Othello:

Sellars-Inszenierung

© Michele Pauty

Othello: "Intimes Spiel mit Obama-Flair"

Vor 15 Jahren hat Peter Sellars zum letzten Mal Shakespeare inszeniert und damals mit dem "Kaufmann von Venedig" mit John Ortiz und Philip Seymour Hoffman in Chicago einiges Aufsehen erregt. Ortiz und Hoffman sind auch nun wieder dabei, wenn sich Sellars für die Wiener Festwochen an "Othello" heranwagt. Er habe das Stück immer gehasst, gestand Sellars am Donnerstag, 4.6., bei einem Pressegespräch, aber Nobelpreisträgerin Toni Morrison habe ihn in einem fünfstündigen Gespräch überzeugt. Im Wiener Theater Akzent wird das Stück ab 14. Juni multimedial, aber doch als intimes Kammerspiel mit acht US-Schauspielern in Szene gesetzt - durchaus mit deutlichen Anspielungen auf das Amerika unter Barack Obama.

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"Der schwarze Mann inmitten vieler weißer Männer"
So verglich Sellars die Figur des Othello mit der Situation von Barack Obama und verwies auf die Aktualität des Stücks. Auf der Bühne werde diese Parallelität jedoch nur inhaltlich und nicht optisch merkbar sein: "Das Kennzeichen des Schwarz-Seins fehlt bei uns, alle sind in erster Linie einmal Menschen - wir leben nicht mehr in einer Welt von Schwarz und Weiß." Als Doge von Venedig - und damit vergleichbar mit Obama für die USA - ist der jüngste der acht Schauspieler, Gaius Charles, im Einsatz. Und das sei ebenfalls naheliegend, denn in Amerika sei mit dem neuen Präsidenten zumeist die jüngste Person im Raum auch die mächtigste.
"Ein furchteinflößendes, aufregendes, lebendiges Ding"
Als Othello steht John Ortiz auf der Bühne, als Jago ist Philip Seymour Hoffman zu sehen. Der Oscar-Preisträger hatte Ortiz einst bei der Arbeit mit Sellars kennengelernt und leitet mittlerweile mit ihm die LAByrinth Theatre Company in New York, mit deren Hilfe die Festwochen-Produktion überhaupt erst zustande kommt. Beide freuen sich sehr nun in Wien arbeiten zu können und genießen die Stadt sehr. "Ich habe meine ganze Familie hier und meinen Sohn noch nie glücklicher gesehen", erzählte der dreifache Vater Hoffman. "Und auch ich fühle mich pudelwohl hier." Die Arbeit an "Othello" sei "ein furchteinflößendes, aufregendes, lebendiges Ding", das ihn nicht schlafen und sein Herz schmerzen lasse - "und das ist auch der Grund, warum ich das hier mache."
"Wir spielen das Stück nicht, wir gehen damit um."
Dieses Gefühl der leisen Furcht vor dem großen Shakespeare-Stück teilen auch die anderen Darsteller, die teils aus Hoffmans und Ortiz' Company rekrutiert wurden. LeRoy McClain etwa, der den Cassio gibt, erzählte von Problemen mit Schlaflosigkeit: "Die Arbeit hier fühlt sich an wie ein Traum - und das ist schon sehr viel für einen, der an Schlaflosigkeit leidet." Hoffman meinte, in Momenten des Zweifels sage er sich stets vor, was Sellars immer gesagt habe: "Wir spielen das Stück nicht, wir gehen damit um." Und Sellars führte aus, dass er von den Schauspielern nicht verlange, mitzubringen, was sie schon wissen, sondern was sie noch nicht wissen. "Wir stellen Fragen, wir legen uns an, wir ringen mit dem Stück."
Im Theater Akzent
Die Neuinszenierung, die in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum auf die Bühne gebracht wird, feiert am 14. Juni um 19.00 Uhr im Theater Akzent seine Premiere und läuft von 16. bis 20. Juni täglich. Am 16. Juni gibt es im Anschluss an die Vorführung ein Publikumsgespräch. In den weiteren Rollen sind Julian Acosta (Roderigo), Jessica Chastain (Desdemona), Liza Colon-Zayas (Emilia) und Saidah Arrika Ekulona (Montano/Bianca) zu sehen. Für die Bühne ist Gregor Holzinger verantwortlich, für die Kostüme Mimi O'Donnell, für das Sound Design Mark Grey.

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