Gold für den Star von nebenan Gold für den Star von nebenan

Überraschungserfolg

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Gold für den Star von nebenan

Millionen Internet-User kennen Paul Potts und seinen TV-Erfolg. Jetzt sang der britische Tenor zweimal in der kleineren Wiener Stadthalle F (2.000 Zuschauer), wo er für „One Chance“ mit Gold ausgezeichnet wurde.

Star
Die Story vom Handyverkäufer, der bei der TV-Castingshow Britain’s Got Talent mit der Puccini-Arie Nessun dorma Jury und Publikum zu Tränen rührte, hat eine nicht minder berührende Vorgeschichte. Paul Potts, 1970 bei Bristol geboren, galt schon im Kindesalter als musikalisch und sang in mehreren Kirchenchören. In Plymouth machte er nach Studien seinen Bachelor of Arts. Mit 29 Jahren nahm er an einem Talente-Wettbewerb teil und gewann 8.000 Pfund.

Kurs
Er ging für ein Vierteljahr nach Italien, belegte einen Kurs bei Katia Ricciarelli, und als Potts das Geld ausging, fuhr er wieder heim. In Bath schloss er sich einer Amateur-Truppe an und sang auf der Bühne Verdis Don Carlos und Radames. Mit 33 Jahren wurde er ernsthaft krank; nach der Genesung arbeitete er in einem Supermarkt und als Handyverkäufer. Den Traum, Sänger zu werden, hatte er aufgegeben. Es fehlte an Kraft, Selbstvertrauen, Geld und einer echten Chance.

„I sing opera!"
Die kam im Juni 2007 mit der Castingshow in Cardiff, wo er zwischen Crossover-Dilettanten mit seiner Ankündigung „I sing opera!“ zuerst für Jury-Entsetzen, zuletzt für eine Sensation sorgte. Der 1. Preis brachte ihm 125.000 Euro, ein Plattenvertrag mehr als eine Million. Die erste CD mit dem Titel One Chance ist erschienen, die flankierende Welttournee begann im Jänner. Potts hat seither hundert Konzerte gesungen; sein Traum hat sich ­also doch noch erfüllt.

Kritik: Karl Löbl sah Potts
Nach der Ouverture gleich als erste Nummer Granada: Paul Potts scheut kein Risiko und weiß, wie er sein Publikum schnell heiß machen kann. Nachher wird’s beschaulicher. Denn der sympathische, korpulente Mann singt vorwiegend langsame Schlager, und sogar Lehárs Dein ist mein ganzes Herz hat das Tempo eines Trauermarsches.

Potts’ Tenor bedarf offenbar der melodischen Breite, fühlt sich in schnelleren Passagen und in der tiefen Mittellage unwohl. Die Höhe ist effektvoll, die Intonation nicht immer sicher, der Vortrag nicht sehr temperamentvoll.

Aber der Mann ist sympathisch, erzählt zwischen den Nummern Anekdoten, trinkt Limettensaft mit Honig, und sein Auftreten signalisiert Bescheidenheit. Die erste Zugabe, Nessun dorma, heizt die Stimmung wieder an.

Für ein Opernhaus ist Potts’ Tenor zu ungeschliffen und schwach, doch hier in der Stadthalle F erzielt er dank hervorragender Sound-Crew beim Publikum einige Wirkung. 13 Musiker, kühn als „Neue Philharmonie Frankfurt“ bezeichnet, gewährleisten eine taugliche Klangkulisse. Die junge Neuseeländerin Elizabeth Marvelly füllte Potts’ Erholungspausen mit ihrer angenehmen Musicalstimme und differenziertem Vortrag.

Foto (c): Starpix

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