Südtiroler Frosch wird abgehängt Südtiroler Frosch wird abgehängt

Kunstaktion zu Ende

 

 

Südtiroler Frosch wird abgehängt

Jener umstrittene Frosch, der in politischen Kreisen für Diskussionen gesorgt hatte und als Blasphemie bezeichnet wurde, wird im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, dem "Museion", in Bozen abgehängt. Das Werk "Zuerst die Füße" des inzwischen verstorbenen deutschen Künstlers Martin Kippenberger wird am Ende der viermonatigen Ausstellung "Peripherer Blick und kollektiver Körper" am Sonntag seinem Tiroler Besitzer zurückgegeben, teilte eine Sprecherin des Museums mit.

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Das rund einen Meter hohe Kunstwerk zeigte einen grünen ans Kreuz geschlagenen Frosch, der die Zunge herausstreckt und in einer Hand einen Bierkrug und in der anderen ein Ei hält. Bereits bei der Eröffnung der Ausstellung am 24. Mai wurde der Vorwurf der Gotteslästerung laut. Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) hatte das Objekt als Respekt- und Geschmacklosigkeit bezeichnet.

Zwei Monate später war der SVP-Politiker und LAbg. Franz Pahl, in den Hungerstreik getreten, um gegen das Werk zu protestieren. Laut ihm sei das Objekt eine "Pervertierung des christlichen Kreuzes". Eine Woche später hatte ein Schwächanfall Pahls der Protestaktion ein Ende gesetzt.

Am 28. August hatte der Politiker angekündigt, nicht auf der SVP-Liste für die am 26. Oktober stattfindende Landtagswahl anzutreten. Diese Entscheidung war eine Konsequenz des Abstimmungsergebnisses des Museion-Stiftungsrates gewesen: mit 6:3 hatte sich dieser nach einer Abstimmungsforderung vonseiten des Landes Südtirol für den Verbleib des Frosch-Kunstwerkes ausgesprochen. Pahl hatte gemeinsam mit einem zweiten Politiker eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Verletzung religiöser Gefühle angekündigt, die Union hatte 10.263 Unterschriften gegen das Kunstwerk gesammelt.

Ende Juli wurde schließlich das 1990 geschaffene Kunstwerk vom Eingangsbereich in den dritten Stock des Museion "übersiedelt". Das Museum hatte gehofft, mit dieser Aktion die Diskussionen über das Kunstwerk beendet zu haben.

Kritik aus Rom
Kritisch hatte sich auch der Papst während seines Urlaubes im Südtirolerischen Brixen in Form eines Briefes an Pahl geäußert. Darin hatte Benedikt XVI. betont, dass das Kunstwerk "die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzt hat, die im Kreuz ein Symbol der Liebe Gottes und unserer Rettung sehen".

Die Kuratorin des Museions, Letizia Ragaglia, hatte zur Erläuterung gemeint, Kippenberger habe sich selbst in der Schaffensphase als Gekreuzigter gefühlt. Der Künstler hatte zum Zeitpunkt der Entstehung einen Alkohol- und Drogenentzug gemacht.

Fotos: (c) Reuters, AP

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