Triumph an der Oper

Löbl-Kritik

© Staatsoper

Triumph an der Oper

Eine der schönsten Inszenierungen der letzten Jahre. Mit zwei Stars: Technik und Orchester der Wiener Staatsoper. Die aus Vorhängen, Prospekten, Spiegelflächen, markanten Requisiten auf der Drehbühne geschaffene Imagination erfordert präziseste Verwandlungen. Und die delikate, zitatenreiche, kostbare Partitur bedarf einer ebenso präzisen, nuancenreichen Realisierung. Beides war an diesem Premierenabend überzeugend.

Capriccio von Richard Strauss wurde 1942 uraufgeführt. Ein Konversationsstück mit und über Musik. Ist sie wichtiger als der Text? Um diese Frage geht es, reflektiert in der Zuneigung eines Komponisten und eines Dichters zur Gräfin, die zwischen beiden wählen soll.

Libretto
Das witzige, pointenreiche Libretto (von Clemens Krauss) ironisiert die Bühnenwelt des 18. Jahrhunderts, bezieht sich jedoch auch auf heu­tige Streitfragen. Daher changieren Marco Arturo Marelli (Regie, Bühne, Licht) und Dagmar Niefind (Kostüme) virtuos zwischen Rokoko und Gegenwart, nähren damit einen scheinbar historischen Diskurs mit unserer eigenen Theaterpraxis. Das tut dem Stück gut, weil damit nicht bloß Musikgeschichte auf der Bühne verhandelt wird.

Die Lektüre des Textbuches ist aber Besuchern als Vorbereitung dringend zu empfehlen. Denn nicht jeder auf der Bühne kann ­rollengerecht so genau, so markant artikulieren wie Adrian Eröd (Olivier). ­Seine Partner (Angelika Kirchschlager und die Herren Schade, Skovhus, Hawlata) sind ausgezeichnet, doch spürt man, dass die Noten größte Aufmerksamkeit brauchen. Renée Fleming (Gräfin) bezaubert als Erscheinung, mit ihrem singulären Stimmtimbre, mit dem Wohllaut ihres Singens, aber man versteht von ihrem Text zu wenig. Musikalisch perfekt die heiklen Ensembles (großartig etwa das Diener-Oktett), in den Aktionen werden alle Charaktere und ihre Beziehungen geschärft. Philippe Jordan hat Bühne und Orchester ideal aufeinander abgestimmt und sorgt dafür, dass all die feinen Kostbarkeiten dieses Alterswerks zur Geltung kommen. Ein großer Premierenabend, ein großer Erfolg.

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