18. August 2009 15:45
Am Ende brennen sie alle: Goebbels, Göring, Bormann und, ja, auch Adolf
Hitler. Im Flammenmeer in einem Pariser Kino, bei der Premiere des fiktiven
Propagandafilms Stolz der Nation. Das Resultat eines Racheakts, der
das Dritte Reich vorzeitig beendet: Der „Führer“ im
Inferno brennender Nitrofilm-Rollen, das Kino, ein Krematorium, obsiegt.
Sehen
Sie hier die blutigen Filmplakate!
Sehen Sie hier, wie Quentin Tarantino seinen Film vorstellt!
Der neue Spezialclip von "Inglorious Basterds"
Das ist der erste Trailer von "Inglorious Basterds"
Trash-Meister
Die Weltgeschichte so ungeniert umzuschreiben, das
kann, das darf nur Quentin Tarantino. Am Spielplatz des Kinos ist dem
Trash-Liebhaber kein Thema sensibel genug, um es nicht doch durch seine
Fantasie zu jagen.
Bisher intelligentester Film
Inglourious Basterds ist
Tarantinos bisher intelligentester Film, eine Farce, inszeniert wie ein
Western aus den 70ern, mit Musik von Morricone und einem Intro wie im
Märchen. Satirisch zwar, aber meistens einfach nur radikal im Umgang mit
Geschichte. Dazu eine Huldigung vieler Filmgrößen des Dritten Reichs – und
ihrer künstlerischen Opponenten, von Riefenstahl bis G. W. Pabst.
All-Star-Cast
Und ein All-Star-Cast: Brad Pitt skalpiert mit
einer Truppe von Nazi-Hassern (Til Schweiger, Gedeon Burkhard) jeden Nazi,
der ihm unterkommt. Diane Krüger als UFA-Filmstarlett verfolgt
Widerstandspläne, Daniel Brühl ist der Star von Stolz der Nation, der im
Kino der Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) gezeigt wird. Deren Plan:
Der „Führer“ soll sterben, in ihrem Kino.
Oscar-Anwärter
Der Ursprung für Shosannas Rachelust liegt
am Beginn: Da lässt der SS-Judenjäger Hans Landa ihre Familie ausrotten. Christoph
Waltz spielt diesen fiesen Verbrecher, und er ist der Höhepunkt des
Films: Seine Kaltblütigkeit, versteckt hinter einer Fassade aus Intellekt,
Sprachgewandtheit und teuflischem Charme, wendet er sadistisch-quälend auf
seine Opfer an.
Funktioniert nur in Originalfassung
Mühelos parliert er auf
Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch mit solch sprachlicher
Präzision, dass der Film nur in Originalfassung mit Untertiteln funktioniert
– 90 Prozent seiner Raffinesse liegen in der (Fremd-)Sprache. In der
deutschen Synchronfassung bleibt davon (wie so oft) nichts mehr übrig. Kein
Wunder, dass Waltz in den US-Medien schon als „Oscar-Favorit“ gehandelt
wird. „Er stiehlt Pitt die Show und ist einer der logischen Oscar-Anwärter“,
schreibt etwa Kritikerpapst Paul Cullum.
Im Original jedenfalls sind es die zweieinhalb ungewöhnlichsten,
kinematografisch unglaublichsten Kinostunden, die man von Tarantino je
gesehen hat.