03. Februar 2010 21:58
Es war der Austropop-Aufreger des Jahres: Letzte Woche gab EAV-Mastermind
Thomas Spitzer (56) in einem Format-Interview seinen Unmut über die
erfolgreichsten Band Österreichs (zwölf Millionen verkaufte CDs) kund: „Die
spielen für Geld alles“, „ich werde mich im Mai von der Tournee
zurückziehen“ und „eine neue Band suchen“.
Knapp vor Veröffentlichung der neuen CD Neue Helden braucht das Land (ab
Freitag) und der Helden-Tour (ab 3. 3.) schien das Ende der EAV besiegelt.
Relativierte schon Klaus Eberhartinger via ÖSTERREICH den Status quo („Die
EAV gibt es weiter, nur wird Spitzer nicht mehr alle Konzerte spielen.“), so
erklärt sich nun auch Spitzer selbst: wieso er von der EAV so frustriert
ist, warum er am Samstag doch in einer Schlagersendung auftritt und wie die
EAV als Jazz-Trio weitermachen könnte.
ÖSTERREICH: Wieso dieser Unmut?
THomas Spitzer: Ich bin dankbar, dass wir eine tolle Band sind. Doch
in ein paar Punkten sind wir nicht mehr so flexibel und visionär wie einst.
Ich hoffe, dass ich mit dieser Aktion eine Richtungskorrektur der EAV
bewirke. Die Fehler begannen mit dem Erfolg Mitte der 80er-Jahre, als wir
keine TV-Show abgelehnt haben. Dadurch haben wir uns auch diesen
fragwürdigen Nimbus als Kasperl-Band erworben.
ÖSTERREICH: Nun wollen Sie Krokodil und nicht mehr Kasperl sein?
Spitzer: Nur ich habe das Recht, mich auf einen Kasperl zu
reduzieren. So lange ich noch Energie und Träume verspüre, will ich mit
jeder CD ein bisschen zulegen. Ich will auch nicht nur alle zwei Jahre ein
Album machen und dazwischen die Hits spielen. Ich habe nicht die Schnauze
voll von der Ur-Idee der EAV, sondern von ihrer Positionslosigkeit. Ich bin
auch auf niemanden böse, höchstens auf mich selbst. Denn ich kann mich nicht
unwohl fühlen und nichts ändern. Das habe ich ohnedies zehn Jahre lang getan.
ÖSTERREICH: Was ist der Status quo der EAV? Wird das ihre letzte Tour?
Spitzer: Nein, so habe ich das auch nie gesagt. Ich will mir nur eine
Auszeit nach den interessanten Konzerten nehmen. Ich bin hoch motiviert und
mache diese Tour. Doch wenn es nur mehr um Gala-Auftritte mit der
EAV-Hitparade geht, gibt es so viele Gitarristen, die das viel besser
machen: Der braucht nur etwas zunehmen, Nase vergrößern, Doppelkinn – und
fertig ist der zweite Spitzer.
ÖSTERREICH: Spielt die EAV heutzutage wirklich für Geld fast alles?
Spitzer: Es ist sehr oft so, dass man die Musiker auch beschäftigen
muss. Doch meine Qualität ist es nicht primär, zum hunderttausendsten Mal An
der Copacabana zu spielen, das kann jeder andere besser, sondern Texte und
Songs komponieren. Und mir andere Freiräume zu schaffen. Denn nur wenn es
dem Spitzer gut geht, kann es der EAV gut gehen.
ÖSTERREICH: Wie geht der von Ihnen beschrieben Seelentod bei
Schlagersendungen mit dem Auftritt bei Carmen Nebel am Samstag konform?
Spitzer: Ich spüre zwar schon eine kleine Malaria kommen, wenn ich
daran denke, aber es spielt dort ein großes Vorbild: Peter Maffay.
Vielleicht kann er mir erklären, wie man es schafft, vom Schlagersänger zum
gefeierten Rockstar zu werden.
ÖSTERREICH: Klaus Eberhartinger meinte: Eine EAV-Show ohne Spitzer geht,
eine ohne Eberhartinger nicht…
Spitzer: Die EAV gab’s schon früher ohne Klaus. Und sie könnte es
auch ohne ihn geben. Es wäre für ihn positiv, auch im Kleinkunstbereich mit
feinen Zwischentönen aufzutreten.
ÖSTERREICH: Wie geht’s nun weiter?
Spitzer: Ich werde, wenn die anderen touren, nicht untätig sein und
mir neue Schweinereien für eine neue EAV meines Formats und meines Inhalts
zu suchen. Es gibt eine Idee, die Klaus, mich und einen Pianisten als
Jazz-Trio zeigt. Oder wir machen Kleinkunst, ohne nun zwingend die Hits zu
spielen. Die EAV muss wieder eine Orientierung haben – mit noch schärferen
Songs und noch weniger Kompromissen. Jeder, der da dabei sein will, ist
herzlich dazu eingeladen.