So wird das Literaturjahr 2015

Neuer Lesestoff

So wird das Literaturjahr 2015

Gleich nach dem Dreikönigstag 2015 kann man einen der literarischen Überraschungserfolge des Jahres 2014 live nachholen: Der Österreicher Robert Seethaler, dessen Roman "Ein ganzes Leben" vor allem in Deutschland sehr gut ankam und 120.000 Exemplare verkaufte, liest zum Start einer großen Lesetournee am 7. Jänner in der MUSA-Startgalerie in Wien.

Neue Austro-Bücher
Von den heimischen Autorinnen und Autoren sind im neuen Jahr u.a. Novitäten von Vea Kaiser, Doris Knecht, Arno Geiger und Heinrich Steinfest angekündigt, doch zu Jahresanfang werden Ian McEwan und Michel Houellebecq für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.

Der Roman "Kindeswohl", auf den der Brite im Herbst bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein einen Vorgeschmack gegeben hat, erscheint am 9. Jänner bei Diogenes. Es geht um eine Familienrichterin, die privat und beruflich schwierige Situationen zu meistern hat. Pointiert politisch ist das Szenario des neuen Houellebecq-Romans "Unterwerfung", der am 19. Jänner wenige Tage nach dem französischen Original "Soumission" auf Deutsch bei DuMont erscheint: Im Frankreich des Jahres 2022 gewinnt ein muslimischer Kandidat die Präsidentschaftswahlen.

"Still"
Bevor der ORF im Februar zwei Verfilmungen von Thomas Raabs "Metzger"-Krimis ausstrahlt, gibt es am 14. Jänner bei Droemer Knaur einen neuen Roman des Wieners Autors. "Still" heißt das Buch, und still hat es auch der mit einem hypersensiblen Gehör ausgestattete Protagonist am liebsten, der Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt vor allem in der Stille des Todes sucht und dabei eine blutige Spur durch sein Heimatdorf zieht. Bei Residenz erscheint O.P. Ziers "Komplizen des Glücks", die Geschichte einer unangepassten Salzburger Familie in einem alten Bauernhaus im Salzburger Land. Am 29. Jänner stellt Wolfgang Popp seinen Roman "Die Verschwundenen" (Edition Atelier) im Literaturhaus Wien vor.

Am 2. Februar erscheinen bei Hanser mit jeweils 75.000 Stück Auflage Arno Geigers "Selbstporträt mit Flusspferd" ("Die Geschichte einer Trennung, einer Liebe und eines Flusspferds, das von der Liebe nichts versteht. Arno Geiger erzählt von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens in einer unverständlichen Welt", wirbt der Verlag, Buchpräsentation am 23. Februar im Akademietheater) und T.C. Boyles "Hart auf hart". Noch bevor der Roman unter dem Original-Titel "The harder they come" Ende März in den USA veröffentlicht wird, ist der US-Autor am 26. Februar live auf der Bühne des Wiener Gartenbaukinos zu erleben.

"Durchzug eines Regenbandes"
Im Februar erscheinen etwa bei S. Fischer drei Erzählungen von Reinhard Kaiser-Mühlecker ("Zeichnungen") und Ulrich Ziegers monumentaler Roman "Durchzug eines Regenbandes", bei Zsolnay Alfred Polgars 1937/38 geschriebene Biografie von Marlene Dietrich (Buchpräsentation am 25. Februar im Akademietheater) und Vladimir Vertlibs humorvoller Roman "Lucia Binar und die russische Seele" über eine 83-Jährige, die die aus Gründen der politischen Korrektheit betriebene Umbenennung der "Große Mohrengasse" in "Große Möhrengasse" zu verhindern sucht. Protagonisten des Debüts des 46-jährigen Niederösterreichers Richard Schuberth, "Chronik einer fröhlichen Verschwörung", sind eine 17-Jährige und ein 70-jähriger Philosoph. Angekündigt ist "ein moderner Schelmenroman und eine rasante Außenseiterballade zweier ungleicher Zeitgenossen".

Neuer Lesestoff im Februar
Gertraud Klemms "Aberland" erscheint am 6. Februar im Droschl Verlag. Mit einem Kapitel aus diesem Roman über zwei Frauen-Generationen gewann die Wahl-Niederösterreicherin den Publikumspreis beim Bachmann-Preis. Bei Jung und Jung kommt "Ein kirgisischer Western" von Erwin Einzinger, bei Hanser Ljudmila Ulitzkajas autobiografischer Band "Die Kehrseite des Himmels" (23.2.), bei Haymon der Erzählband "Fünf Witwen" von Evelyn Grill.

"Reisende in Sachen Relativität"
Bei Picus erscheint im Februar u.a. Manfred Rumpls großer Roman über den österreichischen Physiker Erwin Schrödinger "Reisende in Sachen Relativität", "Herzkörper", ein Roman von Harald Darer über die jugendlichen Antihelden in einer Kleinstadt, "Bleibergs Entscheidung" von Schulamit Meixner sowie Thomas Sautners "Die Älteste", ein Roman über eine Frau, die sich nach einer Hirntumor-Diagnose in die Hände einer Heilerin begibt. Kiepenheuer & Witsch bringt neben Julian Barnes' "Lebensstufen" auch die Essaysammlung "Lieber aufgeregt als abgeklärt" von Eva Menasse, von deren Roman "Quasikristalle" bisher 75.000 Stück verkauft wurden. Und im Aufbau Verlag ist "Der unwiderstehliche Garten. Eine Beziehungsgeschichte" von Barbara Frischmuth bereits fast ein Frühlingsbote.

Literatur im März
Jung und Jung bringt am 3. März "Ich in Gelb" von Olga Flor, einen Blog-Roman der Modebloggerin Alice (Blog zum Buch: www.dasistkeinblog.com), ein Buch von Buchpreis-Siegerin Ursula Krechel über 20 Pionierinnen aus Kunst und Wissenschaft, von Bettina von Arnim bis Unica Zürn ("Stark und leise"), sowie "Altes Geld. Das Buch" zur TV-Serie von David Schalko.

Romanverfilmungen
Den Achtteiler mit Nicholas Ofczarek, Sunnyi Melles und Udo Kier statt des verstorbenen Gert Voss in der Hauptrolle gibt es im März bereits auf DVD, lange vor der für Herbst geplanten TV-Ausstrahlung. Die Verfilmung von Doris Knechts Roman "Gruber geht" durch Marie Kreutzer kommt Ende Jänner in die Kinos. Knechts neuer Roman "Wald" erscheint am 6. März bei Rowohlt Berlin. "Eine Frau, ein Haus und der Wald: ein fesselnder Roman über Verlust und Neuanfang", verheißt der Verlag. Die Modedesignerin Marian hat in der Stadt Bankrott gemacht und wohnt nun als unfreiwillige Aussteigerin allein in einem geerbten Haus in den Voralpen.

Wurst-Buch: "Ich, Conchita. We are unstoppable"
Gleich 280.000 Exemplare hat dtv von John Williams' "Stoner" verkauft. Im März folgt sein 2007 erschienener Roman "Butcher's Crossing". Mit hoher Verkaufsauflage darf man auch bei LangenMüller rechnen, wo Conchita Wurst "Meine Geschichte" erzählt: "Ich, Conchita. We are unstoppable", mit einem Vorwort von Jean-Paul Gaultier. Piper bringt Frederic Beigbeders "Oona & Salinger", einen Roman über die erste Liebe des Kultautors J.D. Salinger zu der 15-jährigen Oona O'neill.

Kehlmanns Vorlesungen
Bei Rowohlt erscheinen Daniel Kehlmanns Frankfurter Vorlesungen "Kommt, Geister" und der Roman "Irma" von Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz, beworben als "ein ganz und gar eigensinniger, sprunghafter, komischer, sehr unterhaltsamer und zugleich verstörender Versuch über Vergänglichkeit und Erinnerung". Unter dem Titel "Der traurige Prinz" hat Michael Degen den "Roman einer wahren Begegnung" mit Oskar Werner geschrieben. Der in Stuttgart lebende österreichische Buchpreis-Finalist Heinrich Steinfest legt bei Piper mit "Das grüne Rollo" einen literarischen Spuk vor.

Debüt von Valerie Frisch
Der März bringt u.a. auch das Suhrkamp-Debüt der 1989 geborenen Grazer Autorin und Fotografin Valerie Fritsch: "Winters Garten" ist eine idyllische Kolonie jenseits der Stadt, ein Sehnsuchtsort für den Vogelzüchter Anton und seine Frau Friederike. Auch Peter Handkes neues "Schauspiel in vier Jahreszeiten" mit dem Titel "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" erscheint bei Suhrkamp.

Literatur im April
Einen "Dachbodenfund" mit Gedichten von Comic-Zeichner Nicolas Mahler bringt der Luftschacht Verlag. Der in Wien lebende Tiroler Stefan Soder legt mit "Club" bei Braumüller einen Roman über Sterbehilfe als inszeniertes Event vor. "Zur unmöglichen Aussicht" (Haymon) ist der Titel eines neuen Romans von Gustav Ernst, dessen Protagonisten zwei Männer im Kaffeehaus sind. "Der letzte Schrei" heißt ein neuer Erzählband von A.L. Kennedy, "April in Stein" ein zeithistorischer Roman von Robert Streibel, den der Residenz Verlag zum 70. Jahrestag des Häftlingsmassakers von Krems-Stein (6. April) herausbringt.

Liebesroman von Aichner
Bestseller-Autor Bernhard Aichner ("Totenfrau" wurde in elf Länder verkauft) hat einen Liebesroman geschrieben: "Das Nötigste über das Glück" erscheint im April bei Haymon, bei Diogenes kommt ein neuer Krimi des Duos Bielefeld & Hartlieb: "Im großen Stil". Braumüller bringt den Roman "Das letzte Journal" von Alfred Goubran, in dem eine Jan Hus-Biografie als Ausgangspunkt für zwei Lebensgeschichten dient.

Vea Kaisers zweites Buch
125.000 verkaufte Exemplare für das Debüt "Blasmusikpop" waren eine hohe Vorgabe. Am 11. Mai erscheint bei Kiepenheuer & Witsch Vea Kaisers Zweitling "Makarionissi oder Die Insel der Seligen". Der Roman spielt "von Griechenland bis Niedersachsen von den Fünzigerjahren bis in die Gegenwart", wirbt der Verlag, die junge Österreicherin erzähle "in ihrem einzigartigen Ton von der Glückssuche einer Familie und deren folgenreichen Katastrophen, von Möchtegern-Helden und Herzensbrechern. Und von der großen Liebe, die man mehrmals trifft."

Buchmessen, Buchpreis, Literaturnobelpreis
Einige Termine des Jahres 2015 haben sich Buchhändler, Verleger und Autoren bereits dick im Kalender angestrichen: Leipziger Buchmesse (12.-15. März), das Klagenfurter Wettlesen um den Bachmannpreis (1.-5. Juli), die Frankfurter Buchmesse mit Indonesien als Ehrengast (14.-18. Oktober) sowie der Vergabe des Deutschen Buchpreises und Bekanntgabe des Literaturnobelpreises. Vielleicht klappt es ja diesmal für den Kenianer Ngugi wa Thiong'o, den Japaner Haruki Murakami oder die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch, die 2014 die Favoritenliste angeführt haben.

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