Nach dem Triumph war er der Erste, der große Töne spuckte. "Ich
habe nichts anderes erwartet, ehrlich gesagt", sagte Stefan Raab nur
wenige Minuten, nachdem Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest
gewonnen hatte. In den Tagen vorher in Oslo hatte sich das noch anders
angehört, öffentlich sprach Raab da bestenfalls von einer
Top-Ten-Platzierung als Ziel."Wir haben vorher ein bisschen auf
kleinlaut gemacht", sagte er nun - ob dem tatsächlich so ist oder ob
der 43-Jährige trotz der Lena-Euphorie an den Siegchancen gezweifelt hatte,
lässt sich bei dem gerne auf alles mit einem unergründlichen Lachen
reagierenden Raab schwer abschätzen.
Immerhin setzte Raab noch am Samstag kurz vor dem Grand Prix-Finale 10.000
Euro bei Buchmachern auf Lenas Sieg - das Geld hatte er beim Bayerischen
Fernsehpreis für sein Konzept für "Unser Star für Oslo"
gewonnen. Mit dem Gewinn will Raab nun eine Party für Lena und für sein Team
spendieren. "Scheiß drauf, wird gesetzt, vielen Dank noch mal an die
Bayerische Landesbank", so gewohnt frech beschrieb Raab bei der
Sieger-Pressekonferenz von Lena seine Entscheidung, mit dem Geldgewinn zu
zocken. Bei dem Auftritt vor der Presse war er, wie stets in den vergangenen
Tagen, unmittelbar an der Seite der 19-Jährigen.
Lena überzeugte Europa Triumph für Lena in Europa: Fast
drei Jahrzehnte nach Nicoles "Ein bisschen Frieden" hat
Deutschland wieder den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit ihrem Lied "Satellite"
kam die 19-jährige Abiturientin Lena Meyer-Landrut aus Hannover auf 246
Punkte und so mit großem Abstand auf den ersten Platz der 25
Finalteilnehmer. "Das war definitiv nicht zu erwarten. Ich bin völlig
fertig", sagte der von dem souveränen Sieg überwältigte Jungstar kurz
nach Ende des größten Schlagerwettbewerbs der Welt.
Der Jubel in Deutschland:
Die Begeisterung für Lena dürfte nach dem Erfolg von Oslo noch größere
Ausmaße erreichen. Am Sonntagnachmittag wurde ihr in ihrer Heimatstadt
Hannover ein überwältigender Empang bereitet. Die von der ARD und dem
Privatsender ProSieben gecharterte Lufthansa-Maschine landete pünktlich um
15 Uhr. Dann ging es weiter zum großen Empfang vor dem Rathaus, wo bereits
in der Nacht rund 20.000 Menschen ihren Sieg beim Public Viewing mitgefeiert
hatten. 37.000 weitere waren es bei der offiziellen Grand-Prix-Party auf der
Hamburger Reeperbahn.
Am Sonntag kamen schließlich über 40.000 Fans. Riesenjubel brandete auf, als
Lena ihren Siegersong "Satellite" sang. Blumen gab es von
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), Grüße von Bundeskanzlerin Angela
Merkel.
Lena wie Queen Als sich Lena in das Goldene Buch der Stadt
eintrug, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil überschwänglich: "Noch
nie hat es eine 19-Jährige geschafft, zweimal binnen zwei Monaten im Rathaus
geehrt zu werden." Es gebe keine Jüngere, die sich je in das goldene
Buch eingetragen habe. "Das letzte Mal waren beim Besuch von Queen
Elizabeth so viele Leute vor dem Rathaus", fügte Weil stolz hinzu.
14,69 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten allein in Deutschland den
souveränen Sieg Lenas - fast doppelt so viele, wie im vergangenen Jahr
eingeschaltet hatten. Weltweit waren es nach Schätzungen mindestens 125
Millionen.
Lena singt den Siegersong:
Lenas 246 Punkte erbrachten erst den zweiten Sieg Deutschlands bei dem
Wettbewerb überhaupt. Bisher hatte nur Nicole 1982 mit dem Ralph-Siegel-Song "Ein
bisschen Frieden" den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson gewonnen,
wie er damals noch hieß. Bei einem sehr souveränen Auftritt sang Lena "Satellite"
in Oslo in Nuancen anders als gewohnt. Sie bekam am Samstag Punkte aus fast
allen Ländern, darunter neun Mal die Höchstzahl von je 12 Punkten - aus
Estland, Dänemark, Spanien, der Slowakei, Lettland, Finnland, Norwegen,
Schweden und der Schweiz. Nur in fünf der insgesamt 39 abstimmenden Länder
ging sie leer aus.
Türkei auf dem 2. Platz Auf den zweiten Platz kam die
Türkei mit dem Rocksong "We could be the Same" der Gruppe
Manga. Mit 170 Punkten lag sie aber deutlich hinter Lena zurück. Dritter
wurde Rumänien mit dem Popsong "Playing with Fire" des Duos
Paula and Ovi bei 162 Punkten.
Zu einem Zwischenfall kam es im Finale bei dem auf Startnummer Zwei
angetretenen spanischen Beitrag des Sängers Daniel Diges: Mitten in der
Nummer erklomm ein Zuschauer überraschend die Bühne und mischte sich unter
die Begleitgruppe. Das Lied durfte daher nach Ende aller anderen Beiträge
wiederholt werden.
Merkel gratuliert Der 55. Eurovision Song Contest, bei dem
einschließlich der beiden Halbfinale insgesamt 39 Staaten teilnahmen, wurde
von 18.000 Zuschauern in der Telenor-Arena in Oslo verfolgt. Am Sonntag
gratulierte neben vielen anderen auch Merkel der deutschen Siegerin: Der "Bild"-Zeitung
sagte sie: "Ich gratuliere Lena Meyer-Landrut zu ihrem Super-Erfolg in
Oslo. Lena hat mich mit ihrer Natürlichkeit und Herzlichkeit sehr
beeindruckt. Sie ist ein wunderbarer Ausdruck des jungen Deutschlands."
Nach dem deutschen Sieg findet der Eurovision Song Contest nächstes Jahr in
Deutschland statt. NDR-Intendant Lutz Marmor wollte sich noch nicht auf eine
Stadt festlegen, Hannover und Hamburg haben die Show bereits für sich
reklamiert, in den meisten Ländern wird der Eurovision Song Contest aber in
der jeweiligen Hauptstadt ausgetragen. Die Ausrichtung des Wettbewerbs
könnte nach Schätzungen bis zu 20 Millionen Euro kosten.
Das Ergebnis des 55. Eurovision Song Contests
1. Deutschland - Lena - "Satellite" - 246
2. Türkei - Manga - "We Could Be The Same" - 170
3. Rumänien - Paula und Ovi - "Playing With Fire" - 162
4. Dänemark - Chanée & N'evergreen - "In A Moment Like This" - 149