Dalí & Co: Große Surrealismus-Schau

Kunsthalle

Dalí & Co: Große Surrealismus-Schau

Exzentriker, Wahnsinniger, Genie? Wie kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts löste Salvador Dalí (1904 – 1989) mit seinem Oeuvre und seinem provokanten Auftreten die Grenzen zwischen Kunst und Leben, Originalität und
Kommerz auf. Seine Visionen vom Surrealismus, die sich im Wahnbild, Fieber- und Rauschzustand oder Delirium äußern, setzte er in nahezu allen künstlerischen Medien um und darüber hinaus in der Inszenierung seiner selbst.

Berühmt und vielseitig
Dalí gehört nicht nur zu den berühmtesten Malern seiner Generation, der im altmeisterlichen Stil die Prinzipien seiner sogenannten paranoisch-kritischen Methode umsetzte und weltweit an Motiven wie der schmelzenden Uhr, der brennenden Giraffe oder endlos weiten, in kühlen Sonnenschein getauchte Landschaften wiedererkannt wird. Er war auch einer der ersten Künstler, der sich mit Design, Kino und Massenmedien auseinandersetzte und Vermarktungsstrategien verfolgte, die heute vorrangig mit dem Namen Andy Warhol assoziiert werden.

Demonstrativer Individualismus
Den Surrealisten um André Breton, die mit der écriture automatique die Formensprache des Unbewussten über einen passiven Zustand des Ich zum Vorschein bringen wollten, setzte Dalí einen demonstrativen Individualismus entgegen und reagierte polemisch auf die von der Gruppe vorgebrachten politischen Vorwürfe und den Ausschluss seiner Person: „Ich bin kein Surrealist. Ich bin der Surrealismus. Surrealismus ist keine Partei oder Marke; es ist ein Geisteszustand, für jeden einzigartig, der von keiner Vereinigung, Tabus, oder Moral beeinflusst werden kann. Es ist die totale Freiheit und das absolute Recht zu träumen.”

Surrealismus als Lebensweise
Für den Multimedia-Künstler, der sich auf fast jedem Feld der Kulturproduktion betätigte, der auch Bühnenbilder und Schmuck entwarf, mit Luis Buñuel, Alfred Hitchcock und Walt Disney arbeitete, Werbespots drehte und seine Gemälde als Covermotive für Magazine wie Vogue , Harper’s Bazaar und Country House zur Verfügung stellte, war Surrealismus eine Lebensweise. Dalí machte sich unzählige Rollen zu Eigen und kultivierte seinen Auftritt, der zur Marke und schließlich zur Karikatur wurde.
 
Ausstellungsparcours
Zu Dalís 100. Geburtstag schrieb Peter Bürger: „Dalí, der 1989 starb, hat bisher noch keinen Ort in der Kunst des 20. Jahrhunderts gefunden.“ Die Ausstellung der Kunsthalle Wien akzentuiert Dalís kontroversiell wahrgenommenes Schaffen im Spiegel zeitgenössischer Kunst neu und verweist auf Affinitäten, die vielseitige Berührungspunkte mit der gegenwärtigen Kunstwelt sichtbar machen: Rund 70 ausgewählte Werke von Salvador Dalí stehen den international etablierten Positionen von Louise Bourgeois, Glenn Brown, Markus Schinwald und Francesco Vezzoli gegenüber. Der Ausstellungsparcours führt durch atmosphärisch inszenierte Räume, wo exemplarisch vier künstlerische Positionen in Dialog zu Dali gestellt werden, um aktuelle Tendenzen und Varianten surrealer Ästhetik zu diskutieren.

Herangehensweisen
Markus Schinwald schuf eigens für die Ausstellung eine Arbeit, die sich mit Perspektive und Schwerelosigkeit beschäftigt. Seine Installation eines wassergefüllten Schaukastens nimmt Bezug auf Dalís populär-surrealen Erlebnisraums, den er 1939 für die Weltausstellung in New York mit einem von lebenden Nixen animierten Schwimmbecken ausstattete. Als Objekte in einer Art Wunderkammer präsentiert, visualisieren die Skulpturen und Zeichnungen von Louise Bourgeois den psychoanalytischen Zugang zum Bildnerischen, das in Träumen zum Vorschein kommende Unbewusste. Glenn Brown macht die Kunstgeschichte und ihre Maltradition zum Thema seiner Kunst: technisch virtuos ausgeführte Gemälde verhandeln die Begriffe von Rezeption und Appropriation, Postmoderne und Manierismus anhand illusionistischer Farboberflächen. Francesco Vezzolis Arbeit ist inspiriert vom Phänomen der Berühmtheit, das sich medial konstruierter Projektionsflächen von Fantasien und Wünschen bedient. Die ausgewählten Künstler teilen mit Dalí das Interesse an der Darstellung von irrationalem Wissen und der Frage nach einer Realität zwischen Traum und Wirklichkeit.

Ausstellung setzt Reihe fort
Le Surréalisme, c’est moi! setzt die Ausstellungsreihe der Kunsthalle Wien fort, die das Werk großer Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über philosophische, kunsthistorische und soziologische Fragestellungen in einen spannungsreichen Dialog zwischen künstlerischer Moderne und Gegenwartskunst stellt, um letztlich die Frage nach der Rolle von Kunst und Künstler in Gesellschaft und Populärkultur immer wieder neu zu stellen. 

Le Surréalisme, c’est moi! ist vom 22.6.-23.10.2011 in der Kunsthalle Wien zu sehen.
www.kunsthallewien.at

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