Salome wird ins Glas

Genrewechsel

Salome wird ins Glas "gegossen"

Die erste halbe Stunde herrschte Verblüffung im Publikum. Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen gehört. Doch bald gab es Szenenapp­laus. Und am Ende – Jubel und Ovationen.

C. L. Attersees Salome-Inszenierung hatte am Sonntag in der Oper Bremen Premiere. Der Bildkünstler hatte die Strauss-Oper teilweise umgeschrieben und mit riesenformatigen Bildern ausgestattet, die sowohl projiziert als auch vom Schnürboden ­herunter gelassen wurden: Jesus, eine „besoffene Mondin“ und eine gemalte Salome mutierten so – neben den leibhaftigen Sängern – zu Mit-Akteuren.

Erstickungstod
Besonderen Eindruck bei den Premierengästen machte Attersees neu konzipierter Schluss: Salome wird aus einem überdimensionalen Weinbecher in ein ebensolches Glas „gegossen“ – was man auf zweierlei Weise interpretieren kann: Die Titelheldin ereilt der Erstickungstod; oder: Salome bleibt – wie in einem Schauglas ausgestellt – der Welt erhalten.

Auch Attersees Neudeutung von Johanaans Ende – sein abgeschlagener Kopf mutiert zu einem Erdball, den Salome zärtlich kost – wurde vom Publikum neugierig angenommen.

Zusätzlich zur Oper gibt es in der angeschlossenen Theatergalerie Bremen noch eine Attersee-Ausstellung mit Bildern aus dessen Salome-Zyklus. Der Künstler schien nach der Premiere entsprechend selig: „Besser geht’s nicht!“

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