Paul Anka: Zwischen

Interview

© Kernmayer

Paul Anka: Zwischen "Diana" und Nirvana

Classic Songs, My Way: Das ist der Titel des aktuellen Doppelalbums von Paul Anka. Auf der einen CD finden sich 19 klassische Hits des Entertainers. Auf der anderen legt er, wie schon beim Album Rock Swings, aktuellen Popsongs ein Jazzgewand an. Zwischen diesen Polen pendelt der Autor von Welthits wie Diana oder My Way auch mit seiner Bigband im Konzert.

ÖSTERREICH: Viele Musiker verlieren irgendwann die Lust am Tournee-Leben – Sie scheinen es zu lieben.

Anka: Stimmt, ich spiele noch immer 75 bis 100 Konzerte pro Jahr. Es geht darum, wie man reist. Ich gehe hinaus, ich bin an der Kultur der Länder interessiert. Doch das Größte ist immer der Moment, wenn ich auf die Bühne komme. Da gibt es nichts Vergleichbares. Erst auf der Bühne erfahre ich, was meine Musik den Menschen wirklich bedeutet. Charts-Platzierungen sind nur Zahlen.

ÖSTERREICH: Wie halten Sie Ihre Musik frisch?

Anka: Wir arbeiten nicht mit einer starren Setlist. Vor der Tournee studieren wir etwa 40 Songs ein, und von denen spielen wir dann im Konzert 20 bis 25. Jeden Abend wird etwas verändert. Wenn wir ein junges Publikum haben, spielen wir zum Beispiel mehr von Rock Swings. Man kann schon vor der Show absehen, was die Leute gern hören wollen. Auch wenn ich natürlich in jedem Konzert Diana singe oder My Way. Das sind die Eckpfeiler des Programms.

ÖSTERREICH: Wie reagieren Rockstars darauf, wenn Sie deren Hits in einem Swing-Arrangement interpretieren?

Anka: Die meisten Musiker – von Bon Jovi bis Billy Joel – fühlen sich geschmeichelt. Natürlich hat jeder seine ­eigenen Vorstellungen von seinen Liedern, und da kann es sonderbar wirken, sie in einem anderen Kontext zu hören. Ich nahm Rock Swings auch für die Kritiker auf – wenn ich die überzeugen könnte, würde auch das Publikum mitgehen. Auch wenn manche Leute gewiss mehr als verblüfft sind, dass ich Smells Like Teen Spirit von Nirvana singe.

ÖSTERREICH: So wie Sie, als die Sex Pistols Ihren Hit „My Way“ spielen wollten …

Anka: Da war ich erstmal fassungslos (lacht). Das war ­eine andere Zeit, noch nicht so liberal wie heute, und ich überlegte, ob ich den Song überhaupt freigeben sollte. Aber dann dachte ich, die Sex Pistols gehen auf ihre Art sehr ernsthaft mit dem Song um – also muss ich das erlauben.

ÖSTERREICH: Wie reagieren Rockfans auf Ihre Swing-Arrangements?

Anka: Die finden das cool. Viele sagen, es sei, als ob sie den Song zum ersten Mal ­hören, sie verstehen den Text, und sie spüren eine andere Emotion.

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