Oasis: Getrennte Hotels in Wien! Oasis: Getrennte Hotels in Wien!

Zankende Brüder

© Lawrence Watson

© Lawrence Watson

Oasis: Getrennte Hotels in Wien!

Am 25.2. gegen sieben Uhr früh rauschten Oasis für ihr ÖSTERREICH-Konzert am darauffolgenden Tag in der Stadthalle in Wien an. Die Beat The Street-Tourbus-Flotte muss dabei gleich zwei verschiedene Hotels ansteuern, denn die streitbaren Brüder Liam (36) und Noel Gallagher (41) wohnen strikt getrennt: Sänger Liam und der Rest der Band im "Le Méridien", Mastermind Noel im "Imperial". „Ich muss Liam nur beim Konzert sehen. Privat haben wir uns nichts zu sagen und deshalb ist jede Minute mit ihm auch eine verlorene“, erklärt er den unüblichen Schritt.

Interview mit Liam Gallagher
Nein! Gemeinsame Interviews geben Liam (36) und Noel Gallagher (41) keine. Zu groß ist die Gefahr, dass sie sich dabei wieder in die Haare kriegen. „Mein Bruder hat mir eigentlich nichts zu sagen“, erklärt Liam beim ÖSTERREICH-Gespräch in London dieses höchst absurde Faktum.
Lässig
Im coolen Army-Parka, die von der letzten Nacht gezeichneten Augen hinter dunklen Sonnenbrillen versteckt und kettenrauchend lümmelt er sich mit 30 Minuten Verspätung auf die Couch. Die lässige Präpotenz eines Superstars unterstreicht er wild gestikulierend und hat dabei immer wieder ein „Fuck“ auf der Zunge: Der Oasis Sänger über Erfolg, Privates und den Dauerstreit mit seinem Bruder:

ÖSTERREICH: Ihr letztes Stadthallen-Konzert war ja eher ein Desaster ?
Liam Gallagher: Wenn Sie das sagen, wird’ s wohl so gewesen sein. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Ich war glaube, ich war sturzbetrunken.

ÖSTERREICH: Damals war Ihr Bruder Noel ja nicht dabei ?
Liam: Ja, und ich wusste damals auch nicht, ob er je wieder zu Oasis zurückkehren wird. Das wäre zwar traurig gewesen, aber letztendlich auch egal. Denn die Band ist größer als jeder Einzelne von uns. Das ist wie bei einem Fußballteam, da kann man die Spieler ja auch beliebig austauschen.

ÖSTERREICH: Grund für ihren Streit damals waren Noels Soloambitionen. Jetzt plant er wieder ein Soloalbum ?
Liam: Dieses verf?te Soloalbum. Er soll sich lieber um Oasis kümmern. Kein Mensch braucht ein Soloalbum. Weder von Noel noch von sonst einer Band. Wenn er ein Soloalbum machen will, bitte schön. Ich hoffe er verschenkt es, denn ich werde es mir ganz sicher nicht kaufen!

ÖSTERREICH: Was ist Ihr aktueller Beziehungsstatus zu Ihrem Bruder?
Liam: Wir verstehen uns gerade prächtig. Aber sehen wir mal, wie lange das hält. Es hat sich bei uns nichts geändert und wird sich auch nie ändern: Wir lieben uns und wir hassen uns. Aber zur Zeit steh’ ich total auf ihn. Er ist der beste Songwriter, den England je hatte!

ÖSTERREICH: Besser als Lennon?
Liam: Na gut, der Zweitbeste!

ÖSTERREICH: Wie wichtig sind Oasis anno 2009?
Liam: Wir sind die beste, größte und wichtigste Band der Welt!

ÖSTERREICH: Sind das nicht Coldplay?
Liam: F..k Coldplay! Die gehen mir am A? vorbei. Ich bleibe dabei: Wir sind die coolste Band und die f?ing beste Live-Band. Wir sind unglaublich wichtig! Nur Amerika kapiert uns nicht, aber wer braucht diese Scheißer denn schon!

ÖSTERREICH: Warum klappt es gerade in Amerika nicht?
Liam: Weil wir uns nicht anbiedern, weil wir Attitüde zeigen und weil wir eigentlich Miesepeter sind. Dort will man die verlogene heile Welt und nicht die dreckige Wahrheit.

ÖSTERREICH: Warum mutieren sie mit ihrer aktuellen CD „Dig Out Your Soul“ von der Gitarren-Band zur Schlagzeug-Band?Liam: Das war wieder mal Noels Idee. Er verwendete im Studio immerzu diesen dämlichen Ausspruch: „Mehr Groove.“ Doch mir ist es egal, ob wir nach Schlagzeug, Gitarre oder Blockflöte klingen – ich bin ja nur der verdammte Sänger.

ÖSTERREICH: Nur der Sänger? Nicht der Oasis-Boss?
Liam: Stimmt. Ich bin der Chef! Denn ich stehe im Mittelpunkt. Mich lieben die Leute und mich wollen sie sehen. Das ist auch Noels Problem.

ÖSTERREICH: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Liam: Das wir den Leuten den Rock mitten ins Herz stoßen. Nur so funktioniert es. Dazu sind wir die ehrlichste Band der Welt. Wir verstecken unsere Probleme nicht und schämen uns auch nicht dafür.

ÖSTERREICH: Was müssen Sie sich nach 15 Jahren on top noch beweisen?
Liam: Nichts mehr! Wir haben längst Geschichte geschrieben. Aber da es niemanden gibt, der das so gut kann wie wir, müssen wir weitermachen.

ÖSTERREICH: Seit einem Jahr sind Sie mit Nicole Appleton verheiratet ?
Liam: Eine Ehe ändert gar nichts und soll auch nichts ändern. Doch nach siebeneinhalb Jahren Beziehung war es an der Zeit, unsere Beziehung zu legitimieren. Nur deshalb haben wir geheiratet. Denn für die Liebe bräuchte ich keinen Trauschein.

ÖSTERREICH: Was machen Sie eigentlich mit all ihren Millionen?
Liam: Welche Millionen? Geld ist da, um es auszugeben – also habe ich es ausgegeben. Für Fisch!

ÖSTERREICH: Wie geht es mit Oasis in den nächsten zehn Jahren weiter?
Liam: Ich habe, wie immer, keinen Plan! Das Wichtigste ist: Am Leben bleiben, weiter großartige Musik schreiben und unvergessliche Konzerte geben. In Wien liefern wir heute die beste Oasis-Show aller Zeiten, also alle Hits, die wichtigsten neuen Songs und ein Beatles-Cover. Denn die waren auch gut!

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Noel Gallagher sagt

Interview mit Noel Gallagher: "Privat nichts zu sagen"
Auch Noel Gallagher weicht seinem kleinen Bruder abseits der Bühne so gut es geht aus: Getrennte Hotels, getrennte Garderobe – und natürlich auch getrennte Interviews.
Pünktlich
Zum ÖSTERREICH-Interview in Berlin kommt er pünktlich auf die Minute, richtet sich noch schnell die Krawatte und bietet Tee an. Die Eloquenz eines Elder-Statesman unterstreicht er mit längeren Nachdenkpausen, scharfen Worten und absoluter Regungslosigkeit. Das Oasis-Mastermind über Erfolg, Privates und den Dauerstreit mit seinem Bruder:

ÖSTERREICH: Beim letzten Stadthallen-Konzert von Oasis im Juni 2000 waren Sie gar nicht dabei?
NOEL GALLAGHER: Nein, mein Bruder hat mir kurz davor ein blaues Auge geschlagen, und so konnte ich doch nicht auf die Bühne gehen! Ich habe daraufhin die Band verlassen. Etwas, das ich als Erziehungsmaßnahme für meinen verblödeten Bruder übrigens jederzeit wieder machen würde. Er musste dann endlich mal Verantwortung zeigen, denn eine Tourabsage hätte auch ihn verdammt viel Geld gekostet.

ÖSTERREICH: Grund für den Streit damals waren Ihre Soloambitionen. Jetzt planen Sie wieder ein Soloalbum ?
Noel: Das ist das Einzige, das mich noch fasziniert. Durch Oasis fühle ich mich limitiert. Da muss alles bombastisch sein, ich würde aber viel lieber kleine Gigs spielen und Mini-Opern schreiben.

ÖSTERREICH: Keine Angst, dass Liam wegen Ihrer Soloambitionen wieder ausrastet?
Noel: Mir ist egal, was er darüber denkt. Ich mache, was ich will, ob es ihm passt oder nicht. Ich brauche eine Auszeit von Oasis, und auch ihm würde das guttun.

ÖSTERREICH: Was ist Ihr aktueller Beziehungsstatus zu Ihrem Bruder?
Noel: So wie immer. Mal lieben wir uns, dann hassen wir uns. Das wird sich nie ändern.

ÖSTERREICH: Früher haben sie vom Songwriting bis zum Producing alles bei Oasis gemacht. Warum nehmen Sie sich jetzt viel mehr zurück?
Noel: Es war an der Zeit, dass auch die anderen mal was arbeiten. Vor allem Liam. Wenn nur ich alles mache, dann nur mehr für ein Soloalbum. Wo ich alles kassiere und nicht durch fünf teilen muss. Ich habe genug geleistet, jetzt sind die anderen dran. Aber über Oasis und die Songauswahl bestimme trotzdem noch immer ich – und nur ich!

ÖSTERREICH: Also Sie sind der Chef?
Noel: Genau! Das ist meine Band. Und Liam ist nur mein Sänger. Das ist auch sein Problem.

ÖSTERREICH: Ihre aktuelle CD „Dig Out Your Soul“ gilt trotz Kritiker-Hymnen als Verkaufs-Flop ?
Noel: Ich weiß nicht, wie viel sie verkauft hat. Es es ist mir auch egal. Die Kritiken sind wie immer gemischt, aber auch dass ist mir scheißegal. Hauptsache, mir gefällt es. Ich habe noch nie etwas gemacht, um zu gefallen oder zu verkaufen. Und bin damit bislang ganz gut gefahren.

ÖSTERREICH: Was motiviert Sie nach all den Rekorden eigentlich noch?
Noel: Ich bin gerne faul und lasse mich vom TV berieseln, doch ich verspüre noch immer so viel Musik in mir. Nach jeder Platte sage ich mir: „Gut, das war’s nun. Ich habe alles gesagt und geschafft. Mehr geht nicht. Ich höre auf.“ Doch ein paar Tage später kommt die geniale Idee, und ich muss weitermachen.

ÖSTERREICH: Wie wichtig sind Oasis anno 2009?
Noel: Wir sind bloß in der zweiten Liga. Nehmen Sie nur das Obama-Konzert, dort spielten die Größten: Springsteen oder U2. Das ist lange noch nicht unsere Liga, denn ich glaube nicht, dass Obama überhaupt weiß, wer ich bin.

ÖSTERREICH: Was machen Sie eigentlich mit all Ihren Millionen?
Noel: Ich habe keine Ahnung, wie reich ich bin. Das checken alles meine Finanzberater. Denn solange der Bankomat den Betrag, den ich eintippe, ausspuckt, ist mir Geld egal! Ich brauche keine protzigen Autos oder große Villen, und ob meine Kinder nun Millionen von mir erben oder nicht, ist mir auch egal. Sollen sie selbst was verdienen.

ÖSTERREICH: Wissen Ihre Kinder, welcher Superstar ihr Daddy ist?
Noel: Sie wissen, dass Daddy oft im Radio und selten zuhause ist. Sie können nichts dafür, sich aber auch über ihren Lifestyle nicht beklagen.

ÖSTERREICH: Voriges Jahr wurden Sie bei einem Konzert auf der Bühne attackiert. Leben Sie seither in Angst?
Noel: Nein, warum sollte ich auch!

ÖSTERREICH: Wie geht es mit Oasis in den nächsten zehn Jahren weiter?
Noel: Das Songschreiben werde ich nie verlernen, doch ob es mich im Alter noch auf die Bühne zieht, weiß ich nicht. Auch wenn die Rolling Stones wohl niemals aufhören, wird es Oasis sicher nicht ewig geben.

Foto: (c) Lawrence Watson

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