Das ist der Kulthit, den keiner versteht

HMBC stürmen Charts

© ludwig berchtold

Das ist der Kulthit, den keiner versteht

Vo Mello bis ge Schoppornou – außer den 370.000 Vorarlbergern versteht jeder beim Text Bahnhof. Innerhalb von nur vier Wochen eroberte die Vorarlberger Alpen-Reggae-Truppe Holstuonarmusigbigbandclub (kurz HMBC) die Austria Top 40. Von Platz 62 auf Platz 2. Somit besser als Katy Perry & Co. Das größte Austropop-Phänomen seit Ein Stern von DJ Ötzi (2007). Intellektuell aber anspruchsvoller. HMBC – das sind fünf Musik-Profis. Andreas, Bartholomäus, Johannes, Philipp, Stefan – allesamt mit klassischer Musik-Ausbildung in Instrumenten wie Helikon, B-Tuba oder Didgeridoo. Die schräge Hit-Truppe im Interview.

ÖSTERREICH: Platz 2 der Charts – überrascht über diesen Erfolg?
HBMC
: Natürlich, denn wir haben ja nicht eine Single gemacht und gesagt: „Jetzt wollen wir in die Charts“, es ist irgendwie passiert.

ÖSTERREICH: Nächste Woche dann Platz eins – ein Ziel, oder nur ein Traum?
HBMC: Weder noch. Dadurch, dass wir nie das Ziel hatten, in die Charts zu kommen, ist alles, was jetzt passiert schon irre.

ÖSTERREICH: Jeder kennt den Hit, aber mitsingen kann ihn fast keiner ...
HBMC: Das Problem ist nicht das Mitsingen, sondern eher das Verstehen. Mitsingen geht trotzdem recht gut. Der Refrain ist ja, Fremdsprache hin oder her, vom Vokabular her ziemlich überschaubar.

ÖSTERREICH: Holstuonarmusigbigbandclub – Warum legt man sich einen unaussprechlichen Namen zu?
HBMC
: Er ist sperrig, lang, im Dialekt und kaum auf den ersten Blick zu entziffern. Also genau das Gegenteil von einem herkömmlichen, leicht eingänglichen, kommerziell verwertbaren Bandnamen. Wir fanden das immer lustig. Ihn jetzt zu ändern geht eh nicht mehr.

ÖSTERREICH: Was ist Ihr Hit-Geheimnis?
HBMC
: Es gibt kein universelles Hit-Geheimnis. Denn sonst könnte ja jeder Hits am Fließband produzieren. Bei unserem Song liegt es wahrscheinlich darin, dass es eine interessante Mischung ist. Die Sprache ist ungewöhnlich, der Refrain bleibt im Ohr und die Thematik löst verschiedene Emotionen aus, Erheitern bis Entsetzen.

ÖSTERREICH: Es gibt auch einen hochdeutschen Text – kommt nun auch eine hochdeutsche Version?
HBMC
: Eine deutsche Version ist nicht geplant. Die würde aber auch nicht wirklich passen.

ÖSTERREICH: Was kaufen Sie von den Hit-Tantiemen?
HBMC
: Diese Frage stellt sich noch nicht, weil es aufgrund der ausständigen Abrechnungen noch gar nicht ergiebig ist. Mal schauen, ob sich’s überhaupt rentiert.

Das ist der Text des Kulthits

Samstag z’Obad a dr Egg – 
i bea wiedar amol halb varreckt
(Samstagabend in Egg, bin ich 
wieder einmal halb verreckt)
1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 Gläsle sand oas z’viel gsin i gloub
i ka nix drför
(1 - 2- 3 - 4 - 5 - 6 - 7 Gläser sind eines zu viel gewesen. Ich glaub ich kann nichts dafür.)
No an letschta Blick uf mine 
Rolex Uhr – oa Oug zua – 
dass i jo da Zwölfar seah
(Noch einen letzten Blick auf meine Rolex-Uhr, ein Auge zu, 
dass ich noch den Zwölfer sehe.)
A Glück kea – a Glück kea – und schö hat ar mi gseah
(Ein Glück gehabt, ein Glück gehabt, und schon hat er mich gesehen)
Guni seit iatz züad Fäda – i dor nämle zu mi Läda
(Guni sagt: ‚Jetzt zieh’ mal Fäden, ich schließe nämlich meinen Laden.‘)
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau
(Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen, die Füße haben mir weh getan. Weh getan, weh getan, die Füße haben mir weh getan.)
Usse us um Tritsch, abe vor a Kässtadl Hond usse warta bis an Karra kunnt
(Hinaus aus dem ‚Tritsch‘, hinunter vor den ‚Kässtadl‘. Hand hinaus, 
warten bis ein Auto kommt. )
1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 Stunda hean i g’wartat und zmol kunnt an rota Clio doher
(1 - 2- 3 - 4 - 5 - 6 - 7 Stunden habe 
ich gewartet und auf einmal 
kommt ein roter Clio daher.)
Deana hockt an Dütscha – ar seyt – ich fahr nach Mellau von da an musst du schauen wie du selber weiterkommst und jetzt steig ein und mach das Fenster auf – es stinkt ...
(Drinnen sitzt ein deutscher Koch. 
Er sagt: ‚Ich kann dich mitnehmen bis nach Mellau. Von da an musst du schauen, wie du selber weiterkommst. Und jetzt steig ein und mach das 
Fenster auf, es stinkt.)
„Jo reg de nüd uf – zefix!“
(Ja rege dich nicht auf, Kruzifix!)
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa ...
(Von Mellau bis nach Schoppernau
bin ich gelaufen ...)
Blausa kea an Füaßa – Blausa kea am Kopf so bean i ie trolat - 
i üs Gadaschopf
(Blasen gehabt an den Füßen, Blasen gehabt am Kopf. So bin ich hinein 
gestolpert auf unseren Balkon)
1 – 2 – 3 - halbeviere wird as gsin sin Mama ischt schö ufret gsin
(1 - 2- 3, halb vier wird es gewesen sein, Mama ist schon wach gewesen)
Se seyt – hey Buab wo bischt schö wiedr gsin – allad umanand sufa das kan as doch nüd sin - das kann as doch nüd sind
(Sie sagt: ‚Hey Bub, wo warst du schon wieder? Immer herum saufen. Das kann es doch nicht sein, das kann es doch nicht sein)
hey Vatr säg ou amol eats:
„Jo lass a macha – er werd schö weassa was ar tuat!“
(Hey Vater, sag auch einmal etwas dazu. ‚Ja, lass ihn machen. Er wird schon wissen was er tut‘.)
Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa – d’Füaß hend mr weh tau. Weh tau – weh tau – weh tau – d’Füaß hend mr weh tau
(Von Mellau bis nach Schoppernau bin ich gelaufen, die Füße haben mir weh getan. Weh getan, weh getan...

Autor: Thomas Zeidler
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