Ruzowitzky:

Kulturszene

© Erich Reismann, TZ Österreich

Ruzowitzky: "Nun weder FPÖ noch BZÖ wählen"

Das Thema Neuwahl beschäftigt natürlich auch die österreichische Kulturszene. Wichtige Akteure dieses Feldes haben sich nun sehr kritisch zu Wort gemeldet. Derzeitiger Player Nummer 1, Österreichs Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky, lässt mit einer besonders harschen Kritik und einer eindeutigen Aussage aufhorchen. So hofft er nach dem Platzen der Koalition und angekündigten Neuwahlen, dass "möglichst viele genug Anstand und Intelligenz haben, nun weder FPÖ noch BZÖ zu wählen". Dass keine der Rechts-Außen-Parteien vom Unvermögen der Großparteien profitieren, könne man sich "sowohl für die Außenwirkung des Landes als auch für die moralisch-politische Hygiene intern" nur wünschen. Prognosen zu stellen würde er derzeit aber nicht wagen - "das ist Kaffeesudleserei".

Filmszene dürftig gefördert
Dass sich auch nach dem Oscar-Gewinn für Österreich filmpolitisch noch nicht viel getan habe, ist für Ruzowitzky "im Prinzip klar". "Das bedarf eines gewissen Entscheidungsprozesses - auch wenn der natürlich etwas kürzer sein könnte. Aber es wäre auch seltsam, wenn einer einen Oscar gewinnt, dass am nächsten Tag gleich die Millionen fließen." Im Endeffekt komme es da mehr auf das Ergebnis an, und für ihn ist es nur "eine Frage der Zeit, dass man draufkommt, dass Filmförderung auch Wirtschaftsförderung bedeutet und für das Land etwas bringen würde". Sowohl filmpolitisch als auch allgemein bedeuten Neuwahlen vor allem, dass "bei Sachthemen jetzt eine Zeit lang nichts mehr weitergehen wird". Gerade beim Film werde der Druck früher oder später aber so groß werden, dass - "wer immer ans Ruder kommt" - was getan werden muss.

Kabarett-Szene warnt vor Populismuswelle
Ein "völliges Fehlen von einem Hoffnungsgefühl", stellte Kabarettist, Autor und Schauspieler Florian Scheuba an sich fest, als er von der Absicht baldiger Neuwahlen erfuhr. "Normalerweise denkt man sich, es könnte sich etwas zum Besseren wandeln. Diesmal möchte man keinen belohnt wissen, weder jene, die unfähig, noch jene, die unwillig waren. Bei Strache weiß man leider, dass er belohnt werden wird. Wenigstens etwas Positives kann man daran finden: Dass das eine unfassbare Demütigung für Jörg Haider ist", so Scheuba.

Kultur kein Thema im Wahlkampf
Kunst und Kultur werde im Wahlkampf "sicher überhaupt keine Rolle spielen. Es wäre ganz gut, das Thema ORF zu thematisieren, und vielleicht gibt es jetzt auch eine längst fällige Diskussion über das Verhältnis von Politik und Medien. Dominieren werde im Wahlkampf sicher die EU-Frage, "da wird wahnsinnig viel gelogen werden. In den nächsten Monaten wird eine Populismuslawine auf uns zurollen. Und Hans Dichand wird einen Vitalitätsschub der Sonderklasse bekommen."

ÖVP blockiert
Man könne allerdings auch die ÖVP nicht aus der Verantwortung entlassen, meint Scheuba, ihre "massive Blockadepolitik" habe zu der jetzigen Situation beigetragen. Ein Mehrheitswahlrecht hält Scheuba nicht unbedingt für einen richtigen Ausweg: "Da habe ich Bedenken. Ich bin mir nicht sicher, ob die österreichische Politik dazu reif ist, denn bereits jetzt haben wir dieses gnadenlose Umfärben. Das würde dann sicher noch massiver erfolgen."

Bundestheater halten Neuwahlen für "schlecht"
"Aus der Sicht der Bundestheater ist das das Schlechteste, das uns passieren kann", meinte Bundestheater Holding Chef Georg Springer zur Ankündigung von Herbst-Neuwahlen. "Jetzt kommt der übliche politische Stillstand und für uns damit einhergehend das Abhandenkommen der bisherigen Partner. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wird es ein Bundesbudget erst im April oder Mai 2009 geben."

Eine Nicht-Erhöhung, sondern bloße Fortschreibung der Basisabgeltung für die Bundestheater werde "auf jeden Fall einen unmittelbaren Einfluss auf den Spielbetrieb" haben, "etwa durch arbeitsrechtlichen Kampfmaßnahmen wie Betriebsversammlungen, bis hin zu rigidesten Einsparungsmaßnahmen im laufenden Betrieb. Bei der nötigen langen Vorausplanung der Theater wird das erst mittelfristig sichtbar. Wir begeben uns in eine Zwangslage für die laufend tätigen Betriebe, die mir aus jetziger Sicht nicht lösbar scheint."

Zu dieser "äußerst unerfreulichen" Situation komme, dass mit möglicherweise neuen Gesprächspartnern "vermutlich fast alles nahe Null beginnen muss": "Die Argumentation und der Ausbau einer Zusammenarbeit: Das beginnt beim Start."

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