Schiele-Gemälde erzielt Auktions-Rekord

London

Schiele-Gemälde erzielt Auktions-Rekord

Egon Schieles Ölbild "Häuser mit bunter Wäsche" aus der Sammlung des Wiener Leopold Museums hat heute, Mittwoch, Abend bei der Sommerauktion von Sotheby's in London mit einem Hammerpreis von 22 Mio. Pfund (24,6 Mio. Euro) einen neuen Kunstmarkt-Weltrekord für ein Werk des österreichischen Künstlers aufgestellt. Zu diesem Preis kommen noch Aufschläge und Steuern. Bisher hielt eine Landschaft Schieles, die 2006 um 22,4 Mio. Dollar (damals 17,5 Mio. Euro) den Besitzer wechselte, den Rekord. "Häuser mit bunter Wäsche" war auf 22 bis 30 Mio. Pfund (24,6 Mio. bis 33,6 Mio. Euro) geschätzt worden.

Sotheby's zufrieden
Inklusive Zuschläge erzielte "Häuser mit bunter Wäsche" 27,635 Mio. Euro (24,681 Mio. Pfund). Das Bild ging nach einem relativ kurzen Bietergefecht in Halb-Millionen-Schritten an einen Telefonbieter. Eine Sotheby's-Sprecherin zeigte sich gegenüber der APA erfreut über den erzielten Weltrekord: "Das ist ein absolut zufriedenstellendes Ergebnis." Dass das Bild exakt zum untersten Schätzwert zugeschlagen wurde, trübte auch nicht die Stimmung bei den österreichischen Einbringern. "Man muss sehr zufrieden sein", sagte Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold Museums, im Gespräch mit der APA. Der neue Schiele-Rekord läge schließlich beträchtlich über dem alten.

Das Schiele-Gemälde wurde vor allem zur Finanzierung des Vergleichs um das lange in den USA beschlagnahmte "Bildnis Wally" versteigert. Im vergangenen Jahr waren nach einem zwölf Jahre dauernden Rechtsstreit dafür umgerechnet rund 15 Mio. Euro gezahlt worden. Inklusive der angelaufenen Anwaltskosten schätzt Weinhäupl den dafür notwendigen Betrag auf rund 19 Mio. Euro. Dieser könne nun aus dem Aktionserlös ebenso finanziert werden wie weitere bereits abgeschlossene Vergleiche in anderen Restitutionsfällen. "Wir sind da einen großen Schritt weitergekommen und werden vieles finanzieren können."

IKG machte Flugblattaktion
Vor dem Londoner Auktionshaus sowie vor dem Wiener Leopold Museum hatte die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) in den Abendstunden Flugblätter verteilen lassen, um auf das Schiele-Gemälde "Häuser am Meer" aufmerksam zu machen, das nicht restituiert werde, u.a. weil es als zentrales Werk von Egon Schiele ein "unverzichtbarer Teil" der Sammlung sei. "Häuser mit bunter Wäsche" sei hingegen offenbar ein "verzichtbarer Teil" der Sammlung, Verkauf und Ausfuhr aus Österreich kein Problem. "Das Leopold Museum hat nichts gelernt. Nach dem unrühmlichen Streit um 'Wally' von Egon Schiele, bahnt sich der nächste Streit um Schieles 'Häuser am Meer' an. Die Politik ist aufgerufen, endlich einzugreifen", so IKG-Präsident Ariel Muzicant am Abend in einer Aussendung. "Ich finde diese Aktion nicht in Ordnung", nahm Weinhäupl dazu Stellung. "Wir gehen unseren Weg der fairen und gerechten Lösungen weiter und werden uns davon nicht abbringen lassen."

Der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl kündigte am Abend eine parlamentarische Anfrage "betreffend Ausverkauf im Leopold Museum" an. Die an Kulturministerin Claudia Schmied (S) gestellten 20 Fragen rund um die Auktionierung von "Häuser mit bunter Wäsche" gipfeln in der Frage: "Ab dem Verlust wie vieler Bilder wäre für Ihr Ministerium ein Grenzwert erreicht, der die Aufrechterhaltung des Leopold Museums in seiner jetzigen Form nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt?"

 

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