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Seitensprung in der Staatsoper

Katja Kabanova

Seitensprung in der Staatsoper

So souverän kann ein Ehebruch samt anschließendem Selbstmord aussehen und sich vor allem anhören: Am Freitagabend, 17.6., ist mit "Katja Kabanova" in der Wiener Staatsoper die letzte Premiere der ersten Spielzeit des neuen Leitungsduos Dominique Meyer und Franz Welser-Möst über die Bühne gegangen. Und mit Generalmusikdirektor Welser-Möst persönlich am Pult gelang zum Abschluss der Saison noch einmal eine grundsolide Ensembleleistung auf allen Ebenen.

Sprachmelodie
Musikalisch brillierte das Staatsopernorchester, hatte sich dessen Dirigent doch nahest möglich an das Original herangearbeitet, das nach der Premiere 1921 vielfach umgearbeitet wurde. Der Wiener Janacek wirkt somit entschlackt, klarer, ohne dabei im richtigen Moment die rhythmische Gewalt zu vernachlässigen. Gekonnt umschifft Welser-Möst dabei die Untiefe der Süßlichkeit, die bei Janaceks 1992 letztmals am Ring aufgeführten Werk immer wieder lauert. Die Entscheidung, die Oper im Original und somit auf Tschechisch zu inszenieren, unterstützt dieses Ansinnen, bezieht Janacek die Sprachmelodie doch evident in sein Werk ein.

New Yorker Russenghetto
Für die Regie hingegen zeichnete der Franzose Andre Engel bei seiner Staatsopernpremiere verantwortlich. Wie meist bei seinen Stücken verlegt Engel auch die Handlung von "Katja Kabanova" zeitlich und räumlich. Anstelle des russischen Städtchens im 19. Jahrhundert siedelt der Regisseur die Geschichte im New Yorker Russenghetto der 1950er an. Im Bühnenbild, das mit schnellen Szenenwechseln vom windschiefen Zimmer zum kargen Hinterhof bis zum Dach samt Wasserturm die dramaturgische Spannung des Stücks stützt, gelingt der Grenzgang zwischen Naturalismus und minimalistischer Andeutung.

Inhaltliche Adaptionen
Ebenso gelungen wie moderat auch die inhaltlichen Adaptionen, wenn die gestrenge, bigotte Schwiegermutter (Deborah Polaski) der unglücklich verheirateten Katja ihre Natur in Sadomasospielen auslebt, während sich in die Szene zwischen Katja und ihrer Schwägerin Varvara (ausdrucksstark Stephanie Houtzeel) tatsächlich Homoerotik einschleicht. Katja (Janice Watson) ist dabei weniger die zwischen ihrem moralischen Anspruch an die eheliche Treue und ihren Gefühlen zerriebene Gattin als ein naives Pummelchen, dem mit ihrem Seitensprung Boris ein ebenso einfältiger, mit Klaus Florian Vogt jedoch ein stimmlich starker Liebhaber zur Seite gestellt wird.

Applaus
Das Publikum zeigte sich vom gesamten Ensemble angetan und bedachte die Beteiligten inklusive der Regie mit knapp fünfzehnminütigem Applaus. In der Intensität stachen aus diesem Einheitsjubel lediglich die Ovationen für das Orchester heraus.

Infos
"Katja Kabanova" von Leos Janacek in der Wiener Staatsoper.
Mit Wolfgang Bankl (Dikoj), Klaus Florian Vogt (Boris), Deborah Polaski (Kabanicha), Marian Talaba (Tichon), Janice Watson (Katja), Stephanie Houtzeel (Varvara) und anderen. Regie: Andre Engel, Bühnenbild: Nicky Rieti. Weiter Termine am 20., 23., 27. und 30. Juni sowie am 10., 14., 17. und 21. November. www.staatsoper.at)
 

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