Festspiel-Kritik

"Sommernachtstraum" mit Maertens und Hunger-Bühler

Die Sommernachtstraum-Premiere sollte inklusive zweier Pausen dreieinhalb Stunden dauern. Nach drei Stunden (und einer Pause) war alles vorüber.

Premiere
So „imperfekt“ und irgendwie unvollendet wie das Timing war die ganze Aufführung. Aber: Sie hatte immensen Charme! Fraglos ist der 34-jährige deutsche Regisseur Christian Weise eine große Begabung.

Mit Furchtlosigkeit (nicht Respektlosigkeit) näherte er sich Shakespeares Liebeskomödie der Verirrungen und Verwirrungen. Dabei wilderte er in allen erdenklichen Gehegen des Schau- und Lichtspiels: Den Puck besetzte er mit einer Puppe und ließ diese wie im japanischen „Kabuki“-Theater von schwarz verhüllten Puppenführern animieren; Philostrat schien einer Begnadete-Körper-Show von André Heller entsprungen; und die jugendlichen Verliebten (darunter Salzburg-Debutantin Mavie Hörbiger als Hermia) gebärdeten sich so schnöselig-aggressiv wie in Teenie-Movies à la American Pie.

Das hätte natürlich, würde eine mindere Begabung Hand angelegt haben, alles dumm und dämlich werden können. Doch Christian Weise hat seine „samples“ so reizvoll abgemischt, dass sie den federleichten Stoff lieferten, aus dem Sommernachtsträume sind.

Saukomisch
Dass er darüber die Arbeit mit den Schauspielern ganz offensichtlich nicht vergessen hat, ehrt ihn umso mehr. Michael Maertens ist als wichtigtuerischer Laiendarsteller Zettel in Shakespeares polternden Handwerkerszenen einfach saukomisch. Und Robert Hunger-Bühler, in Slips und mit Hirschgeweih in der Hand, geht einem als abgetakelter Gott Oberon menschlich nahe. Buhs und Bravos seitens des Publikum!

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