Stermann und Grissemann

© Udo Leitner

"Ein Witz ist kein Skandal"

Auf der Bühne spielten Dirk Stermann und Christoph Grissemann zuletzt die "deutsche Kochschau" eintausend Mal vor 825.000 Zusehern, im Fernsehen genießt ihr wöchentlicher Late-Night-Talk "Willkommen Österreich" ungebrochene Popularität. Am 19. Oktober feiert nun das neue Programm, schlicht "Stermann" betitelt, im Wiener Rabenhof seine Vorpremiere (die offizielle Premiere ist am 21. Oktober).

Was haben Sie eigentlich lieber auf sich gerichtet: Fernsehkameras oder Bühnenscheinwerfer?
Grissemann: Im Zweifelsfall bei mir lieber Bühnenscheinwerfer.
Stermann: Dafür machen wir beide jetzt schon lange genug Fernsehen, dass wir wissen, wenn die Leute uns nicht mehr sehen wollen oder etwa eine ganz neue Führung käme, dann verlierst du eine Fernsehsendung sehr leicht. Ich glaube, die Bühne wirst du immer haben können, unter Umständen aber halt eine sehr, sehr kleine Bühne. Wir wissen ja auch, wie es ist, etwa im Spektakel oder im Niedermair aufzutreten - und vielleicht ist sogar das irgendwann zu groß für einen. Einstweilen geht aber beides.

Ist der wöchentliche Fernsehauftritt hilfreich für die Arbeit an einem neuen Programm? Verschwindet das Lampenfieber?
Grissemann: Naja, insofern, dass man Witze aus dem Fernsehen auch auf der Bühne verwenden kann. Aber Lampenfieber habe ich immer, egal wie gut vorbereitet ich bin. Mich stresst das immer, aber auch positiv. Auch wenn ich weiß, dass ein Abend gut funktioniert, bin ich vorher sehr nervös. Nervöser auf der Bühne als im Fernsehen, im Fernsehen ist mir das mittlerweile relativ wurscht. Aber die Bühne hat für mich immer etwas mit Ehre zu tun, das möchte ich besonders gut machen. Fernsehen dagegen ist...
Stermann: ... ehrlos. Bei mir ist das genau umgekehrt. Ich finde ja eher, dass beim Fernsehen das Problem ist, dass alles, was du da sagst, ungeprobt ist, unabgeprüft, du hast es noch nie vor einem Publikum gesagt. Auf der Bühne hast du ab dem ersten Abend alles schon mal vor Leuten gesagt.
Grissemann: Ja, aber im Fernsehen ist das doch auch mehr so Wegwerfkomik. Ich weiß schon, dass es viel mehr Leute sehen im Fernsehen, da schauen dir 200.000 Leute zu, auf der Bühne 500 - aber für mich gilt ein Satz auf der Bühne mehr als ein Satz im Fernsehen. Auf der Bühne muss es was Endgültiges haben, was man auch verteidigen kann. Im Fernsehen gibt es Flapsigkeiten und Unverschämtheiten, die sofort verstrahlt sind - auf der Bühne muss ein Satz gelten.
Stermann: Im Radio haben wir Sätze gesagt, die wir im Moment des Sagens vergessen haben. Im Radio, so sagt man, versendet sich alles, darum sind Radiosendungen die lustigste Form der Unterhaltung. Am zweitlustigsten ist Fernsehen, am drittlustigsten Bühne. Aber für den, der's macht, ist Bühne das Angenehmste, weil du einfach weißt, was du machst.

Was nimmt man aus den bisherigen Previews des neuen Programms mit?

Stermann: Wir hatten jetzt elf Previews...
Grissemann: ... und es kommt überraschend gut an. Ich versteh's auch nicht, die Leute lachen.
Stermann: Es gab aber eine, bei der nicht so viel gelacht wurde, das hat uns natürlich sofort wieder zurückgeworfen. Aber mittlerweile vertrauen wir dem Programm.

Werden aktuelle politische Skandale Eingang ins Programm finden?

Stermann: Nein, wir müssen ja länger spielen, als Regierungen halten. Dann müssten wir in drei Jahren noch über Leute reden, die es gar nicht mehr gibt. Das ist ja auch das Problem, das so jemand wie (BZÖ-Mandatar Peter, Anm.) Westenthaler immer unterschätzt. Wenn der uns früher immer kritisiert hat, wussten wir: Ja, red du, es ist wurscht, denn wir sind länger da. Uns wird's noch geben, wenn die alle längst im Gefängnis sitzen.

Worüber lachen Sie lieber: Österreichisches Kabarett oder österreichische Politik?
Stermann: Also ich lache immer lieber über Kabarett. Ich finde die Politik auch gar nicht so lustig, ich finde sie eher immer ganz traurig. Ich finde zum Beispiel, dass (Kabarettist Michael, Anm.) Niavarani ein sehr lustiger Mann ist - über den lache ich lieber als über (SP-Bundeskanzler Werner, Anm.) Faymann.
Grissemann: Niavarani ist ein gutes Beispiel. Egal was der sagt, es ist immer lustig. Das ist im Endeffekt Humor. Humor ist, wenn man lacht. Der Inhalt eines Witzes ist in Wahrheit völlig wurscht.
Stermann: Früher sind wir ja immer angetreten mit provozierenden Sachen, nicht um zu provozieren, sondern weil wir die auch lustig finden. Aber inzwischen macht es mir auch Spaß, auf der Bühne so Oma-und Opa-Witze zu erzählen. Das ist etwas total Bizarres, als wärst du selbst Fips Asmussens Opa. Das finde ich irgendwie grade ganz reizvoll, weil es funktioniert. Die Leute lachen wirklich. Da denk ich mir, da kann ich auch gleich aufhören mit meinen anstrengenden Provokationen...

Apropos anstrengende Provokationen - zuletzt haben sich die provokanten Sager im Fernsehen doch ein wenig gehäuft...
Stermann: Ich glaube, das ist Zufall. Alles, was so skandalisiert wurde in unserer Sendung - als zum Beispiel Alfons Haider in unserer Sendung gesagt hat, Österreich ist so ein g'schissenes Land -, hab ich zuerst überhaupt nicht als Skandal wahrgenommen. Als mein Handy am nächsten Tag die ganze Zeit geläutet hat, hab ich zuerst gar nicht begriffen, was die eigentlich alle wollen - was war der Skandal?
Grissemann: Da war ja auch gar keiner. Das gilt auch für unsere Witze. Ein Witz ist kein Skandal. David Letterman macht viel, viel härtere Witze - aber da steht nie was in der Zeitung.

Wie geht man angesichts der gestiegenen Popularität mit hohen Erwartungshaltungen um?
Stermann: Ich kriege das nicht wirklich so mit. Durch die Fernseharbeit hast du natürlich mehr Publikum, aber auf der anderen Seite glaube ich, dass wir schon von vornherein sehr viel erfüllt haben dadurch, dass wir im Fernsehen sind. Die Leute zahlen Eintritt, weil sie sich unterhalten wollen - und weil sie die Sendung kennen, wissen sie, dass es lustig wird und lachen: außer, wenn wir sie völlig schocken würden und ausschließlich Sniper-Witze erzählen. (lacht)

Zum Schluss in drei Sätzen: was darf man sich vom Programm erwarten?
Grissemann: Gags, Gags, Gags. Wirklich, die Witzdichte ist enorm. Ob sie gelungen sind, das sei dahingestellt, aber wir versuchen wirklich in fast jedem Satz einen Witz zu machen. Das heißt, wir kommen in den zwei Stunden auf rund 150 Witze - und das muss uns Herr Niavarani erst einmal nachmachen. (lacht)

Wird auf "Stermann" als nächstes Programm unweigerlich "Grissemann" folgen?
Grissemann: Endlich sagt das mal einer!
Stermann: So viel darf ich verraten, es endet mit der Aussicht auf das Programm "Grissemann" - gegen meinen Willen.

 "Stermann" von und mit Dirk Stermann und Christoph Grissemann, Rabenhof Wien, Premiere: 21. Oktober, 20 Uhr, Nächste Termine: 22.-24. Oktober, 2., 9., 10., 16., 18.-20., 25., 26. November, 1., 4., 5. Dezember, Karten: 01 / 712 82 82, www.rabenhoftheater.com)
 

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