und Tochter mit Schuld und Vergebung. Eine Mutter-Tochter-Beziehung steht auch im Mittelpunkt von „Rachel Getting Married“ von Jonathan Demme mit Jungstar Anne Hathaway.

"Wir wollen vom Kino nicht mehr verlangen, uns vor der problematischen Gegenwart zu retten," sagte Festival-Direktor Marco Mueller bei der Eroeffnung am Mittwoch. Deshalb seien die 65. Festspiele "gewollt widersprüchlich" angelegt. Glamour trotz Qualitaet und umgekehrt. „Burn After Reading“ machte es (allerdings ausser Konkurrenz) vor.

Das Valentino-Interview auf der nächsten Seite!

Braungebrannt und frisch gebotoxt: Nein, kein Filmstar, sondern Star-Designer Valentino kam mit Lebenspartner Giancarlo Giametti und Model Eva Herzigova zur Premiere der Doku „Valentino: The Last Emperor“ zu den Filmfestspielen in Venedig. – Und erzàhlte, was einen guten Designer ausmacht, wie man Eleganz lernen kann und warum ihm Julia Roberts schmeichelte.

Zum Thema Schönheit
„Shit.“ – Das ist Valentinos Antwort auf die Frage, was fuer ihn Schönheit bedeutet. Aber er setzt nach: „Schönheit hat ja nicht nur mit äusserer Erscheinung zu tun. Sondern auch mit der Art sich zu bewegen, mit den Kleidern, die eine Frau trägt, und wie sie sie traät, um ihnen Leben einzuhauchen. Wichtig dabei ist Eleganz. Und die ist lernbar. Einfach enstpannen und Kraft tanken. Kraft ist fuer Eleganz ganz wichtig.“ Was wie eine Lehrstunde klingt, ist eigentlich die Pressekonferenz zur Dokumentation „Valentino: The Last Emperor“, von Vanity-Fair-Journalist Matt Tyrnauer.

„Geschrien und gestritten wurde viel – und das meiste davon ist im Film!“ – Heute kann der Regisseur wieder lachen, sitzt er doch in friedlicher Eintracht mit Italiens Fashion Star-Designer Valentino und dessen Partner Giancarlo Giametti am Lido bei der feierlichen Premiere seiner Doku, in der er (herkömmlich inszeniert, aber liebevoll genau) den Werdegang des Modezaren bis zu einer letzten Haute-Couture-Kollektion nachzeichnet. Zwei Jahre lang sah er Valentino ueber die Schulter: Beim Entwürfe zeichnen, bei Interviews, bei Fashion-Shows und in sehr privaten Momenten mit seinem (Geschäfts-)Partner Giancarlo Giametti, der Valentino von Beginn an begleitete und mit ihm das Design-Imperium aufbaute.

Unzugänglich
„Normalerweise bin ich beim Arbeiten ueberhaupt nicht zugaenglich“, so Design-„Kaiser“ Valentino. „Die Kabel stoerten meine Kleidung, aber bald hatte ich sie doch vergessen, und der Film zeigt genau, wie ich bin“. Und das kann ziemlich zickig sein: Da wird ausgeflippt, gezankt und geschmollt, wenn eine Naht nicht passt oder verschiedene Geschmäcker aufeinanderprallen. Vor allem zeigt der Film so auch die einzigartige Beziehung zwischen Valentino und seinem (Geschäfts-)Partner Giancarlo Giammetti auf: Eine gewachsene, geprüfte und bestandene Beziehung, im privaten, wie geschäftlichen Sinn.

Giametti, der lange Jahre Valentinos Geschäfte führte, aber auch im Schaffensprozess als geschmackliches Korrektiv fungiert, stand immer im Schatten des Meisters: „Aber das störte mich nie. Ich bin sehr stolz, dass wir diese Modemarke gemeinsam zu einem Imperium aufgebaut haben. Imperialer Reichtum wird auch im Film präsentiert, Diamantenbehängte Bulldoggen inklusive. Die natürlich im Privatjet mitfliegen.

Alles hart verdient allerdings, worauf Valentino auch Wert legt: „Heutzutage schiesst ein Design-Imperium nach dem anderen aus dem Boden“, so Valentino bei der Pressekonferenz. „Doch ein guter Künstler kann nur aus der gewachsenen Erfahrung entstehen. Meine Karriere ging Schritt fuer Schritt, Fehler für Fehler, aber nur so geht es.“

Eine Philosophie, die unzählige Stars zu schätzen wissen: „Müsste ich alle Stars aufschreiben, die ich schon eingekleidet habe, waere das eine sehr lange Liste“, meint Valentino nicht unkokett. „Aber Julia Roberts ist mir grade besonders in Erinnerung, denn ich habe mich wahnsinnig gefreut, als sie ihren Oscar damals für Erin Brokovich in einem meiner Vintage-Kleider abholte. Ich hatte davon nichts gewusst und war sehr geschmeichelt! – Stars sind sehr wichtig fuer mich und mein Geschäft“, weiss Valentino auch nach so vielen Jahren.

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