Netrebkos 'Lover': Der Mann hat gute Nerven

Porträt

Netrebkos 'Lover': Der Mann hat gute Nerven

Oper
"Als Don Giovanni ist es nicht nur wichtig, wie gut du aussiehst, sondern vor allem, wie du bist", meint Erwin Schrott. "Das hat nichts zu tun mit der Attraktivität der Jugend. Du kannst, wenn du so bist wie er, Don Giovanni auch noch mit 75 sein. Leider wohl nicht mehr singen." Ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein ist ein Teil seines Charakters: Schrott weiß, was er wert ist.

Gute Nerven
Er hat auch gute Nerven. Vor vier Jahren, als er in Los Angeles seinen ersten Figaro sang, fiel während des 1. Akts ein Scheinwerfer-Filter auf die Bühne. Schrott hob ihn auf, betrachtete ihn, warf ihn hinter die Kulissen – und sang ungestört weiter. "Ich war Figaro in diesem Moment und habe mir gar nichts gedacht", kommentierte er später. "Es hätte auch ein Klavier auf die Bühne fallen können. Wahrscheinlich hätte ich mich hingesetzt und darauf gespielt."

Debüt
Am Klavier begann sein Kontakt zur Musik. Erwin Schrott, 1972 in Montevideo (Uruguay) geboren, spielte schon mit acht Jahren leichte Klavierstücke, im gleichen Alter debütierte er auf der Bühne, als eines der Kinder im 2. Akt von Puccinis Bohème. Später lernte er Geige, Gitarre, Querflöte, Schlagzeug – alles eher aus Neugier. Die Stimme wurde erst entdeckt, als er 17 Jahre alt war. Mit 22 debütierte er (in einer Nebenrolle von André Chénier), dann ging er als Bass nach Chile. "Ich hab’ es bei keinem Lehrer mehr als drei, vier Stunden ausgehalten. Ich wollte die Lehrer so oft wie möglich wechseln und habe mir von jedem das gemerkt, was für meine Stimme brauchbar war."

"Wonderful girl"
1998 gewann er Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb (und auch den Publikumspreis). Damit war das Tor offen für eine internationale Karriere. Schon ein Jahr später debütierte er an der Wiener Staatsoper (als Banquo in Verdis Macbeth), es folgten Mailand und New York, Paris und London. Dort, an der Covent Garden Opera hat Schrott heuer im Juni mit Anna Netrebko als Partnerin den Don Giovanni gesungen. "She is a wonderful girl, so smart", war damals sein knapper und diskreter Kommentar. Mittlerweile wurden der fesche Südamerikaner mit der interessanten, ausdrucksvollen Bassbariton-Stimme und der russische Sopran-Star als Liebespaar geoutet.

Don Giovanni
An der Wiener Staatsoper hat Schrott vorige Saison den Figaro und den Leporello gesungen. Im Jänner 2008 singt er nun ab 14. viermal die Titelpartie im Don Giovanni ("Ich habe dafür weltweit bis 2012 Verträge"), allerdings ohne die Netrebko. Die soll erst am Monatsende zum Opernball (am 31. Jänner) nach Wien kommen.

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