Feuermauer gegen Funken der Leidenschaft

La Traviata

Feuermauer gegen Funken der Leidenschaft

Bevor die Funken glühender Leidenschaft aufs Publikum überspringen, stellt man lieber eine Feuermauer auf. Nach dieser Devise hat am Sonntag, 9.10., Theaterregisseur Jean-Francois Sivadier in der Wiener Staatsoper gehandelt. Seine "La Traviata", die erste Premiere der neuen Saison, präsentierte sich als karge Reflexion über Verdis Klassiker, als schauspielzentriertes Musiktheater, das seine eigene Konstruktion stets evident vor sich herträgt. So wurde dem Ensemble - allen voran Natalie Dessay als Kurtisane Violetta - entsprechend viel Raum gelassen, den dieses nicht immer auszufüllen wusste. Bravo für Sänger und Musik, Buhkonzert für die Regie.

Natalie Dessay
Ins reflexiv-reduzierte Regiekonzept fügte sich allen voran Natalie Dessay mit ausdrucksstarkem Sopran ein, obgleich sie vor allem in den Mittel- und Tiefenlagen teils eklatante Schwächen zeigte. Ein die Klarheit verstellendes Rauschen ist selten zu überhören. Allerdings besticht die 46-Jährige, die zuletzt mehrfach sinniert hatte, ganz ins Schauspiel zu wechseln, mit ihrem Spiel. Der Wechsel in den dritten Akt zur sterbenden Violetta gerät da bedrückend fragil, kommt dem Dessay'schen Sopran auch stimmlich entgegen.

Bravorufe
Mit erdig-sicherem Tenor als diesesmal jüngerer Liebhaber der Violetta zur Seite steht der US-Amerikaner Charles Castronovo. Dieser hatte die Dessay bereits bei der Premiere der Koproduktion mit Aix-en-Provence im Juli angeschmachtet. Für Wien neu im Ensemble als Alfredos Vater hingegen Fabio Capitanucci, der für seinen tragenden Bariton zurecht mit Bravorufen bedacht wurde.

Buhs für Regisseur
Einem homogenen Chor an Buhrufen sah sich hingegen am Ende des Abends Regisseur Sivadier gegenüber. Der Franzose reduzierte das Bühnenbild auf das nackte Gerippe, in das sich bisweilen lediglich einige unmotivierte Plakatwände verirren. Sivadier setzt gewissermaßen auf ein Bühnenbild, das sich jederzeit der eigenen Künstlichkeit bewusst ist und diese zur Schau stellt.

Kern
Ob der spröden Werkreflexion damit ein ähnlich langes Leben beschieden sein wird wie der Interpretation aus der Hand von Otto Schenk, die seit 1971 an der Staatsoper gespielt wurde und nun durch die aktuelle Inszenierung ersetzt wird, bleibt abzuwarten. Das Pendant zum entschlackten Bühnenbild gewährleistete Dirigent Bertrand de Billy mit dem Staatsopernorchester. Pathos weitgehend meidend, setzte er auf sein Konzept, Verdi von Veränderungen der Jahrzehnte zu befreien und auf den intendierten Kern zurückzuführen.

www.wiener-staatsoper.at

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