Teil 1: Natascha ist weg

Teil 1

© APA/ Roland Schlager

Teil 1: Natascha ist weg

Brigitta Sirny-Kampusch, die Mutter von Natascha Kampusch, hat am Dienstag ihr Buch über die Jahre der Entführung ihrer Tochter vorgestellt. Die 57-jährige Wienerin hat sich darin ihr Leid von der Seele geschrieben.

Lesen Sie hier die erste Kritik des neuen Buches: Teil 1

Zum Start: Natascha taucht auf
In Deutsch-Wagram ist ein junges Mädchen aufgetaucht. Die sagt, sie ist die Natascha.
Das Buch beginnt mit dem Tag, an dem Natascha Kampusch gefunden wird. Brigitta Sirny ist mit ihren beiden Enkelinnen nach Mariazell gefahren, als sie den Anruf einer Journalistin erhält. Sie will eine Kerze in der Basilika anzünden. Wie jedes Jahr, seit ihre Tochter verschwunden ist. Dann meldet sich das Wiener Sicherheitsbüro. Ist sie es? fragt Brigitta Sirny. Zu neunundneunzig Prozent, antwortet der Beamte. Es ist Nachmittag. Kurz nach fünf. Mittwoch, 23. August 2006.

Ohrfeige zum Abschied
Kapitel 1 beschreibt den Tag, an dem Natascha Kampusch verschwand. Natascha ist spät dran, es kommt zum Streit zwischen Mutter und Tochter, den Brigitte ziemlich harmlos beschreibt. Soll ich dich in die Schule führen?
Ich geh allein.
Na, hallo! Im Vorbeigehen gab ich ihr einen Klaps auf den Mund.
Ohne ein Wort nahm Natascha den roten Anorak vom Haken, hängte sich die Schultasche um und ging zur Eingangstür. Tschüss, rief ich ihr nach. Krieg ich kein Bussi? Tschü-hüs, gab sie zurück. Es klang stinksauer.
Ein Klaps auf den Mund? Was ist das? Eine Ohrfeige? Jedenfalls: Die paar Tage, an denen sie ohne mich in die Schule ging, habe ich ihr immer nachgewinkt. Aber sie drehte sich nicht um.

Natascha ist weg
Dann ist Natascha weg. Um vier Uhr sollte sie aus dem Hort heimkommen. Um fünf ist sie immer noch nicht da. Brigitta Sirny ruft im Hort an, erreicht niemanden, fragt die Eltern eines Hortfreundes von Natascha, erfährt schließlich. Sie war heute überhaupt nicht in der Schule. Sie erstattet Vermisstenanzeige. Um neun Uhr Abends läuten zwei Kriminalbeamte in Lederjacke bei ihr, decken sie mit Fragen ein. Und dann: Wissen Sie was, Frau Sirny. Sie geben mir jetzt einmal den Kellerschlüssel. Die Beamten stellen alles auf den Kopf. Ich kam mir vor wie eine Verbrecherin.

Natascha wird gesucht Das Warten beginnt. Brigitta Sirny hadert mit dem Schicksal (Der Klaps wäre nicht notwendig gewesen), das Radio berichtet zum ersten Mal vom verschwundenen Mädchen. Ich schrie innerlich um Hilfe und aus dem Lautsprecher kam es heraus. So war das also ...Bis jetzt wurde ich von Nachrichten berieselt ...jetzt war es meine Geschichte, die da schön heruntergesprochen wurde. Ruhig. Unpersönlich. Als wäre nicht der Gehsteig aufgegangen und hätte meine Tochter verschluckt.

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