Roman über Anna Sacher

"Das letzte Fest d.a. Europa"

Roman über Anna Sacher

"Das letzte Fest des alten Europa" nennt sich der Roman von Monika Czernin über die legendäre Hotelbesitzerin Anna Sacher. Das Leben der Wienerin war eng verknüpft mit vielen berühmten und illustren Figuren, die um die Jahrhundertwende in Wien lebten. Die Autorin bietet unterhaltsame Einblicke, ohne den historischen Hintergrund ganz zu vernachlässigen.

Herrscherin
Die Tochter eines Wiener Fleischhauers heiratet mit 21 Jahren den Chef des "Sachers" und stieg bald zu einer bekannten Gastgeberin auf. 1892 stirbt ihr Mann Eduard, und die 30-Jährige führt die Geschäfte von da an allein. Bis zu ihrer Entmündigung und ihrem Tod 1930 ist sie die unumschränkte Herrscherin über ihr Reich, in dem Künstler, Geschäftsgrößen und Adelige gleichermaßen essen, feiern und zuweilen auch Politik machen.

Fiktion und Fakten
In einer Mischung von Fiktion und historischen Fakten schildert Czernin, wie in einer Zeit des Umbruchs das Hotel Sacher Ausgangspunkt für zahllose Geschichten, Anekdoten oder Affären wurde. Gleich im ersten Kapitel "Anna Sacher trauert, mit Anstand und nicht ohne Stolz", wird beschrieben, wie die Hoteliersfrau zur Witwe wird. Erstmals konnten als Quellen auch die Kondolenzschreiben verwendet werden, die sich nach wie vor im Hotel Sacher in einer Schatulle befinden, so die Autorin in ihrem Vorwort.

"Sachertorte trotz Magersucht"
Die Ironie und der oft sehr heutige Blick Czernins werden unter anderem in dem Kapitel "Kaiserin Elisabeth isst trotz Magersucht ein Stück Sachertorte" deutlich, in dem ein Besuch der Kaiserin im Sacher und der feierliche Verzehr eines Tortenstücks unter der aufgeregten Überwachung durch die junge Hoteliersfrau geschildert wird.

Habsburger

Es kommen noch mehr Habsburger vor, so lässt sich Kronprinz Rudolf des Öfteren sein Essen aus dem Hotel liefern - angesichts der aufwendigen Hofküche eine fast unglaubliche Geschichte. Erzherzog Ferdinand hatte sich auf ihrem "Tischtuch-Gästebuch" verewigt - Anna Sacher ließ berühmte Personen unterschrieben und stickte das Autogramm dann nach - nur auf Kaiser Franz Josef wartete die Chefin vergebens, er hielt das Hotel "für einen halbseidenen Ort, ein Etablissement der leichten Freuden und des Tratsches."

Schnitzler, Mahler, Klimt
Dafür waren andere Berühmtheiten ihrer Zeit dort, von Arthur Schnitzer über Gustav Mahler bis zu Gustav Klimt. All das verpackt Monika Czernin in leicht lesbare Geschichten und Anekdoten. Darüber hinaus zeichnet sie auch ein deutliches Bild von einer Frau, die ihr Hotel-Imperium mit strenger Hand zum Erfolg geführt hat.

Monika Czernin: "Das letzte Fest des alten Europa. Anna Sacher und ihr Hotel". Knaus, gebunden, 352 Seiten, 19,99 Euro.)
 

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