Michael Haneke:

Das weiße Band

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Michael Haneke: "Wurzeln des Terrors"

Eine Film-Gala wie ein Staatsakt: Im Historischen Sitzungssaal des Parlaments findet am 22.9. die Wien-Premiere von Das weiße Band statt (ab 24. 9. im Kino).

Misshandlungen, Unfälle, mysteriöse Vorkommnisse
Der Film spielt 1914 in einem kleinen Dorf in Brandenburg. In den scheinbaren Dorffrieden platzen Misshandlungen, Unfälle, mysteriöse Vorkommnisse. Die Kinder des Dorfes, gemaßregelt von strengen Erziehungsmethoden, haben eine Schlüsselrolle. Hanekes These: Die Wurzeln des Totalitarismus liegen auch in der Erziehung.

ÖSTERREICH: Herr Haneke, sind Sie stolz auf die Goldene Palme?
Michael Haneke: Jeder, der zu einem Festival fährt und dort an einem Wettbewerb teilnimmt, will natürlich auch gewinnen. Ich freue mich sehr über diesen Preis, das ist der bisherige Höhepunkt meiner Karriere.

ÖSTERREICH: Geht es in Das weiße Band um die Wurzeln des Faschismus?
Haneke: Ja, aber nicht ausschließlich. Es geht um die Wurzel jeder Art von Terrorismus. Die Anhänger einer Ideologie fühlen sich dazu autorisiert, die anderen dahin zu zwingen, wo sie sie haben wollen. Das gilt sowohl für den Rechts- wie für den Linksfaschismus als auch für die verschiedenen Religionen.

ÖSTERREICH: Worin sehen Sie die Gefahr bei religiös motivierten Idealbildern?
Haneke: Die Gefahr besteht darin, eine positive Sache zu verabsolutieren. Protestantische Religion, wie in diesem Fall, ist ja nichts Negatives. In dem Moment, in dem ich sie zum Maß aller Dinge mache und sie fanatisch verabsolutiere, wird sie unmenschlich. Eine Idee kann etwas sehr Schönes sein, sobald sie Ideologie wird, kippt sie ins genaue Gegenteil.

ÖSTERREICH: Wieso drehten Sie Das weiße Band in Schwarz-Weiß?
Haneke: Weil alle Bilder der Zeit, in der er spielt, Schwarz-Weiß-Bilder sind. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Film erfunden, daher denken wir diese Zeit in Schwarz-Weiß.

ÖSTERREICH: Trotz Ihrer Erfolge brauchten Sie Jahre, bis Das weiße Band finanziert war. Ist das frustrierend?
Haneke: Ich bin das schon gewöhnt (lacht). Ich kann mich aber nicht beklagen, denn ich hatte die Möglichkeit, die letzten Jahre kontinuierlich zu arbeiten. Ich habe noch einige fertige Drehbücher in der Schublade, zum Beispiel für eine zwölfteilige Science-Fiction-Serie, die wahrscheinlich nie realisiert wird.

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