Techno-Fans eroberten Essen

Loveparade

© AP Photo/Frank Augstein

Techno-Fans eroberten Essen

Die 1989 Berlin gegründete Loveparade hatte im vergangenen Jahr in der Hauptstadt nach Veranstalterangaben ebenfalls bis zu 1,2 Millionen Fans angezogen; die Polizei sprach damals aber nur von 500.000 Besuchern.

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Die Absperrungen am Straßenrand konnten die Tanzbegeisterten nicht aufhalten: Zur ersten Loveparade im deutschen Ruhrgebiet wurden am Samstag Ampel- und Laternenmasten erklommen und zum Schwingen gebracht; die Dächer von Toilettenhäuschen wurden kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert. Neben den Floats, den dröhnenden Paradewagen auf dem 2,5 Kilometer langen Zugweg durch Essen, sorgten Discjockeys wie die Disco Boys, Marusha und Kosheen auch am Nachmittag schon am Berliner Platz für gute Stimmung.

Mehrere hunderttausend Techno-Fans hatten die Essener Innenstadt bereits seit dem frühen Nachmittag in eine Art Tollhaus verwandelt. Sie ließen sich von der Beschallung der 27 Wagen mitreißen, welche sich langsam durch die hüpfenden und kreischenden Menschenmengen bewegten. Am Straßenrand tanzte etwa die 25-jährige Hamburgerin Katrin Messow in einer Militärhose und einem engen Top: "Wir machen bis heute Abend weiter, wenn wir dann noch können", sagte sie fröhlich. Das sommerliche Wetter ließ viele Raver immer wieder Abkühlung suchen. Wegen der Enge in der Innenstadt komme es ihr viel voller vor als in Berlin, wo sie bereits vier Mal die Loveparade besucht habe, sagte Messow.

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Auf den sogenannten Floats war die Musiklautstärke besonders hoch - das machte Gesa (26) aber nichts aus: "Ich tanze einfach drauf los." Die Tänzerin wurde von den Betreibern des Wagens bezahlt, sich professionell zu den Bass-Klängen zu bewegen, die besonders bei Straßenunterführungen eine ohrenbetäubende Lautstärke entwickelten. Die Tänzer auf den Floats sollten die Technofans animieren: Vielen von ihnen machte auch die Lautstärke nichts aus, sie verzichteten wie Linda Tullius (20) aus Essen auf Ohrenschutz: "Es muss laut sein."

Kai Häser aus Duisburg hingegen fand es zu eng in der Essener Innenstadt. "Da war Berlin besser, da konnte man sich zwischendurch mal im Tiergarten ausruhen", sagte der 23-Jährige. Seine Freunde waren jedoch begeistert vom Float eines Mannheimer Radiosenders, auf dem ein riesiger blauer Kopf aufgepustet wurde. Zum Feiern reichte Stephanie Gärtner (21) und Dennis Völz (23) auch die Musik: "Wir brauchen ansonsten nur ein bisschen Bier und Softdrinks gegen den Durst", beteuerten sie.

Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller freute sich über den "urbanen Charakter" in Essen: "Das treibt die Leute noch mehr an." Die Stimmung der ersten Parade im Ruhrgebiet sei für ihn "unfassbar".

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