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"Wallander"-Autor

Henning Mankell ist gestorben

Er gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der nordischen Kriminalliteratur, war Afrika-Liebhaber und politisch engagiert. Nun ist der schwedische Autor Henning Mankell mit 67 Jahren am frühen Montag-Morgen in Göteborg gestorben, wie sein Verlag mitteilte. Mankell litt an einer schweren Krebserkrankung. International berühmt ist seine Krimi-Reihe über den schwedischen Kommissar Kurt Wallander.

Bestseller-Autor
Mankell starb nach langer Krankheit "friedlich" im Schlaf, teilte der Leopard-Verlag auf seiner Internetseite mit. Der Schriftsteller und Theaterregisseur sei "einer der größten schwedischen Autoren unserer Zeit" gewesen, "geliebt von seinen Lesern in Schweden und in der ganzen Welt". Mankell hatte den Verlag 2001 mit einem Partner gegründet. Mehr als 40 Millionen Mal verkauften sich seine in über 40 Sprachen übersetzte Bücher weltweit, darunter nach Angaben des Hanser Verlags rund 20 Millionen im deutschsprachigen Raum.

Der Autor war im Jänner 2014 mit seiner Krebserkrankung an die Öffentlichkeit gegangen. Durch Zufall waren bei ihm bei einer Untersuchung wegen eines Bandscheibenleidens Tumoren in Lunge und Nacken gefunden worden. Ein paar Tage später hatte er die traurige Diagnose. "Meine Angst ist groß, obwohl ich sie im Großen und Ganzen unter Kontrolle habe", erklärte er damals. Später verarbeitete er seine Krankheit in Kolumnen und seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch "Treibsand". Darin sinniert Mankell über sein Leben mit der Krankheit, seine Angst vor dem Tod und sucht eine Antwort auf die Frage, "was es heißt, Mensch zu sein".

Einem großen Leserkreis ist Mankell durch die Krimis rund um den in Ystad in Südschweden ermittelnden Kommissar Wallander bekannt. Mankell stattete seinen Helden mit einem schwierigen Charakter aus und schuf einen grüblerischen Ermittler mit alltäglichen Midlife-Problemen, der an seinen Fällen gleichermaßen verzweifelt wie wächst. Die Wallander-Reihe brachte Mankell einige Preise ein, schaffte es ins Fernsehen und trug zur allgemeinen Vorliebe von Krimi-Fans für skandinavische Geschichten bei.

Leerraum nach Tod
"Wäre die schwedische Kriminalliteratur ein Reich, dann hätte Henning Mankell Präsident sein sollen", sagte dementsprechend der Schriftsteller Hakan Nesser am Montag der Zeitung "Dagens Nyheter" über seinen verstorbenen Kollegen. "Er hat als erster den Durchbruch geschafft und blieb die Nummer Eins." Sein Tod hinterlasse einen "großen Leerraum" im Kulturleben. Als "wichtiger und vielleicht unterschätzter Türöffner für den skandinavischen Krimi im Rest der Welt" würdigte auch Jo Nesbo Mankell gegenüber dem norwegischen Fernsehsender NRK. Als "großartigen Schriftsteller" und gleichermaßen "großartigen Menschen" bezeichnete der TV-Darsteller des Kommissars, Krister Henriksson, seinen "sehr, sehr guten Freund" Mankell.

Mankells Werk von über 40 Romanen und Theaterstücken umfasst auch Bücher über Afrika und das Leben dort, so etwa "Der Chronist der Winde" und "Die rote Antilope". Mehrere Jahre lang lebte Mankell in Mosambik, gründete dort ein Theater und kehrte später regelmäßig in seine Wahlheimat zurück. Er engagierte sich auch in Entwicklungsinitiativen und ließ das Thema Afrika immer wieder in seine Theaterstücke einfließen. Er stehe "mit einem Bein im Schnee und mit dem anderen im Sand", sagte er einmal.

Doch nicht nur für Krimis und für den afrikanischen Kontinent schlug Mankells Herz. Im Mai 2010 war er als Aktivist an Bord eines der Schiffe der Hilfsflotte, die Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollte und von israelischen Soldaten gewaltsam gestoppt wurde. Neun Menschen starben damals. Sein politisches Engagement beschrieb er einmal so: Er wolle dabei helfen, dass Palästinenser in ihrem eigenen Land "nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden".

Mankell war in dritter Ehe mit der Theaterregisseurin Eva Bergman verheiratet, der Tochter des Regisseurs Ingmar Bergman. Neben ihr hinterlässt er auch einen Sohn, Jon Mankell.

Ö1 ändert in memoriam Henning Mankell sein Programm und sendet am Donnerstag um 16 Uhr in den "Tonspuren" Günter Kaindlstorfers Feature "Der gute Mann von Maputo" über Mankells Theaterarbeit in Mosambik.

 

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