Haider erregt in Frauenfummel

Gewagt

© Inge Prader

Haider erregt in Frauenfummel

Dieser Mann hat viele Gesichter. Gerade sah man ihn noch bei ­Dancing Stars elegant im feinen Zwirn als Juror, schon überrascht er mit blonder Perücke und High Heels in Frauenklamotten. Der Entertainer und bekennende Homosexuelle Alfons Haider (50) hat sich diese Freiheit hart erkämpft. Für seine Sommerbühnen-Produktion des Broadway-Hits „Ein Käfig voller Narren“ (Premiere am 8. Juli in Stockerau) schlüpft er in die Rolle der Travestie-Künstlerin „Zaza“. „Es geht mir nicht darum, Leute damit aufzuregen, sondern um die Botschaft im Stück: Egal ob schwul oder nicht, die Liebe siegt am Ende.“

sexy

(c) Inge Prader

Aufreger-Plakate
Haider als Frau wird derzeit in ganz Wien und Umgebung plakatiert. Sollten sich Konservative über die Halbnackt-Bilder mit ihm in Strapsen aufregen, hat Haider dafür nur ein müdes Lächeln. „Ganz Stockerau steht hinter mir. Sogar der Pfarrer wird mitspielen!“ Nach vielen Jahren der Polarisierung nimmt er die Diskussion auch mit Humor: „Für eine Frau habe ich sowieso oben zu wenig und unten zu viel.“ Und stellt bösen Zungen gegenüber klar: „Privat bin ich lieber ein Mann und trage keine Frauenkleider. Als Schwuler ist es auch sehr schwer, einen Schwulen zu spielen. Mein Regisseur schimpft mich oft und sagt: ‚Lauf nicht rum wie ein Bauer!“

Grenzgänger
Als homosexueller TV-Star balanciert Alfons Haider seit Jahren beruflich geschickt zwischen den Welten. Die Zeiten, als er nach seinem Outing 1997 beruflich boykottiert wurde, gehören der Vergangenheit an. Alfons Haider hat sich in die erste ORF-Liga der Moderatoren zurückgekämpft. Im Februar moderierte er noch im Frack den ehrwürdigen Wiener Opernball, kommende Woche steht er mit Mirjam Weichselbraun am Life Ball für den ORF vor der Kamera. „Dort werde ich aber sicher nicht in Frauenkleidern auftreten!“

Doppelrolle
Dieses Jahr führen Haider und Mirjam Weichselbraun sowohl für den ORF als auch auf der Red-Ribbon-Bühne durchs Programm. „Das wird ein Ritt über den Bodensee!“, ist der TV-Routinier gespannt. „Für uns ist es wirklich ein Live-Life-Ball!“ Seit 16 Jahren, als damals Gery ­Keszler den Ball zum ersten Mal veranstaltete, ist Haider treu bei der Sache dabei. „Natürlich ist das Event auch schrill, doch hier verschwimmt die Message mit dem Leben – wie bei einer offen gelebten Sexualität. Der Ball besteht längst nicht mehr nur aus Schwulen, die Herumhupfen. Jedes Jahr kommen fast 3.000 Heteros.“

Doch die Toleranz ist nicht für jeden noch selbstverständlich. „Das Reaktionäre hat nur in meinem Stück keine Chance.“

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