Manfred Deix: Vergoldet zum 60er Manfred Deix: Vergoldet zum 60er Manfred Deix: Vergoldet zum 60er Manfred Deix: Vergoldet zum 60er Manfred Deix: Vergoldet zum 60er Manfred Deix: Vergoldet zum 60er

Prachtband

© Herbert Pfarrhofer/APA

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Manfred Deix: Vergoldet zum 60er

Neuer Prachtband zum 60er
Nach dem "dicken Deix" nun der "goldene Deix" - und wieder ist es ein Prachtband geworden, an dem man sich nicht sattsehen kann. Obwohl das neue Sammelwerk mit Arbeiten von 2000 bis 2008 sich eigentlich zeitlich mit dem Vorgänger (1998 bis 2004) überschneidet, gibt es keine offensichtlichen Doubletten. Der Fundus, aus dem der satirische Zeichner schöpft, ist groß genug, um Wiederholungen zu vermeiden.

Deix'sche Themen, nie komplett erfunden...
So sind Raucher und Päderasten, Priester und Polizisten ebenso seit vielen Jahren Dauerbrenner in Deixens Oeuvre wie die vielseitigen sexuellen Gelüste der Österreicherinnen und Österreicher. Sonst sorgsam unter der engen Bluse oder der weiten Hose, dem Trachtenjanker, dem Strickpullover oder der Uniform verborgen, kommen sie erst dann zum Vorschein, wenn der Zeichner ihnen die Freiheit gibt. Deix hat sich nicht zähmen lassen, manches ist ungustiös, vieles äußerst deftig, aber nie denkt man sich: komplett erfunden. Längst ist es umgekehrt, und man begegnet im Straßenbild ständig Menschen, bei denen man sich sicher sein möchte, dass sie bereits Deix Porträt gestanden sind.

Chronist der Österreicher
Deix erweist sich neuerlich als Chronist des österreichischen Alltags, Porträtist der heimischen Befindlichkeit. Kaum ein Thema, das Österreich in den vergangenen Jahren bewegte - von Ausländerfeindlichkeit bis zur Vogelgrippe, von Fußballer-Niederlagen bis zum Opernball, vom Papstbesuch bis zum Mozartjahr, von der Gesundheitsreform bis zu Neonazi-Umtrieben und vom BAWAG-Skandal bis zur Obama-Wahl -, das hier nicht beim Durchblättern in Erinnerung gerufen wird. Nicht selten begleitet von schallendem Gelächter.

Politier, Beamten und Alltagspersonen
Alle sind sie wieder da, der verhärmte Beamte und der hantige Bauarbeiter, die resche Wirtin und die dürre Lehrerin, der grantige Pensionist und das dicke Kind. Aber natürlich sind es nicht nur die typischen Österreicher in ihren vielgestaltigen Ausprägungen, denen Manfred Deix Unsterblichkeit verliehen hat - auch die heimischen Politiker begleitet er durch ihre Karriere. Wolfgang Schüssel muss für Deix ein gefundenes Fressen gewesen sein, Alfred Gusenbauer (häufig mit Rotweinglas und geschürzter Oberlippe) detto. Es finden sich wunderbare, treffende Stimmungsbilder zum Abgang des ungeliebten Kanzlers, und erst hier realisiert man, wie kurz so manche politische Karriere der vergangenen Jahre war. Molterer war schon wieder weg, ehe er noch richtig im Skizzenbuch heimisch geworden war. Von seinem Lieblingsfeind Haider hat sich der Zeichner würdig verabschiedet. HC Strache gelingt ihm immer wieder gut, Faymann und Pröll sind noch ausbaufähig. Mit Verwunderung registriert man dagegen: Karl-Heinz Grasser ist ihm nie gelungen.

Andere Seite
Aber Deix kann auch anders - auch davon gibt es Beispiele (und dabei sind gar nicht seine Gedichte gemeint, die diesmal weitgehend ausgespart sind): Ein wunderbares Frauenporträt-Blatt in schönstem Rubens-Rötel von Wolfgangine Schüssel, Ursula Haubner und Alfreda Gusenbauer, Zeichnungen im Stil von Hans Traxler, Gottfried Helnwein oder Wilhelm Busch ergänzen den Band. Und kaum ist man den "goldenen" Deix durch, wartet man bereits auf den "diamantenen".

Foto: (c) Herbert Pfarrhofer/APA

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