Schenk:

Der Weihnachstseller

Schenk: "Ich bin ein Bücher-Diktator"

Otto Schenk ist nicht nur als Schauspieler ein unübertroffener Publikumsliebling und hat als Opernregisseur Weltkarriere gemacht, er erweist sich nun, „im Greisenalter“, wie er sagt, auch als Schriftsteller als Megaseller.

Der König der Komödie, hinter dessen Genie der Lustigkeit stets der Abgrund lauert, brilliert derzeit in den Kammerspielen der Josefstadt im dauernd ausverkauften melancholischen Lachtheater Schon wieder Sonntag des Londoner Sitcom-Schreibers Bob Larbey als körperlich hinfälliger, witziger, boshafter, selbstironischer Cooper, der seit dem Tod seiner Frau im Altersheim lebt, mit seinem vergesslichen Freund Aylott (Harald Serafin) Schach spielt und die süße Krankenschwester Wilson (Hilde Dalik) liebt.

Mit Niavarani. Daneben begeistert er mit Michael Niavarani im Pointenfeuerwerk Zu blöd, um alt zu sein im Globe Wien. An der Wiener Staatsoper sind viele seiner unsterblichen Inszenierungen – Der Rosenkavalier, Der Liebestrank, Die Meistersinger von Nürnberg, Fidelio, Die Fledermaus sowie seine vor zwei Jahren entstandene, in einem geheimnisvollen Wald auf Stelzen spielende, märchenhafte Deutung von Janáčeks originellster Schöpfung Das schlaue Füchslein – im Repertoire.

Brillant. Im Amalthea Verlag ist rechtzeitig vor Weihnachten der jüngste literarische Wurf des multipel begabten Tausendsassas erschienen: Ich kann’s nicht lassen heißt sein mittlerweile 7. Memoiren-Band, eine Sammlung von geistreichen und witzigen Anekdoten aus dem ereignisreichen Leben des rhetorisch brillanten Wiener Weltbürgers.

„Ich finde Schauspieler-
Autobiografien grässlich“

„Ich finde Schauspieler-Autobiografien grässlich“ sagt Schenk, „so etwas werde ich nie schreiben. Ein ganzes Leben ist doch furchtbar fad, ich werde ganz traurig, wenn ich so etwas lese. Nicht einmal der Alltag von Genies wie Bach oder Beethoven interessiert mich. Spannend sind doch nur die genialen Momente in ihrem Leben, aus denen die großen Werke entstehen. In meinem Leben gibt es nur einzelne blitzartige Glücksmomente und dazwischen lange Epochen, in denen nichts Wesentliches passiert. Das ist wie ein Fußballspiel, das ist fast nur fad, und dann kommen ein paar spannende Momente. Ich würde nie in ein Stadion gehen, erstens, weil ich mich davor fürchte, dass die Anhänger mir auf den Kopf hauen oder mein Auto zertrümmern, und zweitens weil ich diese unangenehmen Längen nicht aushalte.“

Und über den jovialen Titel – Ich kann’s nicht lassen – sagt der Otti: „Das ist meine späte Sucht zu formulieren, ein Sprudel in mir, der mich mitreißt. Ich untersuche Kleinigkeiten und wage es, große Sachen anzutasten. Das neue Buch ist wieder ein Kind von mir, ein Kaleido-skop meiner Zustände, Wege und Irrwege. Diesmal sind es Stichwörter, Dinge, die mich gestochen haben wie Bremsen oder Mücken, Geschichten aus dem Theater und aus dem Leben, Menschliches und Unmenschliches. Meine Beobachtungswut, meine Sucht, Blamagen und Schwächen auf die Schliche zu kommen, und meine Formulierungssucht ergeben komische, tragische, boshafte Erzählungen von den Schwierigkeiten des Lebens, immer amüsant und immer volkstümlich.“

Bücher-Diktator. Und: „Ich möchte amüsieren, und ich bin ein Freund des Verständlichen, da greife ich sogar den großen Kant an“, sagt Otto Schenk, der seine Bücher stets diktiert und sich deshalb als „Bücher-Diktator“ bezeichnet.

E. Hirschmann-Altzinger

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