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Stones Anti-Bush-Film lässt Republikaner zittern

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Stones Anti-Bush-Film lässt Republikaner zittern

In den US-Kinos ist zwei Wochen vor der US-Wahl der Film "W." von Regisseur Oliver Stone gestartet - ein Film über und gegen George W. Bush. Dabei wird Bush mit seinen eigenen Waffen geschlagen und bloßgestellt - der Film hält sich in vielen Szenen an dokumentierte Zitate und Berichte aus dem inneren Kreis um den US-Präsidenten. Keine chronologische Biographie, sondern Highlights aus Bush's Leben - seine Jahre als Alkoholiker und Frauenheld bis zum Start der politischen Karriere sowie die Phase der Entscheidung über den Angriff auf den Irak werden intensiv beleuchtet.

Keine leichte Angelegenheit für die um jede Stimme kämpfenden Republikaner um John McCain - liegt er doch in allen Umfragen weit hinter seinem Kontrahenten Barack Obama. Ausgerechnet kurz vor der definitiven Entscheidung um die Führung des Landes lässt Oliver Stone seinen Filmtross über Amerika los - vermutlich geplant.

Rice als Ja-Sagerin
George W. Bush (Josh Brolin) als hüftenschwingender, großmäuliger und Sandwich-verschlingender Spross der Bush-Familie wird als Präsident umringt von seinem Stab: Condoleeza Rice (Thandie Newton) als Ja-Sagerin, die Bush nach dem Mund redet, und Dick Cheney (Richard Dreyfuss) als Fadenzieher hinter den Kulissen und Colin Powell (Jeffrey Wright) als aufrechter Skeptiker des Irak-Kriegs, der als einziger Sorgen um die "Boys" im Irak hat. Dass Bush seine Mitarbeiter mit Spitznamen belegt und gerne herumkommandiert, ist auch von ehemaligen Mitarbeitern des engsten Kreises in "Enthüllungsbüchern" belegt - und die raue Atmosphäre bei den Besprechungen im Weißen Haus wird dementsprechend geschildert.

Wiedergeburt als Christ
Besonders das religiöse Sendungsbewusstsein des wiedergeborenen Christen Bush, die Rolle der Religion, die ihn in seinen politischen Plänen bestätigt, und die schlichte Einteilung in "Gut" und "Böse" - wobei Bush immer bei den Guten ist - sind in starken Stellen des Films treffend gezeichnet. Hingegen sind die Diskussionen im Stab um den Beginn des Irak-Kriegs für weniger politisch Interessierte im Film vermutlich zu langwierig ausgefallen. Die berühmte Frage bei einer Pressekonferenz nach den größten Fehlern des Präsidenten, die diesen damals ordentlich ins Stottern brachte, darf in dem Film ebensowenig fehlen wie die dokumentierten Hoppalas, wo Bush mit der englischen Sprache auf Kriegsfuß steht ("Is our Children learning"?)

Gegen den Krieg
"W." ist auch ein Anti-Kriegsfilm, wonach das Schicksal der betroffenen Menschen, der US-Soldaten und der irakischen Bevölkerung keine Rolle in den Überlegungen im Oval Office und im abgeriegelten "War-Room" spielen, sondern Machtinteressen und strategische Überlegungen zur Energieversorgung. Der Sohn, der das Werk des Vaters im Irak vollenden will und Saddam Hussein stürzt, ist dabei ein zentrales Thema. Ein US-Präsident, der als persönliches "Opfer" seit Beginn des Irak-Kriegs keine Süßigkeiten mehr isst, und bei Besuchen verwundeter Soldaten unberührt T-Shirts überreicht, wird schnell zur zynischen Witzfigur. Als Feld der Inszenierung wählt der Regisseur für Bush immer wieder ein Baseball-Stadion, wo ihm imaginäre Zuschauer auf den Rängen zujubeln.

Krasse Hintergründe
Rückblenden in die Trinker-Jahre beleuchten ein problematisches Vater-Sohn-Verhältnis, in dem der junge George W. seinen lange übermächtigen Vater George H. W. Bush (James Cromwell) durch seine Eskapaden immer wieder enttäuscht. Mutter Barbara Bush (Ellen Burstyn) ist als impulsive energische Frau dargestellt, während Laura Bush (Elizabeth Banks) als Stütze ihres Mannes ohne eigenes politisches Interesse mit beschränktem Horizont gezeichnet wird. Während Bush noch über sein persönliches Versagen gegenüber seinem Vater grübelt, weil die Massenvernichtungswaffen, sein Kriegs-Grund, im Irak nicht zu finden sind, schlägt Laura beim abendlichen Gespräch im Schlafzimmer Ablenkung vor: "Sehen wir uns doch Cats an".

Der Abspann des Films wird von Bob Dylans Anti-Kriegssong "With God on our Side" untermalt - "Wenn Gott auf unserer Seite ist, wird er den nächsten Krieg stoppen". Die Kritikerin der "Washington Post" fragt allerdings nach dem "Why W."? - warum sollte man sich den Film überhaupt ansehen, wo das letzte Kapitel über Bush noch nicht geschrieben ist.

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