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Melancholie und kalte Klänge

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Melancholie und kalte Klänge

Mitte der Neunziger war Trip Hop der durchschlagende Sound. Schleppende Synthies, gebrochene Beats, wabernde, pulsierende Flächen, die inmitten psychedelischer Riffe kreisten, begeisterten - nach den technoid-schnellen Jahren um 94 - den Musikliebhaber. Massive Attack und Portishead galten als die unangefochtenen glorreichen Vorreiter dieses Sub-Genres. Gerade Portishead bekundete mit ihrem Hang zur feinst geschliffenen Elektronik den Willen, etwas Neues in Szene zu setzen. Mit Beth Gibbons hatte man hier die richtige Person am Start. Zerbrechlich und sexuell, einfühlend und aphrodisierend ihr Gesang. Eine weltweite Massenhysterie in der Indie-Szene brach aus, die Formation aus Bristol konnte sich vor Preisen und Huldigungen nicht mehr retten. Kritiker lobten deren unverwechselbaren Stil sowie den Input der charismatisch-betörenden Stimme.

2000er-Crash
Beide Bands, die von den Fans unglaublich euphorisch abgefeiert wurden, gerieten kurz vor dem Jahrtausendwechsel zu Wackelkandidaten. 2002 schien das Ende Portisheads nach zwei Alben schon beinahe besiegelt. Mit ihrer Pause, von der Fans nie wussten, ob es jetzt ein völliges Break-Up sein soll, oder nur ein Ausruhen auf den verdienten Tantiemen, sank auch der Stellenwert des Trip Hops, welchen nur noch die Sneaker Pimps ein paar Jahre erfolgreich zu prolongieren versuchten.

Besinnung
Eine lange kreative Pause begann, Sängerin Beth Gibbons widmete sich ihrem Soloprojekt. Ruhigere, akustische Töne auf einem Soloalbum wurden angeschnitten, Programmer Barrow kümmerte sich einstweil musikalisch um Neneh Cherry. 2005 stand die Band dann wieder auf der Bühne, Spekulationen um eine Fortsetzung wurden angeheizt. Gibbons versicherte: "Wir haben uns nie wirklich getrennt. Auch wenn wir seit Jahren nicht mehr gespielt haben, treffen wir uns des öfteren und schreiben. Wir haben bloß seit langem keine Platte mehr veröffentlicht".

Third
Erst drei Jahre später konnte endlich ein neues Kapitel aufgeschlagen worden, im April 2008 erscheint endlich der dritte Portishead-Longplayer, von den Fans sehnlichst erwartet. Die erste Singleauskoppelung lässt einen Stilbruch vermuten, düstere, mechanische wie elektroide Flächen werden von einem futuristischen Elektro-Gestampfe angetrieben, Beth singt wie gewohnt in zerbrechlich-sehnsüchtiger Manier. Auch die restlichen Stücke des neuen Albums "Third" können sich hören lassen, ein abwechslungsreicher Stilmix stillt die Neugier und befriedigt höchste Erwartungen. Anspieltipps: "The Rip" oder "We carry on".

Portishead - "Machine Gun"

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