16. Juni 2009 20:44
Als "große Ehre“ bezeichnet Birgit Minichmayr die Rolle der Buhlschaft im
Jedermann, die sie ab 2010 bei den Salzburger Festspielen übernehmen wird.
"Ich weiß, in welcher großen Tradition dieses Stück für Salzburg steht, und
ich werde mir größte Mühe geben, nicht nur adrett auszusehen, sondern die
Rolle auch mit Leben zu füllen“, so Minichmayr. Hinzu komme, "dass ich
meinem Vater damit einen Herzenswunsch erfüllen kann“.
Eiliger Nachsatz: "Alles Weitere in einem Jahr.“
Rekorde
Nach 79 Aufführungen wird sich "Rekord-Jedermann“ Peter
Simonischek nach diesem Sommer aus Salzburg verabschieden. Und auch Sophie
von Kessel, die sich in die Riege der rekordverdächtig kurzfristigen
Buhlschaften (Hoss, Bäumer) der letzten Jahre eingereiht hat, wird heuer zum
letzten Mal auf dem Domplatz agieren.
Das neue Salzburger Traumpaar heißt ab 2010 Nicholas Ofczarek (38) und
Birgit Minichmayr (32). Dass sie glänzend harmonieren, konnte man in den
letzten Monaten im Wiener Akademietheater miterleben, wo sie noch bis
Saisonschluss in Martin Kusejs hinreißender Weibsteufel-Inszenierung
agieren.
Unterhosen
Ofczarek ist doppelter Nestroy-Preisträger und wirkte
bereits zweimal - in König Ottokars Glück und Ende und Höllenangst – bei den
Salzburger Festspielen mit. Im Burgtheater hängt ein Foto-Porträt des
berühmten Künstlers Erwin Wurm, das Ofczarek in ungewöhnlicher Pose zeigt:
nur in Unterhosen, "habt acht“ auf offener Straße auf einem Papierkorb
verharrend.
Auch Minichmayr ist Nestroy-Preisträgerin. In Salzburg fiel sie 2002 in
Andrea Breths Inszenierung von Schnitzlers Weitem Land gut auf. In Luc
Bondys genialer Wiener König Lear-Interpretation brillierte sie an der Seite
von Gert Voss als Narr. Bei den Berliner Filmfestspielen ergatterte sie
heuer einen Silbernen Bären: Alle Anderen startet nächste Woche in
Österreichs Kinos.
Tote Hosen
Zusammen mit dem Tote-Hosen-Mann Campino verkörperte
Minichmayr in Berlin die Seeräuber-Jenny in Brechts Dreigroschenoper (Regie:
Klaus Maria Brandauer). Zuletzt sang sie mit dem deutschen Parade-Punker im
Burgtheater und auf der neuen "Hosen“-CD In aller Stille den Hit Auflösen.
"Ofczarek ist seit Jahren ein Lieblingsschauspieler von mir“, kommentiert
Salzburgs Schauspiel-Chef Thomas Oberender seine Wahl. „Er ist ein
intelligenter Darsteller, der aber gleichzeitig über eine unwahrscheinliche
Energie und enorme protagonistische Kraft verfügt.“ Andererseits sei er „ein
guter ,Mitspieler', der ein Spiel um sich herum zu entfalten vermag“.
Als "kraftvolle und intelligente Schauspielerin“ schätzt Oberender die
designierte Buhlschaft. „Minichmayr hat etwas Bodenständiges, ist aber auch
zu feinen, empfindlichen, ja, verletzlichen Zwischentönen fähig. Und diese
Mischung aus Angriffskraft, Selbstbewusstsein und der Verletzlichkeit einer
zarten Frau, halte ich für eine raffinierte Mischung bei der Interpretation
der Buhlschaft.
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Jedermann-Coup lenkt von großen Sorgen ab Weniger
Reisegruppen und starke Ermäßigungen - auch bei den Festspielen
krieselt’s.
Festival Der Jedermann-Coup kommt zum rechten Zeitpunkt: Er
lenkt von gravierenden Sorgen ab. Festspiel-Präsidentin Helga
Rabl-Stadler bekennt: „Bei den Individual-Bestellern merken wir ganz
wenig. Bei den Reisegruppen registrieren wir aber sehr wohl Einbußen.
So haben uns zwei englische Reisegruppen abgesagt. Und das trifft uns
natürlich. Wobei 2010 noch schwieriger wird als 2009.“
Im Übrigen hätten die beiden Hauptsponsoren Siemens und Uniqa deutlich
gemacht: „Wenn sich beim ,Antikorruptionsgesetz' nichts ändert, werden
sie Konsequenzen ziehen“, so Rabl-Stadler.
Rabatte Als Indiz dafür, dass der Kartenverkauf schon
einmal besser lief, kann das Angebot des Kreditkartenunternehmens
Mastercard gelten, das seinen Kunden 10%ige Rabattierungen für alle
Festspiel-Tickets (außer Jedermann) offerieren.
Chef-Debatte Zu allem Überfluss hält die
„Intendanten-Debatte“ Salzburg in Atem: Noch-Intendant Jürgen Flimm
wird kritisiert, weil er schon zu einem Zeitpunkt, da er noch
vertraglich an die Festspiele gebunden ist, die Berliner Staatsoper
leiten will. Und sein designierter Nachfolger Alexander Pereira erregt
Argwohn, weil er 2011 in Salzburg durchstarten soll, aber noch bis
Ende 2012 das Zürcher Opernhaus mitbetreuen muss.
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