25. Juni 2010 14:58
"Der 'Jedermann'
ist ein Märchen für Erwachsene. Ein Märchen im christlichen Gewand. Es
gehört für einen Österreicher einfach dazu, einmal im Leben den 'Jedermann'
gesehen zu haben." Das sagte Birgit Minichmayr, zurzeit Österreichs
erfolgreichste Schauspielerin und neue Salzburger "Buhlschaft", am Freitag,
25.6., bei einer Pressekonferenz in Salzburg vor großem Medienaufgebot. Mit
dem Leben und Sterben des reichen Mannes werden die 90. Salzburger
Festspiele am 25. Juli eröffnet.
Grundsätzliche Themen
Hauptdarsteller und "Jedermann"
Nicholas Ofczarek ergänzte: "Die große Tradition dieses Stückes von
Hofmannsthal, das Behandeln grundsätzlicher Themen wie Leben, Tod und
Rechenschaft-Ablegen sowie die unglaubliche Kulisse des Salzburger
Domplatzes sind wohl die Gründe für den dauerhaften Erfolg des 'Jedermann'."
Über die Rollen
Wie die beiden die
Rollen anlegen werden, das wollten sie vorerst nicht verraten. "Jeder
findet seinen Ansatz, ich kann es gar nicht so spielen wie meine vielen
prominenten Vorgänger", so Ofczarek. Der 39-jährige Wiener ist der 15.
Schauspieler in einem Salzburger Jedermann seit 1920. "Ich werde es nicht um
jeden Preis anders machen. Ich weiß, was ich tue, und ich entdecke in dieser
Rolle immer wieder Wahrheiten und Intelligenz." Die 30. Salzburger
"Buhlschaft" Birgit Minichmayr nähert sich der Rolle an "wie an ein weißes
Blatt Papier". "Die Bedeutung dieser Rolle hat mir mein Vater klar gemacht.
Der war ungewöhnlich bewegt, als ich ihm erzählt habe, dass ich in Salzburg
die Buhlschaft spielen werde. Mein Vater ist wohl der Meinung, dass es in
diesem Beruf geschafft hat, wer die 'Buhlschaft' spielen darf." Inhaltlich
gibt sich Birgit Minichmayr offen und neugierig. In der Rolle der Geliebten,
die sich weigert, mit ihrem "Jedermann" in den Tod zu gehen, sieht die
33-Jährige alles andere als eine Verräterin an der Liebe. "Es ist typisch
Mann, zu sagen, 'du gehst nicht mit in den Tod, also bist Du eine Hure'. Der
Mensch kommt und geht alleine. So etwas wie einen gemeinsamen Tod gibt es
gar nicht."
"Diese Sprache ist ein Geschenk"
Beide Theater- und
Filmstars betonten die spontane und kreative Zusammenarbeit mit Regisseur
Christian Stückl, dessen Inszenierung aus dem Jahr 2002 nach acht Jahren
Peter Simonischek und vier Buhlschaften in vielerlei Hinsicht überarbeitet
und neu gestaltet werden soll. Was bleibt, ist die etwas antiquierte,
deklamatorische Sprache von Hugo von Hofmannsthal. Ofczarek: "Diese Sprache
ist ein Geschenk. Wenn man es schafft, sich diese Sprache zu eigen zu machen
als ob es die eigene wäre, dann hat man als Schauspieler ein Ziel erreicht."
"Hab Angst vor der Sonne"
Auch Minichmayr
freut sich auf die Vorstellungen, fürchtet sich aber - so machte sie
deutlich - vor der Sonne. "Ich bin da sehr empfindlich. Es könnte viel mehr
Nachtvorstellungen geben", argumentierte sie an die Adresse von
Schauspiel-Chef Thomas Oberender. Davon gibt es heuer nur drei von zwölf,
dafür präsentiert das Salzburger Filmkulturzentrum "Das Kino" ab 24. Juli
eine Birgit-Minichmayr-Reihe mit zwölf Filmen der Schauspielerin. Und zwar
ganz sicher ohne Sonne.
Probenplan nach WM
Der bekennende Rapid-Fan Nicholas Ofczarek
richtet, wie ihm Minichmayr
spaßhalber vorwarf, den Probenplan im Wesentlichen nach der
Fußballweltmeisterschaft aus. "Wer Weltmeister werden wird? Ich glaube, es
wird eine Mannschaft, die den Titel bisher noch nie geholt hat. Nein", so
der Schauspieler nach langem Überlegen, "es wird doch Brasilien". Und
Minichmayr? "Mir ist das wurscht."