Rosamunde Pilcher legt Erinnerungen vor

Meine beiden Mütter

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Rosamunde Pilcher legt Erinnerungen vor

Sie ist für viele noch immer Deutschlands begehrtestes Date für einen sonntäglichen Fernsehabend, dabei ist Rosamunde Pilcher schriftstellerisch schon längst in Rente gegangen. Doch nun meldet sich die Autorin von mehr als 600 Millionen verkaufter Romane überraschend wieder auf dem Buchmarkt zurück. Aber die Jubelrufe ihrer Fans könnten schnell verhallen, denn "Meine beiden Mütter" ist keine ihrer gewöhnlichen romantischen Erzählungen.

Schmales Buch

Pilcher bringt kurz vor ihrem 86. Geburtstag am 22. September ein gerade mal 72-seitiges Büchlein auf den Markt, in dem sie lose Kindheitserinnerungen festhält. Das von ihrem Verlag als das "persönlichste Buch" Pilchers angepriesene Werk ist eher der Erlebnisbericht einer Zehnjährigen als die tiefschürfende Biografie einer Altmeisterin.

Schreiben als Erholung
Pilcher schreibt über Spiele im Garten, das Planschen im Meer, ihre Hausaufgaben und über die Masern. Die Darstellungen ergänzen ihre bislang nur lückenhaft verbreitete Biografie. Diese startet auf den Klappentexten ihrer Bücher bislang im Alter von 15 Jahren, als die Melodram-Autorin zu schreiben begann. Nach dem Kriegsdienst in Indien heiratete sie 1946 den Offizier Graham Pilcher. Sie bekommen fünf Kinder und ziehen ins schottische Dundee. Dort hackt Pilcher gelegentlich zur Erholung vom Mutter-Dasein auf die Schreibmaschine ein. Erst im Alter von 63 Jahren schafft sie 1987 den Durchbruch als Autorin.

Nicht idyllisch
Aufgewachsen ist Pilcher in der wunderschönen Landschaft von Cornwall. "Überall wartete das Schöne auf uns: der Atlantische Ozean, die weißen Strände, die windgekämmten Dünen", berichtet sie in "Meine beiden Mütter". Sie legt darin erstmals dar, dass ihr eigenes Familienleben nicht roman-gleich behütet und idyllisch war. Pilchers Vater lebte weit weg von der Familie in Burma (heute: Myanmar), ohne dass sie ihn je kennenlernte. Die Mutter war eine Einzelgängerin, das Geld immer knapp und ihr Haus wenig herrschaftlich.

Geborgenheit
Das Mädchen sehnte sich nach der Aufmerksamkeit ihrer Eltern, nach Geborgenheit und der Romantik heiler Beziehungen, die später zum Dreh- und Angelpunkt all ihrer Romane wurden. All dieses erfährt Pilcher erstmals als Zwölfjährige im Haus der Familie ihrer besten Freundin. Dort kommt sie für ein Jahr unter, als ihre Mutter den Vater besucht und sie zurücklässt.

Keine Liebesgeschichte
"Meine beiden Mütter" ist ein Werk für ausgesprochene Pilcher-Fans. Der normale, romantisch veranlagte Leser ihrer Romane, könnte enttäuscht sein. "Meine beiden Mütter" ist einfach keine Liebesgeschichte.
 

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