Gold für Frankreich

Cannes 2008

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Gold für Frankreich

Die Jury sprach von einer einstimmigen Entscheidung, doch die Überraschung der internationalen Beobachter könnte nicht größer sein. Der französische Regisseur Laurent Cantet gewann am Sonntag die Goldene Palme von Cannes für sein Sozial- und Schuldrama Entre les Murs.

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Erstmals seit 1987 bleibt der Hauptpreis des Festivals damit im Veranstalterland Frankreich. Es war ein Sieg auf der Zielgeraden: Cantets Film lief als Vorletzter im Bewerb.Die Hauptdarsteller des Films, der vom multikulturellen Alltag erzählt, kamen nicht per Privatjet, sondern mit einem Schulausflug zur Preisverleihung nach Cannes: Schüler der Lehranstalt, an welcher Entre les Murs gedreht wurde.

Hollywood
Mit ihrer Entscheidung machte die Jury um Hollywood-Star Sean Penn klar, dass die Regeln des Hollywood-Kinos im Cannes-Wettbewerb nicht galten. Der eindringliche Thriller Changeling wird 2009 dem Regisseur Clint Eastwood und seiner Hauptdarstellerin Angelina Jolie vermutlich große Oscar-Chancen eröffnen. In Cannes reichte es nur zu einem Trostpreis, den Spezialpreis der Jury für Altmeister Eastwood.

Sean Penn hatte „die Auseinandersetzung mit der Gegenwart“ als wichtiges Kriterium bei der Preisvergabe genannt. Praktisch alle ausgezeichneten Filme nehmen auf soziale und politische Themen Bezug.

Die Brasilianerin Sandra Corveloni, beste Darstellerin von Cannes 2008, spielt in Walter Salles’ Drama Linha de Passe eine vierfache Mutter, die sich verzweifelt bemüht, ihren Söhnen im Stadt-Dschungel von Sao Paulo eine Perspektive zu bieten. Benicio del Tore, der beste Darsteller, überzeugte als Revolutionär Che Guevara in Steven Soderberghs umstrittenem Monumentalfilm Che.

Italien
Gleich zwei Mal wurden italienische Filme ausgezeichnet, die einen sehr selbstkritischen Blick aufs eigene Land werfen. Matteo Garrone (Großer Preis der Jury) behandelt in Gomorrha die schlimmen Folgen der Praktiken der Camorra.

Paolo Sorrentino (Preis der Jury) zeichnet in Il Divo ein Porträt des zwielichtig schillernden Politikers Giulio Andreotti. Auch die belgischen Brüder Dardenne (bestes Drehbuch) und der Türke Nuri Bilge Ceylan (beste Regie) ließen ihre Filme um harte gesellschaftliche Themen kreisen. Als Gegenpol gab's immerhin den Sympathiepreis für Andreas Dresen: Dessen Wolke 9 erzählt, ganz unpolitisch, von den Reizen von Sex im Alter.

Die Gewinnerliste beim 61. Filmfestival in Cannes

Goldene Palme

"Entre les murs" - Laurent Cantet, Frankreich

Großer Preis der Jury

"Gomorra" von Matteo Garrone, Italien

Preis der Jury

"Il Divo" von Paolo Sorrentino, Italien

Bestes Drehbuch: "La silence de Lorna"

"La silence de Lorna" (Lornas Schweigen) von Jean-Pierre und Luc Dardenne, Belgien

Spezialpreis für ein Lebenswerk

Cathérine Deneuve, Frankreich

Bester Schauspieler

Benicio Del Toro für "Che" von Steven Soderbergh, USA

Beste Schauspielerin

Sandra Corveloni für "La ligna de passe" von Walter Salles, Brasilien

Caméra d'or für den besten Debütfilm

"Hunger" von Steve McQueen, Großbritannien

Goldene Palme für den besten Kurzfilm

"Megatron" von Marian Crisan, Rumänien

Besondere Erwähnung Kurzfilm

"Jerrycan" von Julius Avery, Australien

Preise der Nebenreihe

"Un certain regard"

Hauptpreis

"Tulpan"

Russland Jury-Preis

Tokyo Sonata" von Kiyoshi Kurosawa, Japan

Japan "Coup de coeur" der Jury

"Wolke 9" von Andreas Dresen, Deutschland

"Knockout-Preis"

"Tyson" von James Toback, USA

"Hoffnungspreis"

"Johnny Mad Dog" von Jean-Stéphane Sauvaire, Frankreich

Sowie weiters in den kleineren Sparten:

  • Großer Preis der unabhängigen Nebenreihe "Semaine de la critique" (Kritikerwoche): "Snijeg" (Schnee) von Aida Begic, Bosnien
  • Preise des Studenten-Kurzfilmprogramms Cinéfondation: 1. Preis: "Himnon" von Elad Keidan, Israel 2. Preis: "Forbach" von Claire Burger, Frankreich 3. Preis: "Stop" von Park Park Jae-ok, Südkorea, "Kestomerkitsjät" von Juho Kuosmanen, Finnland
  • Preis der ökumenischen Jury: "Adoration" von Atom Egoyan, Kanada
  • Preis der Internationalen Filmkritikerjury: "Eldorado" von Bouli Lanners, Belgien
  • Preise der Internationalen Filmkritiker-Vereinigung Fipresci: - "Delta" von Kornel Mundruczo, Ungarn - "Hunger" von Steve McQueen, Großbritannien
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