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Peter Zadek bekam Nestroy fürs Lebenswerk Peter Zadek bekam Nestroy fürs Lebenswerk

Theater-Gala

© Barbara Gindl

 

Peter Zadek bekam Nestroy fürs Lebenswerk

Im Wiener Ronacher wurden am Donnerstag Abend die Verleihung die "Nestroy"-Theaterpreise vergeben. Mit der bereits zum neunten Mal vergebenen Auszeichnung werden in elf Kategorien die besten Leistungen der vergangenen Saison auf österreichischen Bühnen sowie die "Beste deutschsprachige Aufführung" gewürdigt.

Gert Jonke mit Autorenpreis ausgezeichnet
Den Autorenpreis für das beste Stück erhielt zum bereits dritten Mal Gert Jonke für "Freier Fall", inszeniert von Christiane Pohle am Akademietheater. Joachim Lux, Chefdramaturg des Burgtheaters und ab der nächsten Saison Intendant am Thalia Theater Hamburg sowie Herausgeber des jüngst erschienenen Jonke-Sammelbands "Alle Stücke", hielt die Laudatio. Jonke sei zu danken, "weil du den Traum vom Fliegen weiterträumst. Du gibst uns Ahnung von der Freiheit, die es vielleicht nie gegeben hat, ohne die wir aber nicht leben wollen", so Lux. Jonke sei ein "politischer Poet, auch wenn er nicht zu jedem tagespolitischen Ereignis den Mund aufmacht." Der Autor bedankte sich mit einer "Theateranekdote", nämlich jenem Text vom "einäugigen Zwillingsbruder", den Jonke bereits in mehrere Texten verarbeitet hat.

Nestory von sein Lebenswerk an Peter Zadek
Hier kommt Gott", kündigte Happel die Verleihung des "Nestroys" für das Lebenswerk an Peter Zadek (82) an. Aber Gott sei überall und derzeit eben bei den Proben seines neuen Stücks in Zürich. Zadeks Abwesenheit nützte Laudator Matthias Matussek für einen sehr persönlichen Streifzug durch Zadeks Karriere und Leben. "Du bist aus Prinzip nie in dem Verein, der dich aufnehmen will. Du bist immer gleichzeitig drinnen und draußen", so der ehemalige "Spiegel"-Kulturchef über den Geehrten. Der Lebenspreis komme angesichts des bisher Geleisteten und der zahlreichen Pläne für die Zukunft gleichzeitig zu früh und zu spät.

Preis für besten Schauspieler ging an Markus Hering
Markus Hering erhielt den "Nestroy" als bester Schauspieler für seine Rollen als Hermile in "Verbrennungen", Erich in "Freier Fall" und C in "Pool (kein Wasser)" von Mark Ravenhill am Akademietheater. In seiner Dankesrede spielte Hering auf die Live-Übertragung auf TW1 an: "Theater im Wetterkanal, ist das fürs Klima wichtig?". Nach missglückten Versuchen einiger Werbeeinschaltungen rief er jenen Autor zu Hilfe, dem er diesen Preis unter anderem verdankt: "Ich werde was improvisieren müssen - Gert! Schreib mir was!" Neben Hering waren Roland Koch (als Franzeck in "Die Probe" von Lukas Bärfuss, Akademietheater) und Samuel Weiss (als Seth Regan und Mickey Nestor in "Harper Regan" von Simon Stephens bei den Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg) nominiert.

Regina Fritsch wurde zur besten Schauspielerin gekürt
Zur besten Schauspielerin wurde Regina Fritsch als Nawal in Wajdi Mouawads "Verbrennungen" gewählt. Sie setzte sich damit gegen ihre Kolleginnen Sandra Cervik (nominiert mit den Frauenrollen in Schnitzlers "Reigen", Theater in der Josefstadt) und Andrea Wenzl (mit ihrer "Alice" am Grazer Schauspielhaus) durch und war bei der Übbereichung sichtlich zu Tränen gerührt.

"Alice" hatte beste Ausstattung
Den Preis für die beste Ausstattung erhielt Viktor Bodo für "Alice" nach Lewis Carroll am Schauspielhaus Graz. Anna Badora, Intendantin den Schauspielhauses Graz, nahm den Preis stellvertretend für Bodo entgegen, der für Endproben eines neuen Stücks in Budapest weilt. Leer ausgegangen sind Hyun Chu für Goethes "Clavigo" im Volkstheater und Rolf Langenfass für "Nächstes Jahr - gleiche Zeit" von Bernard Slade in den Kammerspielen.

Sebastian Wendelin ist bester Nachwuchsschauspieler
Den Nachwuchspreis an Sebastian Wendelin überreichte Vorjahres-Gewinnerin Katharina Straßer. "Jetzt hab ich's doch geschafft, wenn auch ein Jahr zu spät", so Straßer, die damals während der Verleihung auf der Bühne des Volkstheaters gestanden war. "Ich nehme diesen Preis sehr gerne an, weil ich muss ja keine Stellung nehmen zum österreichischen Fernsehen. Aber das ist egal, die Theaterlandschaft ist ja besser gestellt", spielte Wendelin auf Marcel Reich-Ranickis Kritik beim Deutschen Fernsehpreis an.

Beste Nebenrolle: André Pohl
Den "Nestroy" für die beste Nebenrolle nahm André Pohl für seinen Auftritt in Horvaths "Der jüngste Tag" im Theater in der Josefstadt entgegen. Er setzte sich damit gegen die beiden anderen Nominierten Udo Samel (für Simon Stephens' "Motortown" im Akademietheater) und Johannes Krisch ("Freier Fall" von Gert Jonke) durch.

Volker Schmidt wurde für die Inszenierung seines Schul-Amoklauf-Stücks "komA" mit dem Preis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet

Stefan Bachmann als bester Regisseur ausezeichnet
Als bester Regisseur wurde Stefan Bachmann für die Inszenierung von Wajdi Mouawads "Verbrennungen" im Akademietheater ausgezeichnet. Er bedankte sich für das "schöne Willkommensgeschenk. Ich bin vor zwei Wochen mit meiner Familie hierhergezogen. Hätte ich den Nestroy nicht bekommen, wäre ich gleich wieder abgereist", scherzte er. Leer ausgegangen sind Christiane Pohle ("Freier Fall", Akademietheater) und Nicolas Stemanns "Räuber"-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen in einer Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg.

"Ratten" ist beste deutschsprachige Aufführung
Zur "Besten deutschsprachigen Aufführung" wurde Michael Thalheimers Version von Gerhart Hauptmanns "Ratten" am Deutschen Theater Berlin gewählt. Das Hamburger Thalia Theater mit "Das letzte Feuer" von Dea Loher in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg und die Münchner Kammerspiele mit Stefan Puchers Shakespeare-Inszenierung "Der Sturm" hatten das Nachsehen.

Foto (c): Barbara Gindl. Die Gewinner des Nestroy-Preises: Markus Hering, Stefan Bachmann, Regine Fritsch, Andreas Beck, Andre Pohl und Gerd Jonke

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