Peter Simonischek gibt letzten Jedermann

ÖSTERREICH-Interview

© Pauty

Peter Simonischek gibt letzten Jedermann

ÖSTERREICH: Wie ist das Gefühl kurz vor Ihrer letzten Jedermann-Premiere?

Peter Simonischek: Bis jetzt sind die Gefühle eher angenehm, auch auf den Proben. Wir haben ja nie denselben Stiefel abgezogen. Man schaut nicht nur das Video vom letzten Jahr an und macht es genauso wieder, sondern man versucht, die Sachen noch einmal ganz lebendig zu kriegen und Dinge zu ändern.

ÖSTERREICH: Haben auch Sie sich durch die Beschäftigung mit dem Jedermann verändert?

Peter Simonischek: Acht Jahre Leben sind eine lange Zeit, und die spiegeln sich im Sommer in dieser Rolle wieder. Das Stück liegt ein Jahr, ich beschäftige mich kaum damit, und wenn ich es wieder herausziehe, dann spüre ich, was sich getan hat. Zum Beispiel: Der ganze erste Teil besteht aus Kapitalismus. Jetzt sind wir in der Wirtschaftskrise – also wird das, was ich zum Thema Gier und Geld zu sagen habe, einen ganz anderen Klang haben als zuvor.

ÖSTERREICH: Das große Thema des Stücks ist aber der Tod.

Peter Simonischek: Natürlich habe auch ich Angst vorm Sterben. Ich bin da etwas schizophren veranlagt: Ich kann einerseits die Haltung einnehmen, dass es mit uns zu Ende geht wie mit einem Goldhamster, den man ins Wasser wirft. Ich kann aber auch daran glauben, dass es einen Gott gibt und dass wir in einem großen Zusammenhang leben, in dem alles eine Bedeutung hat, auch über den Tod hinaus.

ÖSTERREICH: Wie wird Ihre letzte Jedermann-Vorstellung werden?

Peter Simonischek: Ich habe mir etwas ausgedacht mit meinem Nachfolger Nicholas Ofczarek – vielleicht, dass er auf die Bühne kommt. Eine Geste zur Jedermann-Folge wäre richtig. Ofczarek wird ein ganz anderer Jedermann, aber auch er ist ein Österreicher, der im Theatermilieu aufwuchs, und der spürt, was der Jedermann für Österreich bedeutet. Dieses Spiel vor dem Dom hat seit 1920 eine nationale identifikationsstiftende Funktion – so wie die Lipizzaner oder die Sängerknaben.

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